Bewertung: Etihad Business Studio in der Boeing 787

Etihad 787 Business Class Seat

Im Juni 2020 machte Etihad Airways aus Abu Dhabi mit einem ungewöhnlichen Angebot auf sich aufmerksam. Wer bereit war, einen zwei Jahre gültigen Gutschein zu kaufen, erhielt 50% des Kaufpreises auf den Gutscheinwert angerechnet. Das ganz galt dann als Guthaben bei der Etihad Travel Bank, das bis 2 Jahre nach Kaufdatum verwendet werden musste. Kurzerhand entschloss ich mich, diese Wette einzugehen und einen der Gutscheine für 1.000$ zu erwerben. Somit hatte ich $1.500 Guthaben und die Hoffnung, dass die Pandemie in den 24 Monaten abflaute und internationale Reisen wieder möglich wurden.

Im Juni 2022 drohte das Guthaben zu verfallen. Eine schnelle Recherche mit unserem Go2-Tool ergab, dass es nur zwei attraktive Einlöse-Möglichkeiten gab: Mit Abflug von Mailand konnte man in der Business Class entweder nach Seoul oder Tokio, beides erforderte zum Gutscheinwert etwa weitere 300€ Zuzahlung. Für Tokio sprach der längere Flug und die fantastische Stadt als Ziel. Für Seoul sprach, dass Südkorea bereits wieder Touristen ins Land ließ und ich das Land noch nie besucht hatte. Ich entschied mich für die koreanische Halbinsel. Damit sind wir bei den Flugdaten und folgendem Disclaimer:

Info

Im Sinne der Transparenz: Dieses Ticket wurde aus eigener Tasche bezahlt. Etihad hat mich nicht mit Geld beworfen oder anderen Vorteilen gelockt, um hier gut dazustehen.

Flugdaten

  • Flug: EY 81 von Mailand-Malpensa nach Abu Dhabi (MXP-AUH)
  • Sitz: 8A
  • Flugzeug: Boeing 787-9
  • Uhrzeiten Hinflug: MXP 9:55 – 17:05 AUH
  • Flugzeit: 5:05 Stunden
  • Reisezeitpunkt: April 2023

Ich werde in diesen Bericht auch meine Erfahrungen von den anderen Flügen mit einfließen lassen. Die Bilder und detaillierten Beschreibung sind jedoch ausschließlich vom Segment von Norditalien nach Abu Dhabi.

Check-in & Lounge

Wegen des recht frühen Abflugs (09:55) beschloss ich, bereits einige Tage früher nach Mailand zu reisen und gemeinsam mit meiner Mutter die Stadt zu erkunden. Als Unterkunft diente uns das Holiday Inn Garibaldi, das von beiden Flughäfen Mailands gut mit Bus und Bahn zu erreichen ist. Vom fußläufig gelegenen Bahnhof Porta Garibaldi fährt alle dreißig Minuten der Malpensa Express, der 40 Minuten später an Terminal 1 des Flughafens einfährt.

Gegen 07:20 Uhr, gut zweieinhalb Stunden vor Abflug, fand ich mich am Check-In-Schalter ein. An den drei Economy-Schaltern hatte sich eine beachtliche Schlange gebildet. Der Business Class Check-in verlief hingegen ohne Schlange und Wartezeiten. Nach kurzer Kontrolle meines Passes wurde mir eine Bordkarte für beide Flüge ausgestellt, mit den von mir vorher ausgesuchten Plätzen. Etihad erlaubt das kostenlose Wählen des Sitzes bei der Buchung und zu jedem späteren Zeitpunkt.

Der Flughafen Malpensa war früher ein schreckliches Beton-Monster und hat sich durch Corona in ein verlassen wirkendes, schreckliches Beton-Monster verwandelt. Grund hierfür ist der Rückzug von Alitalia bzw. ITA Airways: Die Airline nutzt Linate als europäisches und Rom als internationales Drehkreuz, mit Ausnahme einer täglichen Direktverbindung nach Malpensa nach New York. Diese Entwicklung hat jedoch auch zur Folge, dass es derzeit weit mehr Kapazitäten als Fluggäste gibt. Aus diesem Grund liefen Security und Passkontrolle enorm schnell. Ich setzte meinen Weg zur Lounge fort.

Etihad Airways nutzt als Lounge den riesigen Sala Montale, der im ersten Obergeschoss des Nicht-Schengen-Bereiches des Flughafens liegt. Hier nahm ich mein Frühstück ein und genoss den Blick aufs morgendliche Vorfeld durch die riesigen Fenster. Es gab ausreichend Sitzplätze und ein lobenswert abwechslungsreiches Essens- und Getränkeanbot, auch zur Frühstückszeit.

Boarding

Fünf Minuten vor Beginn des Boarding ging ich die Treppe nach unten zu den Gates, um möglichst noch ein paar Fotos der leeren Kabine machen zu können. Wie schon beim Check-in hatte sich eine lange Schlange von Economy-Passagieren gebildet. Eine separate Schlange für Business-Class-Passagiere konnte ich erstmal nicht ausmachen. Vorn am Schalter konnte ich jedoch ein solches Schild entdecken – es stand nur einfach niemand davor. Auf meine Frage, wann das Boarding starten würde, erhielt ich ein knappes Pronto als Antwort und wurde sofort durchgelassen. Reibungsloser kann es wirklich nicht laufen.

Dieses Erlebnis setzte sich fort. Während viele Fluglinien gerne um 15 oder 20 Minuten verfrühte Boardingzeiten ausgeben, war ich bei Etihad meistens bereits an Board, wenn das Boarding eigentlich beginnen sollte. Das wird mit einem Economy-Ticket nicht funktionieren, aber wenigstens sitzt man nicht am Gate herum, bevor mit dem Prozess überhaupt begonnen wird. Volle Punktzahl für Etihad.

Sitz & Kabine

Die Business Class Kabine der Boeing 787-9 von Etihad Airways besteht aus 28 Sitzen in einer 1-2-1 Anordnung, verteilt über sieben Reihen. In manchen Maschinen dieses Typs gibt es vor der Business- noch eine First Class, auf meinen Flügen fehlte diese jedoch. Die 1-2-1 Bestuhlung ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, denn drei Sitzreihen sind „rückwärts“ angeordnet, um den Platz möglichst effektiv zu nutzen. Das wichtigste Element der 1-2-1 Anordnung ist jedoch gegeben: Jeder Passagier hat direkten Zugang zum Gang.

EY 789 Business Class Aerolopa
Seatmap der Etihad Boeing 787-9 ohne First. © Aerolopa

Mein Sitz 8A war in Flugrichtung ausgerichtet und lag entlang einer Reihe von drei Fenstern, ähnlich den Sitzen der Swiss First Class. An meinem Platz erwarteten mich eine eingeschweißte Decke, ein Kopfkissen, ein gedrucktes Menü und ein schickes Amenity-Kit von Acqua di Parma. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, kam einer der Flugbegleiter vorbei, sprach mich bei meinem Nachnamen an, stellte sich vor und fragte mich nach meinem Getränkewunsch. Ich entschied mich für Champagner und Orangensaft. Die Sonne schien. Das Leben war schön. Eilig machte ich ein paar Fotos, um anzugeben.

Auf der rechten Seite befand sich eine großzügige Ablage, auf der das Amenity-Kit lag und später Getränke und Snacks serviert wurden. Unmittelbar rechts neben der Sitzfläche eine weitere Ablage, die sich aufklappen ließ und großzügigen Stauraum sowie ein paar Kopfhörer und eine Flasche Wasser beheimatete. Darüber war eine Leselampe montiert, die in abgedunkelter Kabine ein angenehmes, warmes Licht ausstrahlt. Der Sitz selbst ist breit und bequem. Der Platz zum Verstauen persönlicher Gegenstände ist nicht so großzügig wie bei anderen Airlines, ich fühlte mich dadurch jedoch nicht eingeschränkt.

Im Gegensatz zu einigen anderen Airlines lassen sich bei Etihad die einzelnen Segmente des Sitzes nicht individuell bedienen: Man kann den Stuhl per Knopf in eine aufrechte oder eine Liegeposition bewegen. Dabei bewegen sich Rückenlehne und Sitzfläche jedoch automatisch gemeinsam. Dennoch hatte ich nie Schwierigkeiten, eine bequeme Sitz- oder Schlafposition zu finden.

Ein besonderes Lob verdient die zum Bett ausgefahrene Liegefläche des Sitzes. Selten habe ich an Bord eines Flugzeugs so gut und gemütlich schlafen können. Als Seitenschläfer freue ich mich immer über eine Möglichkeit zum Wenden, dies war ohne Einschränkungen möglich. Auch die Länge des Sitzes ist beachtlich, ich (1,78 Meter) konnte mich komplett ausstrecken, ohne mit Kopf oder Füßen an eine Grenze zu stoßen.

Der Tisch ist seitlich hinter dem Bildschirm des gegenüberliegenden Sitzes verbaut. Ein mechanischer Knopfdruck lässt ihn aus der Verkleidung auftauchen. Er kann einfach herausgezogen werden und wird um 90 Grad gekippt, um seine Funktion zu erfüllen. Der Tisch ist normal, mein Laptop (15 Zoll, d.h. 36,5 cm breit, 25 cm tief) fand jedenfalls komplett darauf Platz. Für die Maus musste ich die Ablage auf der rechten Seite bemühen: Dies kann ein Problem sein, wenn diese sich links befindet (für Linkshänder verhält es sich natürlich umgekehrt). Zum Laden stehen sowohl USB-Anschlüsse als auch eine Multisteckdose zur Verfügung.

Sowohl in der 787-9 als auch in der 787-10 stehen den 28 bzw. 32 Business-Class-Gästen zwei Waschräume zur Verfügung, die sich im vorderen Teil der Kabine befinden. Die Größe des Raums in der 787-9 entspricht der von gewöhnlichen Flugzeug-Toiletten. In der 787-10 wurde der zusätzliche Platz genutzt, um den Raum breiter zu machen. Zudem muss man bei der größeren Boeing nicht im Gang oder in der Galley warten, sondern hat einen separaten Raum vor der ersten Sitzreihe. Es war jedoch auf allen Flügen jederzeit mindestens einer der beiden Waschräume frei.

Einziger Kritikpunkt an Etihads Business Class Bestuhlung ist der mangelnde Sichtschutz. Im Gegensatz zu vielen anderen Airlines ist die Kabine offener gestaltet: Lediglich die in der Mitte befindlichen, zum Heck der Maschine ausgerichteten Sitze bieten eine Schiebetür, um sich vor den Blicken Mitreisender zu schützen. Sind diese offen, kann man problemlos durch die Kabine zur anderen Seite schauen. Auch mit dem schräg gegenübersitzenden Gast im Mittelsitz gibt es regelmäßig Blickkontakt. Insgesamt würde ich das Hard Product mit viereinhalb von fünf Sternen bewerten.

Service

Nun kommen wir in einen Bereich, in dem Etihad Airways neue Maßstäbe für mich gesetzt hat. Wie bereits geschildert, gab es auf dem ersten Flug eine Begrüßung mit persönlicher Ansprache. Ein wenig später bekam ich erneut Besuch vom Flugbegleiter, der mir erklärte, dass nach dem Start Nüsse und ein Getränk meiner Wahl gereicht würden. Zudem wurde mein Essenswunsch aufgenommen. Soweit nichts Ungewöhnliches.

Vor den Nachtflügen nach Seoul bzw. Mailand erkundigte man sich zudem danach, ob man für das Frühstück geweckt werden wollte. Sehr aufmerksam war die Frage, wann auf dem letzten Flug (Abflug 03:30 Uhr in Abu Dhabi, Ankunft 08:00 Uhr in Mailand) das Frühstück serviert werden soll: Nach dem Start oder vor der Landung. Sich hier nach den individuellen Wünschen der Passagiere zu richten ist enorm sinnvoll und half mir, meine Rückreise komplett ohne Jetlag zu beenden.

Während des gesamten Fluges verhielt sich das Personal freundlich und mit höflicher, äußerst professionell wirkender Distanz. Jeder individuelle Wunsch wurde verständnisvoll entgegengenommen und erfüllt. Auf dem Flug nach Seoul fragte ein anderer Gast etwa, ob er als Begrüßungsdrink auch ein Glas Rotwein statt Saft oder Champagner haben könnte. Eine anregende Idee, die mich dazu veranlasste, mich auf dem Flug nach Mailand von einem Glas australischem Shiraz ins Bett bringen zu lassen. Auch meine Sonderwünsche beim Essen wurden ausnahmslos und mit Freundlichkeit erfüllt.

Am meisten überraschte und begeisterte mich, dass die Abläufe und Behandlung der Passagiere auf allen vier Flüge auf dem gleichen, extrem hohen Niveau passierte. Die diesbezügliche Achterbahnfahrt mit Aeromexico letztes Jahr darf wohl kaum als Maßstab dienen, deshalb ein Vergleich mit einem anderen Schwergewicht:

Im Februar hatte ich das große Vergnügen, etwa 25 Stunden in der Business Class von Singapore Airlines zu verbringen. Selbst dort gab es größere Ausreißer nach unten als bei Etihad Airways. Die anscheinend fantastische Schulung des Personals, gepaart mit dem gleichsam höflichen wie professionellem Auftreten verdient sechs von fünf möglichen Sternen.

Speisen und Getränke

Wie bereits beschrieben, startete ich meinen Flug nach Abu Dhabi mit Champagner und Orangensaft. Nach dem Start gab es Wasser und eine Mischung aus Cashewkernen und Mandeln mit Alpenpanorama. Kleines Lob an dieser Stelle für die Snack-Auswahl, denn die meisten Nussallergiker können beides essen – da es sich nicht um Nüsse handelt.

Vor dem Essen wurde von einer Stewardess mein Tisch ausgeklappt und mit Tischtuch und Besteck gedeckt. Als Vorspeise wählte ich die arabische Mezze. Serviert wurde ein großes Tablett, auf dem sich neben dem Teller mit den Vorspeisen auch ein gefüllter Brotkorb, Butter, Öl und Fladenbrote befanden. Letztere waren Teil der Vorspeise, die aus einer gebackenen Teigtasche, einem mit Reis und Gemüse gefülltem Weinblatt, Hummus und einem Salathaufen bestand. Besonders der Hummus stach heraus, den ich allerdings lieber warm als kalt esse.

Als Hauptgang wählte ich das Biryani mit Lamm, was sich als hervorragende Entscheidung herausstellte. Das Fleisch war zart und aromatisch und wurde von einer geschmackvollen Sauce ummantelt. Der Reis war fluffig, bissfest und fantastisch gewürzt, die Röstzwiebeln und Cashewkerne als Garnierung halfen dem Gericht optisch weiter und sorgten für interessante Geschmacksnoten. Auch die Früchte als Nachspeise verdienen ein Lob, genauso wie die warmen und fluffigen Brötchen.

Die Zeit nach dem Essen nutzte ich für ein Nickerchen. Nachdem ich aufgewacht war, überquerten wir Israel (noch vor Jahren undenkbar für arabische Fluglinien) und es blieb mir etwas Zeit zu arbeiten. Ich bestellte einen Milchkaffee, zu dem eine Tafel Schokolade gereicht wurde. Etwa 90 Minuten vor der Landung wurden warme Snacks angeboten, ich verzichtete jedoch zugunsten von einer weiteren Tasse Kaffee und einer Kugel Erdbeereis. Grundsätzlich wird zu jedem Kaffee eine kleines Stück Zartbitterschokolade gereicht.

Wie beim Service blieb das Niveau von Speisen und Getränken auch auf den anderen Flügen durchgehend hoch. Sowohl Richtung Mailand als auch nach Seoul wählte ich aufgrund des herausragenden Geschmacks das gleiche Frühstück: Käseomelette mit gebratener Geflügelwurst, Champignons und einem Spargel-Kartoffelrösti mit Tomatenconfit. Da die Eierspeise mit den Beilagen jedoch nicht mithalten konnte, bat ich auf dem letzten Flug darum, auf das Omelette zu verzichten. Auch diesem Wunsch wurde nachgekommen. Mit schelmischem Lächeln servierte mir der Steward das „Omelette ohne Omelette“ zum Frühstück.

Die Qualität der Speisen und die damit verbundene Bedienung sprengt auch hier die gewöhnlich angelegten Maßstäbe. Wir bleiben trotzdem bei fünf von fünf Sternen.

Unterhaltungsprogramm und WiFi

Schluss mit den Lobeshymnen, denn leider konnte Etihads Unterhaltungsprogramm nicht mit dem sonst exzellenten Produkt mithalten. Die Filmauswahl erschien mir als klein, einzig der kontroverse Oscargewinner Everything, Everywhere, All at Once weckte mein Interesse. Jedoch habe ich während der Flüge so viel geschlafen, gelesen oder gearbeitet, dass ich ihn mir schlussendlich nicht angeschaut habe. Eine einzige Stunde, nach dem Start von Abu Dhabi Richtung Seoul, schenkte ich meinem Bildschirm für einen Zusammenschnitt der vergangenen NFL-Saison meine Aufmerksamkeit.

Was die Film- und Serien-Auswahl angeht, kann Etihad mit keiner Airline, die ich in den vergangenen 20 Monaten geflogen bin, mithalten. Das gilt auch für das Wi-Fi: Die Preise erschienen mir so überzogen und die Nutzungsmöglichkeiten durch die Zeitverschiebung so eingeschränkt, dass ich von einem Kauf abgesehen habe. Es standen die folgenden Optionen zur Auswahl:

  • 20 MB für 2$
  • 100 MB für 7$, limitiert auf eine Stunde
  • 200MB für 16$, limitiert auf sechs Stunden
  • 350MB für 30$, limitiert auf 24 Stunden

Ein großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis – für 2010. Für 2023 leider fast inakzeptabel. Immerhin hat die arabische Airline in diesem Bereich Verbesserungen angekündigt. Ein nettes Gimmick ist die Tatsache, dass die Fernbedienung selbst einen kleinen Bildschirm hat, der unabhängig vom größeren Monitor genutzt werden kann. So kann man etwa einen Film schauen (wenn man denn einen findet) und derweil auf der kleineren Anzeige die Flightmap im Blick haben.

Da mein Desinteresse am Programm natürlich auch mit persönlichen Vorlieben zusammenhängt, vergebe ich zwei von fünf Sternen.

Lounge

Zu einem Business-Class-Review gehört natürlich ein Blick in die Lounge, der zu Beginn des Artikels für den Mailänder Sala Montale doch recht knapp ausfiel. Das hat einen Grund: Statt eine Lounge an einem einzigen Abflugort zu beschreiben, machte ich lieber ein paar Bilder von der Lounge, die alle Etihad Business Class Gäste besuchen werden.

Als ich 2014 das letzte Mal von Abu Dhabi abflog, fiel mir in der Mitte der beiden Runways ein neues, im Bau befindliches Terminalgebäude auf. Ohne mich weiter zu informieren, freute ich mich darauf, das neue Terminal neun Jahre später besuchen zu dürfen. Um bei der Landung festzustellen: Es handelt sich nach wie vor um eine Baustelle.

Der Flughafen Abu Dhabi setzt sich also immer noch aus Terminal 1 (hübsch, aber zu klein und unpraktisch) und Terminal 3 (endlos langes Rechteck aus Glas) zusammen. Die Etihad Business Class Lounge befindet sich in Terminal 3, ziemlich in der Mitte des laaaangen Flurs im Abflugbereich. Landet man in Abu Dhabi, muss man zunächst durch die Sicherheitskontrolle und den Duty-Free-Bereich, bevor man sein Abfluggate (oder Lounges) erreichen kann.

Die Beschilderung ist reichlich verwirrend und sorgte dafür, dass ich beim ersten Besuch zweimal im Kreis lief und sinnlos das Stockwerk wechselte, bevor ich endlich den Weg zur Lounge fand. Die Etihad Business Lounge ist riesig und macht einen optisch tollen Eindruck, mit mehreren, individuell gestalteten Sitzecken.

Es gibt eine beschränkte Auswahl an warmen westlichen und indisch-arabischen Essen, die nicht unbedingt zueinanderpassen. Das westliche Angebot bestand aus Hähnchen in scharfer Piri-Piri-Soße (naja), Lachs mit Limettenkruste (okay) und gedünstetem Gemüse und matschigen Kartoffeln, die eigentlich gebacken und knusprig sein sollten (nein). Das indisch-arabische Essen war erwartungsgemäß stark gewürzt und köstlich. Wem diese Küche jedoch nicht zusagt, wird ein enttäuschendes Erlebnis haben.

Das Essen wurde an zwei Büfetts dargeboten, ein weiteres Büfett ist in der Mitte der Lounge aufgebaut und stellt Süßspeisen aller Art zur Verfügung. Nichts, was ich probiert habe, stach in irgendeiner Weise heraus. Alles in allem ist das Essensangebot in der Lounge Durchschnitt.

Das größte Problem der Lounge ist das knappe Angebot an Steckdosen: Nicht mal im eigens dafür eingerichteten Arbeitsbereich fand‘ ich Gelegenheit, meinen Arbeits-PC oder mein Mobiltelefon zu laden. Vonseiten der Airline ist das einfach eine Katastrophe und inakzeptabel. Nur an einer Art Tresen mit unbequemen Barstühlen konnte ich eine funktionierende Steckdose ausmachen, die immerhin USB-Anschlüsse bot (als Ergänzung zu arabischen Anschlüssen).

Aber auch hier ist Besserung in Sicht: Ende dieses Jahres soll das neue Terminal endlich in Betrieb genommen werden. Bis dahin bleibt es aber bei 3 von 5 Sternen.

Fazit

Etihad Airways Business Class Studio (Boeing 787-9/787-10)
  • Check-in und Boarding
  • Sitz und Kabine
  • Essen und Getränke
  • Service
  • In-Flight-Entertainment
  • Lounge
4.08
Fazit

Etihad Airways hat in fast jeder Hinsicht überzeugt und über weite Strecken sogar die hochgelobte Business Class von Singapore Airlines in den Schatten gestellt. Das fantastisch ausgebildete und hochgradig professionelle Kabinenpersonal schaffte es, alle vier Flüge zu einem identischen Erlebnis auf absolutem Spitzen-Niveau zu machen. Das gleiche Lob gilt für die Verpflegung.

Der etwas ungewöhnliche Sitz gehört zu den bequemsten und geräumigsten, die ich bei 30.000 Fuß erlebt habe; auch wenn er auf vielen Bildern einer kleinen Zelle mit Plastikwänden ähnelt. Selten habe ich an Bord eines Flugzeugs so gut geschlafen.

Die größten Schwächen von Etihad liegen im durchschnittlichen Unterhaltungsprogramm (was in den Zeiten von Tablets und Notebooks zunehmend an Bedeutung verliert), dem überteuerten Internetangebot und der eigenen Business Class Lounge in Abu Dhabi. Diese ist nicht schlecht, kann aber mit dem sonst guten Produkt nicht mithalten.

Wer für mehr als 20 Stunden Reisezeit ein Etihad Business Class Ticket für 1.600€ oder weniger ergattern kann, wird – basierend auf meiner Erfahrung – beim Kauf wenig falsch machen.

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Kommentare (9)

  1. Hasan sagt:

    Bei meinem Buissnes Flug hingen dieses sitze in fetzen so dass man sich verletzen kann. Sitzverstellung hakte was besonders schlecht ist wenn man in liegerstellung zur Toilette will
    Da kann man nicht einfach aufstehen wie bei SIA. Zum Personal bei mir waren sie faul und frech.Kein Vergleich mit SIA. Etihad Buissnes ist nur im A380 gut und inzwischen verlangen die fast das 3Fache.no.go.

  2. Dominik sagt:

    Leider finde ich keine Bewertung der Etihad Economy Class, gerne möchte ich meine Erfahrung mit dieser trotzdem teilen:
    Für meine Freundin und mich ging es im Juni mit Etihad von Frankfurt über Abu Dhabi nach Colombo (Sri Lanka). Wir hatten recht früh gebucht, weshalb mich die Umbuchungen seitens der Airline nicht nervös machten, die Flugzeiten waren auch nach wie vor in Ordnung (dachte ich…). Beim Check-In am Vortag fiel dann auf, dass der zweite Flug von Abu Dhabi nach Colombo zwar ein Direktflug, jedoch kein Non-Stop Flug ist. Ich war ziemlich überrascht, habe noch mal meine E-Mails durchgeschaut und auch im Online Portal geschaut, es war – die Flugzeit jetzt mal außen vor gelassen – nicht ersichtlich, dass es sich um einen Flug mit einem Stopp handelt. Das hat sich natürlich ein Stück weit auf die Stimmung ausgewirkt. Ich hoffe dennoch eine möglichst objektive Wahrnehmung der Reise abgeben zu können, der Ärger darüber ist mittlerweile verflogen.
    Der erste Flug von Frankfurt nach Abu Dhabi war gut, das Personal war freundlich, das Essen war gut, ebenso die Auswahl an Getränken. Das Entertainmentangebot empfand ich ebenfalls positiv, außerdem gab es für jeden Platz einen Stromstecker, sodass man problemlos arbeiten kann. In Abu Dhabi angekommen, war ich ehrlich gesagt sehr enttäuscht vom Flughafen. Das Angebot an Restaurants empfand ich als dürftig, die Preise als extrem teuer und die gesamte Atmosphäre im Flughafen war durchwachsen. Der zweite Flug von Abu Dhabi nach Colombo sah einen 90 minütigen Stopp in Male, auf den Malediven vor. Dort angekommen, stiegen dann ca. 50% der Passagiere aus, der Rest blieb sitzen. Sobald alle Passagiere die lediglich bis Male flogen ausgestiegen waren, machte das Bordpersonal Durchsagen, dass bitte jeder auf seinem Platz sitzenbleiben sollte, da nun die verbliebenden Handgepäckstücke zugeordnet werden müssten. Das hat dann mehr oder weniger gut funktioniert, bei manchen Handgepäckstücken hat es etwas länger gedauert, da Leute sich entweder nicht dafür interessierten, oder trotzdem in den Waschräumen waren. Im Anschluss an die Identifizierung musste die Anzahl der verbliebenen Passagiere bestimmt werden, erneut gab es Durchsagen, dass jeder an seinem Platz bleiben solle. Diesmal wurde es chaotisch, es hat glaube ich 5 Anläufe gebraucht, ehe die gezählte Anzahl mit der auf der Passagierliste übereinstimmte. Hier frage ich mich wieso nicht einfach die Passagiere gezählt werden, die das Flugzeug verlassen. Vielleicht gibt es eine plausible Erklärung dafür, da aber jeder Passagier der ausstieg (wohlgemerkt gab es nur einen Ausgang) seine Bordkarte vorzeigen musste, könnte man auch die Differenz bilden.
    Die Servicequalität und die des Essens war über alle Flüge hinweg gleich gut, lediglich auf dem Rückflug – welcher ebenfalls über Male führte und mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte – enttäuschte der Service. Vorweg sei gesagt, dass wir am Flughafen Abu Dhabi 3 von 4 Mal eine Außenposition hatten und somit mit dem Bus fuhren. Auf dem letzten Teilstück von Abu Dhabi nach Frankfurt, stiegen wir also vom Bus ins Flugzeug und direkt merkten wir, dass es unfassbar warm im Flugzeug war. Es gab dann auch recht zeitnah eine Durchsage, dass die Klimaanlage erst eingeschaltet würde, sobald alle Passagiere an Bord seien und die Türen geschlossen sind. Leider war es dann aber doch nicht so, die Türen waren geschlossen und die Temperatur im Flieger stieg weiter an. Die ersten Passagiere nutzten die Sicherheitskarten alt Fächer, nach 20 min gab es dann kaum jemanden, ohne Sicherheitskarte in der Hand. 45 Minuten nachdem die Türen geschlossen wurden und bereits 90% der Passagiere versuchten die Körpertemperatur mittels ihres Fächers/Sicherheitskarte zu regulieren, gab es dann eine Durchsage, dass es ein technisches Problem gäbe und man auf einen Techniker warte. Ich glaube es hätte nicht mehr lange gedauert und die ersten Passagiere hätten Probleme mit dem Kreislauf bekommen. Kurz nach der Durchsage wurde dann endlich auch Wasser ausgegeben. Da hätte ich mir zum einen eine bessere Kommunikation, zum anderen ein früheres Handeln in Form von Wasserausgabe gewünscht. Das Problem war dann glücklicherweise schnell behoben, sodass wir lediglich weitere 15 Minuten warten mussten, ehe es dann los ging.

    Fazit: Der Service an Bord war gut, ich empfand es jedoch mehr als dreist, dass die Tatsache, dass es sich um einen Flug mit Stopp handelt möglichst versteckt gehalten wurde. Natürlich hätte ich die Flugzeiten besser studieren können, am Ende finde ich es aber nicht in Ordnung, dass dies nicht eindeutiger visualisiert wird. Leider finde ich aktuell keine Flüge anderer Airlines mit Zwischenstopp um zu schauen ob bzw. wie dies sichtbar gemacht wird. Obwohl ich den Unterschied zwischen Non-Stop und Direktflügen kannte, ist es mir nicht aufgefallen, vielleicht handhaben andere Airlines das aber auch einfach genauso?

  3. Frank sagt:

    Wir sitzen gerade in der Business Lounge ( ankommend von FRA und weiter nach MLE ) und können wirklich nichts Negatives bislang berichten. Ja, die Lounge relativ gut, aber nicht überfüllt und die Atmosphäre ist sehr angenehm. Das erste von 4 Flugsegmenten hat uns jedenfalls überzeugt ! Speisen, Getränke und Service waren gut bis sehr gut. Darf gerne so weitergehen …

  4. Ronny sagt:

    Das Flugerlebnis ist wirklich gut, Essen und Getränke in der Biz auf hohen Niveau, Personal professionell aber unpersönlich, bei Familien mit Kindern ziemlich unbeholfen und tatsächlich ist das Personal gefühlt nach dem Essen kaum noch aktiv.
    Die Sitze sind schon bissl eng vorallem der Fussbereich.
    Wir sind jetzt schon oft Etihad geflogen und es graud uns einfach vor diesen fürchterlich umsteigen in Abu Dhabi. Alle Flüge kommen zwischen 22-23Uhr rein und gehen zwischen 2 und 4 Uhr wieder raus. Das bedeutet der Airport ist mega überfüllt. Die Bussineslounge ist immer so voll das es kaum Sitzplätze gibt. Zur Saison sitzen, schlafen Leuten schon mal auf dem Boden. Mit Kinder ein absolute Zumutung. Toiletten nur mit anstehen zuganglich….Biz Lounge!
    Mit der aktuellen massiven Verschlechterung des Guestmiles Programms fühle ich mich einfach verarscht.
    Zukünftig meiden wir Etihad wenn irgendwie möglich.

    • FrankW sagt:

      Ronny, das trifft absolut zu! Ich habe ernsthaft Zweifel an der Seriosität dieses Berichtes (des Erstellers)! Mein Kommentar (FrankW) habe ich tief gestapelt aber nun muss ich folgendes sagen, weil ich mich über diese unqualifizierte Hochstaplerei aufrege:
      Beim Hinflug Abu Dabi von München war die Verpflegung wirklich gut, Fakt! War auch Nachmittags. Der Rückflug nach München war in der Nacht, Frühstück war eher schäbig und niemals eine Business würdig (@ Etihad: why so cheap and easy!!) Ich lege keinen wert auf eine Loungebewertung!! ist Tageszeit abhängig. aber!! ich kenne keine Lounge weltweit (Senator LH) die so unglaublich miserabel ist als die Etihad Lounge in Abu Dhabi! Ich habe Sie recht schnell gefunden, aber noch länger brauchten wir, um einen Sitzplatz zu bekommen. Die Leute lagen auf dem Fußboden so etwas hatte ich nie in einer Lounge erlebt. 2 Uhr Nachts, alles voll total aus dem Rhythmus, es war die erste Lounge überhaupt, wo ich nichts!! verzehrt oder getrunken habe. An den Verfasser: Keine Ahnung was du für ein Ticket Schnäppchen hattest! Sie es real: Buchung 3-4 Wochen vor Abflug kostet ein reguläres Ticket von MUC nach Abu Dhabi um die 3.600- € (Flex Hin- Rück) dann buchten wir aus gegeben Anlass um, Rückflug einen Tag später Mehrkosten p Person 560 € und, jetzt kommt es: Gewisse Privilegien in der Business entfielen, obwohl die Maschine nicht so ausgebucht war wie ursprünglich gebucht. Aber kennen wir ja von unseren europäischen Gesellschaften ja auch, deshalb jammere ich nicht wirklich (ist trotzdem scheiße).
      Lieber Ursprünglicher Verfasser, meine Frage an dich: Was bist du überhaupt schon geflogen? Ich nehme mir mit meinen 53 Jahren schon die Frechheit heraus, solche berichte in frage zu stellen! Ich bin kein Schnäppchen Jäger und kein Social media Freak und schreibe sehr selten irgendwelche Kommentare aber bei so einem extrem überheblichen Bericht kann ich mich nicht zurückhalten:
      – noch nie so gut geschlafen: Allegris bei Lufthansa wurde ausdrücklich von LH Vorstandschaft verlangt, dass es auf die gesamte Länge keine Reduzierung der Breite gibt, das Layout Etihad entspricht einer maximalen Belegung des Dreamliners und steht erheblich in der Kritik
      – Die super Lounge…………… Loll! jede andere Lounge bietet mehr,, das ist nur Oberflächlich und keines Kommentar würdig!
      – Freundliches Personal: ja ist es wirklich aber, die müssen danach die Economy noch bedienen, also sehr überbelastet
      @ Verfasser: Jeder bildet sich ne eigene Meinung o.k. aber wer viel fliegt kann unterscheiden. wenn deine Antwort ist: Ich bin Vielflieger, habe ich und alle andere welche mit Etihad geflogen sind erhebliche Zweifel ob dass alle so stimmt!

      Sorry!

  5. K.H.Nauroth sagt:

    Ich nahm auch 2020 aufgrund eines Travel-Dealz-Artikels die Chance wahr, meinen der Etihad zur Verfügung gestellten Kredit um 50 % aufzustocken.
    Nachdem alle Einreise-Einschränkungen aufgehoben waren, flog ich am 30.6.22 für fast 2 Monate nach Bangkok zum Preis von etwas über 1.400 Euro Business und kann damit den vorstehenden Bericht nur voll und ganz bestätigen.
    Ab Anfang Juni bin ich mit meinem Restguthaben erneut nach Bangkok unterwegs und freue mich schon sehr darauf wieder einen super Service zu geniesen. Zurück bin ich zwar noch per „Holzklasse“ gebucht, hoffe aber mit genügend Meilen auf ein Upgrade und noch vielmehr, dass Angebote wie im letzten Jahr alsbald mal wieder auftauchen.
    Übrigens, nach Singapur war das vor ein paar Wochen zum ähnlichen Preis von Deutschland aus noch möglich, warum nicht auch nach Bangkok ?

  6. Adi Henkel sagt:

    Ich kann der Bewertung nur sehr bedingt zustimmen. Ich fand den Sitz zu eng und man hat keine Privatsphäre. Das Personal war auf allen Flügen kaum present und die Lounge in Abu Dhabi eine Katastrophe, total überfüllt und wirklich extrem schwer zu finden. Im Vergleich zu Qatar Airways wie ein Heruntergewirtschafteter Gebrauchtwagen mit einem neuen Luxus SUV.
    Ausserdem teilweise extrem lange Anschlusszeit in Abu Dhabi. Maximal 3 Sterne.

  7. MK sagt:

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  8. Frank W sagt:

    Wir sind an Ostern die gleiche Klasse geflogen, bis auf einem Punkt gebe ich dem Verfasser recht: mit gut 1,90 m ist das Schlafen sehr unbequem. Der Beintunnel verengt sich sehr in der Tiefe, und man fühlt sich etwas eingeschnürt. Zurzeit wird Swiss und Lufthansa sehr kritisiert (veraltete Businessplätze), doch dort ist das Bett auf der ganzen Länge gleich breit. Hinsichtlich der sehr hohen Ticketpreisen bei Etihad, ist das Preis- Leistungsverhältnis bei Emirates doch besser. Man hat mehr Platz in der Klasse und der Service ist ähnlich gleich.

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