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Adieu Ticketkontrolle: Deutsche Bahn führt Komfort Check-In ein

Deutsche Bahn

Im Zug eine Runde schlafen, ohne vom Zugpersonal für die Ticketkontrolle geweckt zu werden? Das ist jetzt möglich. Die Deutsche Bahn hat den so genannten Komfort Check-In eingeführt. Auf (fast) allen ICE-Strecken könnt ihr ab sofort mit der DB Navigator App auf eurem reservierten Sitzplatz einchecken. Der Zugbegleiter weiß, wo ihr sitzt – und er weiß, dass er euch nicht mehr kontrollieren braucht.

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DB Komfort CheckIn

Dank DB Komfort Check-In keine Ticketkontrolle mehr im Zug

So funktioniert’s

Um den Komfort Check-In nutzen zu können, ist es zwingend erforderlich, dass ihr euer Ticket entweder online über Bahn.de oder über die DB Navigator App kauft. Die Fahrkarte müsst ihr zudem zusammen mit einer Sitzplatzreservierung buchen! Stellt anschließend sicher, dass die Fahrkarte in der DB Navigator App hinterlegt ist. Auch bei auf der Website gekauften Fahrkarten ist dies möglich, entweder in dem ihr eueren Buchungscode hinterlegt oder euch mit dem Meine Bahn-Konto einloggt. Geht dazu auf den Menüpunkt „Meine Tickets“:

Bahn Auftragsnummer hinhzufügen

Zunächst müsst ihr euer Ticket in der DB-Navigator App hinterlegen © DB

Verreist ihr mit BahnCard, muss auch diese in der App hinterlegt sein!

Nun gehört etwas Glück dazu: Funktioniert der Check-In wirklich schon? Theoretisch sollte es mittlerweile auf fast allen ICE-Strecken möglich sein, selbst einzuchecken. In Foren liest man aber noch von Problemen. Eine Hinweis gibt euch hierbei möglicherweise dieses PDF-Dokument, in dem die Bahn die verschiedenen Ausbaustufen erklärt. Auch gibt es vereinzelt Durchsagen, wenn in eurem ICE das Angebot verfügbar ist. Um den Komfort Check-In durchzuführen, geht erneut in den Menüpunkt Meine Tickets und wählt euer Ticket aus. Klickt nun auf Reiseplan. Ist der Komfort Check-In verfügbar, befindet sich dort ein Button Komfort Check-In.

DB Komfort Check In Beastätigung

Mit einem Klick bestätigt ihr, dass ihr euren Sitzplatz eingenommen habt © DB

Einfach klicken und anschließend bestätigen – aber erst, sobald ihr euren Sitzplatz eingenommen habt. Der Zugbegleiter sieht nun auf seinem Mobilen Terminal, wo die eingecheckten Fahrgäste sitzen und sollte euch nicht mehr kontrollieren – theoretisch zumindest. Auf Nachfrage müsst ihr euer Ticket natürlich immer Vorzeigen.

Vor- und Nachteile

Ein wirklich ausgeklügeltes System hat sich die Bahn da einfallen lassen – nur so ganz ausgereift ist es nicht. Wir stellen die Vor- und Nachteile für euch gegenüber:

  • Komfort für den Kunden: Als Bahnreisender könnt ihr schlafen, arbeiten oder euch unterhalten – ohne dabei vom Zugbegleiter gestört zu werden oder euer Ticket rauskramen zu müssen
  • Effiziente Kontrolle: Der Zugbegleiter sieht auf seinem Terminal übersichtlich, wo Fahrgäste sitzen, die eingecheckt sind und hat mehr Zeit, um z. B. Fragen der Reisenden zu beantworten
  • Sitzplatzreservierung nötig: Um den Komfort-Check-In nutzen zu können, ist eine Sitzpatzreservierung erforerlich, die zusammen mit der Fahrkarte gekauft wurde
  • Umbuchung nicht möglich: Wenn ihr euere Reservierung ändert und mit einem anderen Zug fahrt, könnt ihr trotzdem nicht oder nur auf dem „alten“ Zug einchecken. Das zumindest wird im Forum ICE-Treff berichtet.
  • Probleme bei Sitzplatzwechsel & Co.: Setzt ihr euch auf einem anderen Platz als der reservierte oder steigt ihr vorzeitig aus, bittet die Bahn darum, den Check-In rückgängig zu machen. Dies geht allerdings nicht über die App, sondern ihr müsst den Zugbegleiter ansprechen.
  • Nur Online-/Handytickets: Der Komfort-Check-In funktioniert nur mit Tickets, die auf dem DB Navigator hinterlegt werden können. Mit Papiertickets vom Schalter oder Automaten ist der Check-In nicht möglich.
  • Abhängig von Mobilfunknetz: Ist kaum oder kein Empfang vorhanden, kann der Zugbegleiter nicht überprüfen, welche Fahrgäste eingecheckt sind – und die Fahrgäste selbst können den Komfort Check-In nicht durchführen
  • Nur in ICEs: Wegen der mangelhaften Netzqualität und fehlender Mobilfunkrepeater ist ein Komfort Check-In in IC- oder EC-Zügen momentan nicht möglich. Im Nahverkehr ist der Komfort-Check-In ohnehin (noch) nicht denkbar, da es dort in der Regel keine Sitzplatzreservierungen gibt.

Fazit und Ausblick

Die Deutsche Bahn hat in den letzten Jahrzehnten die Digitalisierung verschlafen. Vor zwei bis drei Jahren hat der Konzern das Problem erkannt und ist aus seinen festgefahrenen Strukturen ausgebrochen – unter anderem mit Hilfe der neu gegründeten Ideenlabors d.lab. Der Komfort Check-In dürfte auch aus diesem Labor stammen und ist wirklich eine echte Innovation, was durchaus positiv zu sehen ist. Leider ist das System noch nicht ganz ausgereift. Warum kann man seine Sitzplatzreservierung nicht ändern? Wieso gibt es in der App keinen Button, den man anklicken kann, wenn man sich doch auf einen anderen Platz gesetzt hat? Warum kann man nicht ohne Sitzplatzreservierung einfach den eigenen Sitzplatz in der App angeben? Da gibt es noch viel zu tun. Immerhin will die DB das Angebot in den nächsten Monaten auf andere Tickettypen ausweiten.

Viele kritische Stimmen gibt es zur Frage: Bedeutet adieu Ticketkontrolle auch adieu Schaffner? Ich glaube kaum, dass Personaleinsparungen das primäre Ziel dieser Maßnahme sind. Zumindest nicht auf kurze Sicht. Vor allem dürfte es darum gehen, das Produkt Bahn in unserer digitalisierten Welt zeitgemäß zu machen. Das Zugpersonal muss nach wie vor betriebliche Aufgaben wahrnehmen, Kundenfragen beantworten und – nach wie vor sind mehr 50% (nach Umsatz) klassische Papiertickets vom Schalter oder Automaten. Bahnfahren ist und wird die nächsten Jahrzehnte technisch Barrierefrei bleiben müssen – Papiertickets werden nicht so schnell aussterben.

Das Angebot dürfte allerdings dazu dienen, den Vertriebskanal „online“ beliebter zu machen – zum Nachteil der Beschäftigten, die klassisch am Bahnhof und im Reisezentrum Tickets verkaufen. Ticketautomaten und Schalter sind teuer und der Bahn daher schon länger ein Dorn im Auge.

Titelbild: © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Titelbild: © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Adrian

Eigentlich von Beruf Radioredakteur. Seit ein paar Jahren regelmäßig in der Luft und auf der Schiene unterwegs. Seither durchforste ich täglich das Netz nach den besten Reiseschnäppchen. Ein Spezialgebiet von mir: Bahnreisen. Seit Juni 2017 bin ich im Team von Travel-Dealz. Ich freu mich über Mails an adrian@travel-dealz.de
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Kommentare (5)

  1. Ich hab die Funktion auch während der Beta Phase getestet, musste aber immer meine Fahrkarte vorzeigen (egal ob 1. Kl, oder 2. Kl.) .

    Letztes mal ist es mir Sonntag passiert, als ich darauf hingewiesen habe, dass ich den Komfort Checkin durchgeführt hab, hat der Schaffner erstmal verduzt geschaut, sein Terminal gecheckt und nach einiger Zeit bestätigt.

    Hoffentlich gewöhnen sich die Schaffner schnell an den neuen Prozess 🙂
    Gruß

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  2. Was soll der Komfort wen nach jedem Halt des Zuges die blöde Begrüßung der neuen Fahrgäste kommt. Da ist nichts mit schlafen.

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  3. Funktioniert ohne Probleme sofern man auch auf dem reservierten Platz sitzt. Wird aber sehr gut in den Infos beschrieben, schon einige Male getestet.

    Antwort

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