Bewertung: Avianca Business Class Bogota – München in der Boeing 787

Avianca Business BOG MUC Bulkhead

Als Avianca im November 2019 einen Business-Class-Error-Fare von den ABC-Inseln nach München veröffentlichte, zögerten auch wir im Travel-Dealz-Team nicht lange. Für knapp 400€ pro Person buchten wir ein Oneway-Ticket ab Curacao und reisten zu dritt zurück nach Deutschland.

Info

Dieser Flug fand vor Ausbruch der Pandemie statt. Auf aktuelle Schutzmaßnahmen wird deswegen nicht eingegangen. Außerdem hat Avianca in den USA Insolvenz angemeldet, fliegt aber weiter.

Avianca genießt in Europa nicht den besten Ruf, fliegt aber immerhin mit einem modernen Boeing 787 Dreamliner von Bogota nach München. Doch reicht das, um zu überzeugen? In diesem Review erfahrt ihr es.

Zunächst aber die Flugdetails:

  • Flug: AV54 Bogota BOG – München MUC
  • Sitzplatz: 7K
  • Fluggerät: Boing 787-8 N782AV
    (Auslieferung Dezember 2014)
  • Planm. Abflug: 23:26
  • Planm. Ankunft: 16:30
  • Blockzeit: 11h 04min
  • Zeitraum: Januar 2020

Buchung

Wir hatten unser Ticket direkt über Avianca.com gebucht, was sich im Nachhinein als weniger kluge Entscheidung herausstellte. Nach Abschluss der Kreditkartenzahlung erschien lediglich der Hinweis „Your ticket has not been confirmed„. Bei einem Error Fare nicht das, was man hören möchte und so buchten wir über Expedia.com noch ein zweites Ticket hinterher, das auch sofort ausgestellt wurde.

Schließlich, acht Stunden nach der Buchung über Avianca.com, erhielten wir von Avianca aber doch noch das Ticket per E-Mail. Da wir über die amerikanische Expedia-Seite gebucht hatten, ließ sich die Expedia-Buchung glücklicherweise innerhalb von 24 Stunden kostenfrei stornieren.

Danach wurde es lange Zeit ruhig. Von Avianca hörten wir monatelang nichts mehr und so war ziemlich sicher: Das „Angebot“ würde honoriert. Ein paar Wochen vor Abflug informierte man uns noch per Mail über eine „Flugzeitenänderung“, bei der sich tatsächlich aber nur die Flugnummer geändert. Wie in der Mail beschrieben riefen wir zwecks Bestätigung einmal die Avianca-Hotline an. Dort bestätigte man die Änderung, der Anruf wäre aber nicht notwendig gewesen.

Passenderweise hatten wir ein paar Monate zuvor ein United-Ticket von Dublin nach Panama für 200€ erstanden. Von diesem Ticket ließen wir den Rückflug verfallen und nutzten stattdessen die Avianca-Buchung. Alles lief wie am Schnürchen: Einen Copa-Award von Panama nach Curacao gab es über Aegean Miles+Bonus für 12.500 Meilen + 50€ und für den United-Flug nach Newark erhielten wir ein Polaris-Upgrade mittels PlusPoints.

Check-in

Den Check-in hatten wir in Curacao vorgenommen. Dort hatte ein eigener Schalter für Business-Class-Passagiere geöffnet, an dem wir die einzigen Gäste waren. Der Mitarbeiter am Check-in sprach gutes Englisch und händigte uns die Bordkarten für den Flug nach Bogota und weiter nach München aus.

Diesbezüglich gibt es also nichts zu kritisieren, höchstens bezüglich der anschließenden Erfahrung am Flughafen. Wir mussten etwa eine halbe Stunde an der Sicherheitskontrolle (eine Fast Lane gab es nicht) und Avianca zahlt auch nicht für die (erstaunlich gute) Lounge in Curacao. Glücklicherweise war sie aber mit Priority Pass zugänglich.

Lounge

Hier geht es aber um den Flug von Bogota nach München, also spulen wir einfach mal drei Stunden vor. Nach dem Flug von Curacao nach Bogota (typische Domestic-First-Sitze mit eher enttäuschendem Service) standen wir gegen 21 Uhr vor dem Eingang der dortigen Avianca Lounge. Durch das internationale Business-Class-Ticket erhielten wir Zugang zur Diamond Lounge, die wohl etwas besser ist, als die benachbarte Lounge für Star-Gold-Gäste.

Avianca Diamond Lounge BOG Rezeption

Groß waren die Erwartungen an die Avianca-Lounge nicht und so konnten wir eine Enttäuschung vermeiden. Die Avianca Lounge kann es nämlich keinesfalls mit einer United Polaris Lounge oder Air Canada Signature Suite aufnehmen. Schon eher angemessen ist der Vergleich mit einer Lufthansa Business Lounge: Nichts Tolles, aber man kann es hier ein paar Stunden aushalten.

Da die Diamond-Lounge nur von Mitgliedern mit Diamond-Status bei Avianca LifeMiles und eben Business-Class-Ticket besucht werden darf, ging es hier recht ruhig zu. Sitzgelegenheiten sind ausreichend und in verschiedenen Ausführungen vorhanden.

Avianca Diamond Lounge BOG Sitze
Einige der Sitzmöglichkeiten in Aviancas Business Class Lounge

Es gab auch einige abgeschirmte Couches. Sie wurden aber größtenteils dazu genutzt, fehlenden Schlaf nachzuholen und standen somit nicht als Sitzgelegenheit zur Verfügung.

Die Auswahl an Speisen war zunächst etwas enttäuschend: Abseits von etwas Obst, einer kleinen Salatbar und kleinen Snacks wie belegten Broten gab es nur noch einen Sandwich-Maker mit passenden Zutaten in Selbstbedienung zu entdecken. Als dann Mini-Frühlignsrollen und Pizza aufgetischt wurden, verbesserte sich die Situation schlagartig und es war ein halbwegs annehmbares Niveau erreicht.

Die Getränkeauswahl war in Ordnung. In mehreren Kühlschränken standen verschiedene Soft Drinks und Biere bereit.

Boarding

Laut Bordkarte hätte das Boarding 60 Minuten vor Abflug beginnen sollen. Man konnte uns aber schon in der Lounge sagen, dass das Einsteigen erst für 45 Minuten vor Abflug geplant war.

So kam es dann auch und man legte ziemlich pünktlich mit dem Boarding los. Nachdem die Familien mit Kleinkindern und hilfsbedürftige Reisende an Bord waren, ging es mit dem Priority-Boarding für Gruppe A weiter. Diese Gruppe umfasst Business-Class-Gäste und Reisende mit LifeMiles-Diamond-Status.

Avianca Business BOG MUC Gate 1
Unser Abflug-Gate, wenige Minuten vor dem Boarding

Im Avianca-Dreamliner gibt es eine große Business-Class-Kabine vorne (5 Reihen) und eine kleinere dahinter (2 Reihen). Wir nahmen in Reihe 6 und 7 Platz, sodass beim Boarding alle Economy-Passagiere an uns vorbeimussten.

Kabine

Die 28 Sitzplätze in der Business Class sind in einer in 1-2-1-Anordnung nach dem Reverse-Herringbone-Prinzip angeordnet. Alle Passagiere haben also direkten Zugang zum Gang und sitzen in Flugrichtung.

Avianca Business BOG MUC Kabine

Am Fenstersitz schaut man Richtung Fenster und in der Mitte ebenfalls weg vom Gang. Nachdem das Boarding beendet war, wurde es in der Mini-Kabine mit nur acht Plätzen angenehm ruhig – auch, weil hier neben uns drei nur noch ein weiterer Passagier saß.

Unterschiede zwischen den Sitzplätzen gibt es kaum. Am Bulkhead sind sie etwas offener gestaltet und bieten somit mehr Platz, aber so gut wie gar keine Privatsphäre. Wer alleine reist, sollte natürlich möglichst einen Platz am Fenster wählen, Paare sitzen am besten in der Mitte zusammen.

Avianca Business BOG MUC Sitze mitte

Die Fenster in der Kabine entsprechen dem Standard im Dreamliner. Sie fallen angenehm groß aus, lassen sich aber nur elektronisch dimmen. Wenn die Sonne in das Fenster knallt, ist das einfach nicht ausreichend, um die Kabine weit genug abzudunkeln. Außerdem wurden sie die ganze Zeit zentral gesteuert, die Knöpfe am Fenster selbst waren funktionslos.

Avianca Business BOG MUC Fenster dimmen

Kabinenzustand

Der Zustand der Kabine hat bei Avianca leider einen eigenen Abschnitt verdient. Denn obwohl das Flugzeug (und somit vermutlich auch die Einrichtung) erst fünf Jahre auf dem Buckel hatte, war der Zustand nicht mehr feierlich.

Das ganze fing mit ordentlichen Abnutzungsspuren an der Flugzeugwand an, über die man noch großzügig hinwegsehen könnte:

Avianca Business BOG MUC Zustand 2

Deutlich kritischer war da die Verkleidung am Sitz. An meinem Sitz hing ein großes Plastikstück der Verkleidung nur noch am seidenen Faden. Ich musste es regelmäßig etwas nach oben drücken, damit es nicht allzu viel Platz raubte.

Avianca Business BOG MUC Zustand 1

Die Schwimmwesten, die seitlich am Sitz verstaut sind, wirkten wenig vertrauenerweckend. Viele Fächer mit den Westen waren aufgerissen und die gelben Beutel schauten hervor. Immerhin waren die Beutel selbst offenbar noch ungeöffnet. Auf jeden Fall sah das ganze durch die fehlenden Abdeckungen wenig ansprechend aus.

Avianca Business BOG MUC Schwimmweste

Bleibt zu hoffen, dass die Wartung des Flugzeugs gewissenhafter ausgeführt wird als die der Kabine.

Sitze

Jeder Business-Class-Sitz ist rund 53 cm breit, im Schlafmodus knapp zwei Meter lang und bequem gepolstert. Über eine Fernbedienung am Sitz lassen sich Rückenlehne, Sitzfläche und Beinstütze individuell und stufenlos verstellen. Deutlich einfacher ist es aber, einfach die drei Knöpfe für Liegemodus, Lounge-Modus oder Sitzmodus zu benutzen und gedrückt zu halten.

Avianca Business BOG MUC Seitenkonsole

Neben der Steuerungseinheit findet man in der Seitenkonsole auch noch eine Fernbedienung fürs In-Flight-Entertainment, eine USB-Ladebuchse, eine internationale Steckdose und ein Leselicht vor. Das Fach daneben beinhaltet die Kopfhörer, kann aber zusätzlich auch noch z.B. ein Smartphone aufnehmen.

Avianca Business BOG MUC Sitze Mitte 2

Größeres Handgepäck verstaut man am besten direkt in den Overhead Bins, die sowohl in der Mitte der Kabine als auch am Fenster vorhanden sind. Dadurch wird das Raumgefühl zwar etwas eingeschränkt, aber man bekommt immerhin sämtliches Handgepäck problemlos unter – auch dann, wenn man mit zwei Stück Handgepäck und Personal Item reist.

Info

Apropos Handgepäck: Auf verschiedenen Seiten wie z.B. Seatmeastro ist die Rede davon, dass Star-Alliance-Gold-Kunden in der Business Class zwei Stück Handgepäck plus Personal Item mitbringen dürfen. Auf der Avianca-Website konnten wir solch einen Hinweis nur für LifeMiles-Diamond-Kunden finden.

Richtung Gang gibt es ein größeres Staufach, das durch gleichzeitiges Drücken zweier Knöpfe geöffnet werden kann. Beim Boarding war es mit einem Bordmagazin in schlechtem Zustand sowie dem Amenity Kit bestückt. Das Fach ist meines Erachtens ziemlich gut versteckt, ich habe es nur durch Zufall auf der Suche nach dem Amenity Kit gefunden.

Avianca Business BOG MUC Ablage Fach

Richtung Fenster gibt es dann noch einen kleinen Tisch für Getränke, Smartphone und Co. Im Flug verrutschen Gegenstände hier aber gerne mal, als Ablagefläche für z. B. die Brille eignet sich am ehesten noch der Flaschenhalter direkt darunter.

Avianca Business BOG MUC Tisch

Der Tisch zum Essen und Arbeiten wird von der Seite aus eingefahren. Er bietet keinerlei Klappfunktion, nur zwei Ablagen für Getränke. Man bekommt hier gerade so einen Laptop und vielleicht noch eine Maus unter, für mehr reicht der Platz nicht. Für meinen Geschmack viel zu klein, zumal man ihn weder nach vorne, noch nach hinten verstellen kann.

Schlafkomfort

Der Schlafkomfort hat mich positiv überrascht. Nach dem Essen bin ich irgendwo über der Karibik eingeschlafen und erst kurz vor Irland wieder aufgewacht – rund sieben Stunden Schlaf. Das hängt sicher damit zusammen, dass der Sitz vor allem für Seitenschläfer wie mich geeignet ist. Der Sitz ist nämlich nicht schnurgerade gestaltet, sondern macht beim Footrest einen leichten „Knick“.

Avianca Business BOG MUC Flachbett

Ich persönlich finde das sehr angenehm und fühlte mich trotz 1,98m Körpergröße nicht eingeengt. Rücken- oder Bauchschläfer dürften hingegen andere Sitze präferieren. Im Gegenzug komme ich als Seitenschläfer mit dem Sitz in der United Polaris Business Class nicht allzu gut klar, da ein Anwinkeln der Beine dort nicht vernünftig möglich ist.

Avianca Business BOG MUC Footrest edited
Der Fußraum

Auch das Kissen und die dicke Decke waren durchaus angenehm, auch wenn sie nicht ganz mit den United-Bettsachen mithalten können. Etwas störend – sowohl beim Schlafen als auch beim Sitzen – ist der Sitzgurt. Er beinhaltet einen kleinen Airbag und fällt daher ziemlich dick und sperrig aus.

Essen & Trinken

Der Bordservice begann rund 20 Minuten nach Boarding (als alle Economy-Passagiere an Bord waren) mit dem typischen Pre-Departure-Drink. Zur Auswahl standen Wasser, Saft oder ein Glas Sekt. Gereicht wurde es zusammen mit einer kleinen Portion kalter Erdnüsse. Nichts Besonderes also, aber als Einstand durchaus in Ordnung.

Avianca Business BOG MUC pre departure
Kleine Stärkung vor dem Abflug: Erdnüsse und ein Glas Wasser

Leider ging es beim Essen von diesem Punkt an nur noch bergab. Dies fing schon damit an, dass die Essenswünsche nur mündlich abgefragt wurden und weit und breit keine Speisekarte in Sicht war. Es hieß somit nur „Beef, Chicken oder Ravioli?“, ohne dass die Optionen weiter erläutert wurden

Ich entschied mich für das Beef und in Gedanken an ein medium-gekochtes Filetsteak wie in der Singapore Suite lief mir schon das Wasser im Mund zusammen. Na ja, nicht wirklich. Wir sind hier immer noch bei Avianca und die Erwartungen waren entsprechend niedrig.

Aber selbst mit dieser Erwartungshaltung blieb das Hauptgericht eine einzige Enttäuschung. Geliefert wurden drei Würfel Rindergulasch mit Kürbispüree, Lauch und Soße. Auch daraus könnte man natürlich ein leckeres Essen zaubern, aber das Gulasch wär zäh, glibberig und insgesamt einfach grausig.

Avianca Business BOG MUC Hauptgang edited
Leider ungenießbar: Rindergulasch als Hauptgang

Auch bei Adrian war das Rind nicht besser, sodass wir den Großteil des Essens zurückgehen ließen. Da fiel die kleine Portionsgröße immerhin nicht mehr ins Gewicht. Kurz gefasst: Selbst in der Economy Class hätte diese Hauptspeise eine schlechte Note kassiert.

Das Highlight war hier noch die Beilage: Hummus mit einer Garnele.

Bei einem Blick ins Bordmagazin stießen wir später noch auf die Speisekarte. Sie ist nur in Spanisch verfasst und listet das Essen nach Flugroute auf. Anscheinend gibt es auf den gleichen Strecken also auch immer die gleiche Verpflegung:

Avianca Business BOG MUC Speisekarte edited
Die Speisekarte ist nur auf Spanisch gehalten

Unser „Beef“ wurde dort übrigens wie folgt beschrieben:

Geschmorte Rinderschulter in Sauce mit cremigem Ahuyama-Püree und gerösteten Lauchringen

(Übersetzung von Google Translate)

Außerdem listete die Speisekarte auch die Getränkeoptionen: Wasser, Soft Drinks, Säfte, die üblichen Spirituosen, eine recht umfangreiche Weinauswahl und Kaffee.

Als Dessert wurde ein Brownie oder ein Macadamia-Eis mit Soße nach Wunsch angeboten. Das steinharte Eis war zwar kein schlechter Nachtisch, aber nicht mit dem exzellenten Sundae bei z. B. United oder American vergleichbar.

Avianca Business BOG MUC Eis

Auf Nachfrage erhielt ich für die Nacht noch eine 500-ml-Wasserflasche. In der Nacht standen in der Galley kleine Snacks bereit, unter anderem Chipsbeutel.

Avianca Business BOG MUC Wasser

Eigentlich hatte ich nach dem Hauptgang nicht wirklich Lust, Schlaf gegen Frühstück zu tauschen. Als rund 90 Minuten vor Landung die Lichter wieder angingen, war an Ruhe aber sowieso nicht mehr zu denken. Wir hatten uns zwischenzeitig halbwegs auf der spanischen Speisekarte zurechtgefunden und konnten wählen zwischen:

  • Käse-Schinken-Sandwich
  • Eine Art Eggs Benedict auf Englischem Muffin
  • Klassisches Frühstück mit Müsli, Brötchen und Schinken

Ich entschied mich für das Sandwich und traf damit erneut die falsche Wahl. Es war trocken und sah ziemlich traurig aus, während Adrian und Patrick mit ihrer Eierspeise recht zufrieden waren.

Avianca Business BOG MUC Fruehstueck edited
Trockenes Toast mit Obst

Zu einem Frühstück gehört natürlich auch ein Orangensaft. Leider gab es diesen bei Avianca aber nicht. Ich orderte einen O-Saft, erhielt aber ein süßes Getränk, das in Deutschland wohl höchstens als Fruchtsaftgetränk verkauft werden dürfte. In amerikanischen Motels habe ich mich damit mittlerweile arrangiert, aber in der Business Class kann man doch richtigen Saft erwarten.

Service

Bedient wurden wir von zwei Flugbegleiterinnen. Eine von ihnen war zwar nicht übermäßig motiviert, aber des Englischen mächtig und beim Druck des Service-Buttons auch schnell zur Stelle. Die Kommunikation mit der zweiten Flugbegleiterin war durch die Sprachbarriere kaum möglich. Sie sprach ausschließlich Spanisch, unser Spanischwortschatz bestand nur aus wenigen Wörtern.

Ansonsten war der Service in Ordnung, wenn auch – vor allem in Anbetracht der leeren Kabine – eher langsam. Das Essen wurde eine Stunde nach Abflug serviert, bis zum Dessert vergingen fast zwei Stunden.

Dazu sei fairerweise gesagt, dass der Service auf unserem Flug natürlich nicht repräsentativ für die ganze Airline sein muss. Wir können hier nur eine Momentaufnahme bieten und selbst auf dem Flug von Curacao nach Bogota hatte das mit den Englischkenntnissen besser geklappt.

In-Flight-Entertainment

Da das Aus-dem-Fenster-schauen auf Nachtflügen entfällt, spielt sich die Bordunterhaltung überwiegend auf dem 16 Zoll (ca. 41 cm) großen Touchscreen ab. Er ist in der Ausgangsposition seitlich angebracht und muss somit bei Taxiing, Start und Landung verstaut werden.

Avianca Business BOG MUC Fenster IFE
Nur im Flug nutzbar: Der ausklappbare Touchscreen

Über das Android-basierte System sind wie üblich Filme, Serien, Spiele und die Inflight-Map abrufbar. Die Auswahl war gar nicht so schlecht und beinhaltete auch einige recht neue Blockbuster. Es gibt ein Extra Kindermenü mit kindgerechten Inhalten wie bspw. Happy Feet oder Minions.

Zudem bietet Avianca eine Chat-Funktion. Nette Idee, die aber an einer fehlenden Benachrichtigungsfunktion und schwer bedienbaren Tastatur scheitert. Theoretisch lässt sich auch das Fenster über das Entertainment-System dimmen – auf unserem Flug war die Funktion anscheinend deaktiviert.

Avianca Business BOG MUC Fernbedienung
Nett gemeint, aber kaum zu gebrauchen: Die kabelgebundene Fernbedienung

Die Bedienung des Bildschirms ist durch die große Distanz zum Sitz nicht allzu komfortabel, daher hat Avianca zusätzlich eine kleine Fernbedienung mit kleinem Touchscreen verbaut. Leider war diese so gut wie nicht zu gebrauchen. Sie reagierte nur auf starken Druck und dann erst verzögert.

Avianca Business BOG MUC Kopfhoerer Tisch

Die Qualität der Kopfhörer wusste nicht zu überzeugen. Sie machten schon beim Anfassen einen recht billigen Eindruck, bzgl. Funktion sah es nicht besser aus. Vom Active Noice Cancelling war kaum etwas zu spüren, die Tonqualität lässt ebenfalls Luft nach oben.

Extras

Das Amenity Kit war ganz brauchbar. Es beinhaltete einen kleinen Kugelschreiber, Ohrstöpsel, Handcreme, Lippenbalsam, Zahnbürste mit Zahnpasta, Schlafmaske, dünne Socken, Polster für die Kopfhörer und eine kleine Packung Taschentücher. Die Tasche lässt sich gut als kleine Kulturtasche o. ä. wiederverwenden. Schlappen gab es auf dem Flug nicht.

Am Sitz gibt es reguläre Luftauslässe wie in der Economy Class. Genutzt habe ich sie nicht, denn das Klima in der Kabine empfand ich auch so als recht angenehm. Für die Business Class sind zwei recht kleine Toiletten vorgesehen. Beide befinden sich im vorderen Kabinenbereich, bieten aber keine besonderen Amenities.

Punktabzug gibt es noch für das WLAN – es war schlicht nicht existent. Immerhin ist Avianca aber anscheinend schon dabei, die Flotte umzurüsten. Adrian konnte es auf einem anderen Dreamliner schon nutzen.

Meilen

Zu guter letzt noch ein paar Worte zur Meilengutschrift. Normalerweise erwähnen wir diese in Reviews nicht, denn mit dem Produkt selbst hat sie nichts zu tun. Nachdem wir unsere Avianca-Flüge absolviert hatten, war es aber so, dass die automatische Gutschrift bei niemandem von uns drei funktionierte.

Ein Fehler auf Seiten des Vielfliegerprogramms ist wohl auszuschließen, denn die Probleme gab es bei United MileagePlus, Asiana Club wie auch Turkish Airlines Miles&Smiles. Nach bis zu anderthalb Monaten Wartezeit kamen wir schließlich alle über die jeweiligen Online-Formulare zur nachträglichen Meilengutschrift an die 7.000 bis 11.000 Meilen. Dennoch ein merkwürdiger Zufall.

Avianca Business Class Boeing 787
  • Check-in & Boarding
  • Lounge
  • Sitz
  • Essen & Trinken
  • Service
  • Entertainment System
  • Extras
3.07
Fazit

Meine Erwartungen an die Avianca Business Class auf Langstrecke waren niedrig, so blieb eine große Enttäuschung aus. Immerhin ist der Sitz sehr bequem und bietet hohen Schlafkomfort, die Vorteile am Boden passen auch.

Leider ist die übrige Erfahrung eines Premium-Produkts nicht würdig: Das Essen würde ich selbst in einem United Club nicht anrühren und der Zustand der Kabine ließ zu wünschen übrig. Auf einem internationalen Flug wäre es auch angebracht, auf Englisch mit den Flugbegleitern kommunizieren zu können.

Wer wie wir einen Error Fare gebucht hat, kann über die meisten Kritikpunkte natürlich hinwegsehen. Regulär kostet so ein Flug aber eher 1.000€ und aufwärts – und zu diesem Preis kann mehr erwarten als nur einen bequemen Lie-Flat-Sitz.

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Kommentare (4)

  1. Pe sagt:

    Guter Bericht! Ich finde aber die Reihen 6 und 7 nicht glücklich gelegen, die Y liegt ohne massive Abgrenzung direkt dahinter. Viele Sitze sind wirklich etwas dergelig, doch ich habe den Flug gut verschlafen, übrigens auch das Essen. Durch das hervorragende Catering, das einige PP-Lounges in Bogota bieten, war ich gesättigt und der Schlaf konnte vorgehen. Die Crew war sehr angenehm, hilfsbereit und kundenorientiert.

  2. Leo David Michels sagt:

    Ich finde, die Mittelsitze sind für Paare – anders als oft behauptet – nicht gelungen. Die Köpfe liegen so weit auseinander, dass Kommunikation kaum möglich ist. Hab im AV-Dreamliner mit meiner Freundin auf 1A/C gesessen und das war wesentlich besser, da man näher beieinander war und sich sehen konnte 😉
    Und jeder konnte mal ans Fenster.

    Insgesamt fand ich AV besser als erwartet, hatte meine Erwartungen aber ebenfalls runtergeschraubt.

  3. Theresa sagt:

    Danke für den sehr detaillierten Bericht!
    Dieser deckt sich auch weitgehend mit meinen Eindrücken. Avianca an sich ist schon ok, solange man keine hohen Erwartungen hat.
    Nur schade, dass die direkte Bogota – München Strecke nicht wieder aufgenommen wird.
    Ich habe noch ein letztes Ticket offen und wurde nun nach langem hin und her über Madrid umgebucht.

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