Alleine in der Business Class: Bewertung JetBlue Mint London – New York im A321LR

Jeblue Business A321LR Sitzplatz Weitwinkel

Jetblue ist ein amerikanischer Billigflieger mit Fokus auf Transkontinental- und Karibikflügen. In den letzten Jahren hat sich die Airline vor allem durch den vergleichsweise großzügigen Sitzabstand in der Economy und die Mint Business Class einen Namen gemacht.

Hierzulande war von alledem lange nichts zu spüren. Doch die Airline hat einige Langstrecken-Jets bestellt, um damit über den Atlantik zu fliegen. Seit 2021 werden Linienflüge nach London angeboten, weitere Strecken und Ziele sollen folgen.

Travel-Dealz-Redaktuer Peer hat die Mint Class im Airbus A321LR auf einem Flug von London-Gatwick nach New York-JFK getestet. Lest nachfolgend, ob Jetblue den hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Bevor es an die Erfahrungen geht, zunächst ein Blick auf die Flugdetails:

  • Flug: B6 44 London-Gatwick LGW – New YorkJFK
  • Sitzplatz: 4F
  • Fluggerät: Airbus A321neo LR (N4058J)
    (Auslieferung August 2021)
  • Planm. Abflug: 12:00
  • Planm. Ankunft: 15:49
  • Blockzeit: 8h 49min
  • Reisezeitpunkt: Dezember 2021
Tatsächlich verlief unsere Flugbahn deutlich weiter nördlich und wir streiften sogar Grönland

Check-in

Gebucht hatte ich mein Ticket als Multi-Stop-Reise. Dies war leider nicht direkt bei Jetblue, sondern leider nur bei verschiedenen OTAs möglich.

Entweder aufgrund der Multi-Stop-Buchung oder wegen der Covid-Bestimmungen war es mir leider nicht möglich, den Online Check-in durchzuführen. Entsprechend konnte ich innerhalb 24h vor Abflug auch keine Sitzplätze mehr wählen. Letztlich war das aber kein großes Hindernis: Bis auf Reihe 1 sind die Sitze sowieso alle identisch.

Jetblue hatte mir bereits morgens mitgeteilt, dass sich der Rückflug um rund 90 Minuten verzögern würde. Grund dafür war eine 4-stündige Verspätung auf dem Hinflug, die sich durch ausreichend Puffer in London deutlich verkürzte. Entsprechend machte ich mich erst relativ spät auf nach London-Gatwick und kam etwa 2h vor der ursprünglichen Abflugzeit am Nord-Terminal an.

Die Ausschilderung dort ließ zu wünschen übrig. Seit dem Erstflug August 2021 hielt es offenbar niemand für nötig, den Weg zum Check-in-Schalter auszuschildern. Ich fand den Schalter für Jetblue nach 5 Minuten Suche im linken Flügel des Terminals:

Vor den Schaltern warteten bereits zwei Mitarbeiter, um die Covid-Dokumente zu prüfen. Letztlich verwiesen sie mich als Business-Class-Gast aber doch an den Mint-Schalter und ich konnte die Formalitäten dort klären. Gefragt wurde nach dem negativen Covid-Test, einem Impfpass und dem Passenger Attestation Form (muss digital per QR-Code ausgefüllt werden). Eine Wartezeit gab es weder für Economy- noch Business-Class-Gäste.

Von diesem Zeitpunkt an fühlte sich das Mint-Erlebnis plötzlich wieder nach Billigflieger an. Mitarbeiter und Boardingpass erwähnten nichts von einem Fast Track für die Security, daher versuchte ich es gar nicht erst. Auch eine Lounge steht Jetblue-Passagieren nicht zur Verfügung (egal, ob Statuskunde oder Business-Ticket). Dies war mir allerdings vor Abflug bekannt und kein Ausschlusskriterium. Dennoch hätte ich mir zumindest einen kleinen Essensgutschein gewünscht.

Zum Glück konnte ich mit meiner Amex Platinum die Plaza Premium Lounge aufsuchen. Diese war eine positive Überraschung, mit großzügigem Platzangebot und À-la-Carte-Service

Verspätung & Kommunikation

Mit einer Portion Fish & Chips in der Plaza Premium Lounge konnte ich das Geschehen rund um die Verspätung etwas gelassener beobachten. Fest steht für mich, dass sich Jetblue in puncto Kommunikation nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Mit nur wenigen Minuten Zeitverzug nahm ich drei verschiedene Abflugzeiten wahr:

  • Der Monitor am Flughafen Gatwick sprach von 13:30 Uhr
  • Auf der Jetblue-Website war von Abflug 14:45 die Rede
  • Eine E-Mail von Jetblue informierte mich darüber, dass der Abflug gegen 15:30 erfolgen würde
Jetblue LGW JFK Verspaetung

Zwischenzeitig war sogar die Rede davon, dass die Ankunft in New York über vier Stunden verspätet erfolgen sollte. Ich witterte schon 600€ Entschädigung gemäß der Fluggastrechte, aber so weit kam es leider (oder zum Glück?) nicht: Wir erreichten New York schließlich mit einer Verspätung von etwas mehr als zwei Stunden.

Boarding

Letztlich startete das Boarding rund 90 Minuten nach der geplanten Abflugzeit. Zunächst wurden Passagiere der Mint Business Class sowie Vielflieger mit Mosaic-Status ins Flugzeug gebeten. Etwas verwundert nahm ich zur Kenntnis, dass neben mir nur ein weiterer Passagier das Pre-Boarding nutzte. Vermutlich würden die anderen Passagiere noch etwas shoppen und dann nachkommen.

Ich nahm dankend den Welcome Drink (für mich ein alkoholfreier „Sekt“ aus Beeren) entgegen und erkundigte mich interessehalber, wie viele andere Business-Passagiere noch kommen würden. Antwort: Keine. Ich wäre der einzige Passagier in Mint und solle es mir schon mal bequem machen.

Jeblue Business A321LR Welcome Drink
Welcome Drink aus Beeren. Schmeckt ganz gut

Damit hatte ich nicht gerechnet. Schließlich ist London – New York eine wichtige Strecke für Geschäftsreisende und in der Economy Class war etwa jeder zweite Sitz belegt.

Von der Nachricht etwas überrumpelt, erkundigte ich mich, ob ich mich dann in Reihe 1 umsetzen dürfe. Dort befindet sich auf 1A und 1F das Mint Studio mit großzügigerem Platzangebot. Doch diese Sitze konnte oder wollte man mir nicht genehmigen. Schließlich wären sie mit einem hohen Aufpreis (beim Check-in 299 $ (~284 €) pro Richtung) verbunden.

Einerseits habe ich etwas Verständnis dafür. Jetblue verlangt einen Aufpreis dafür und ein kostenloses Upgrade könnte falsche Signale senden. Andererseits hätte man bei einer komplett leeren Business Class auch mal ein Auge zudrücken können. Und selbst bei Swiss lässt sich der Throne-Seat zum Check-in kostenlos wählen.

Ehe wir abflugbereit waren, wurde der Welcome Drink jedenfalls dreimal nachgeschenkt. Ein Vorgeschmack auf den höchst aufmerksamen Service, der mich die nächsten Stunden begleiten sollte.

Kabine

Kommen wir aber zunächst noch einmal vom Service hin zum Hard Product. Insgesamt gibt es in den A321LR von Jetblue 136 Sitze: 2 Mint Studios in der ersten Reihe, 22 Mint Suites dahinter und zu guter Letzt noch 114 Sitze der Economy Class. Letztere bieten übrigens mindestens 81 cm Sitzabstand – also etwas mehr als bei der Transatlantik-Konkurrenz (76 – 79 cm) üblich.

Beim Betreten des Flugzeugs fällt sofort auf, wie modern die Kabine gestaltet ist. Die Kabine wirkte auf mich, unterstützt durch die stimmige Beleuchtung, geradezu futuristisch:

Jeblue Business A321LR Kabine
Die Kabine wirkt beim Betreten sehr futuristisch

Die Anordnung der Business-Class-Sitze ist 1-1 im Herringbone-Stil. Die Sitze sind also in Flugrichtung angeordnet und zeigen zum Gang. Der Blick aus dem Fenster wird so leider erschwert, dafür bietet jeder Sitzplatz Zugang zum Gang. Für Paare und Familien ist das allerdings nicht optimal – denn Plätze direkt nebeneinander gibt es nur in der Economy.

Jeblue Business A321LR Kabine nach vorne 1
Blick nach vorne in Richtung Cockpit

Wie erwähnt, sind die Sitze in den 22 Mint Suites alle identisch. Womöglich bekommen Passagiere in den ersten Reihen etwas mehr Lärm aus der Galley mit und in den letzten Reihen aus der Economy. Ein „bester Sitz“ lässt sich daher nicht küren. Außer natürlich, ihr seid bereit dazu, mehr als 200€ für ein Mint Studio in der ersten Reihe zu investieren.

Sitz

Jetblue verbaut in der Mint Business-Class-Sitze des Typs Thompson Vantage Solo und ist damit Erstkunde dieses neuen Sitzes. Der Sitz wurde speziell für den Einsatz in Narrowbodies entworfen und dürfte zukünftig noch bei weiteren Airlines anzutreffen sein.

Nach dem Boarding werden die Gäste der Business Class jedenfalls von folgendem Anblick begrüßt:

Jeblue Business A321LR Sitzplatz
Eine der 22 Mint Suites

Im Sitzen wirkt das Ganze relativ eng. Ich besitze zwar keine übermäßig breiten Schultern, fühlte mich aber doch in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Mit angelegtem Schultergurt wird das keinesfalls besser. Aber zum Glück muss der zusätzliche Gurt nur bei Start und Landung getragen werden.

Jeblue Business A321LR Sitz Tageslicht
Sitz bei Tageslicht ohne die futuristische Beleuchtung

Leider sind die Armlehnen nicht versenkbar. Das Platzangebot bleibt somit auch in der Lounge-Position überschaubar.

Ansonsten haben Jetblue bzw. Thompson Aero Seating (der Sitzhersteller) aber an allerlei Details gedacht. Die elektronische Sitzverstellung ist doppelt ausgeführt und ermöglicht es, bequem und stufenlos die Sitzposition anzupassen

Jetblue Business A321LR Sitzverstellung

An Stauraum mangelt es nicht. Aufpassen sollte man nur, beim Aussteigen nichts zu vergessen.

Am Fenster befindet sich ein kleines, dreieckiges Staufach für z.B. ein Ladegerät. Unter dem klappbaren Touchscreen ist eine breite Schublade versteckt, die sich perfekt auch für größere Laptops eignet. Und wenn das alles nicht reicht, gibt es noch einen Stoff-Korb im Beinbereich, wo anfangs die Sliper verstaut waren.

Auf der breiten Ablagefläche zwischen Fluggast und Tür ist ebenfalls Platz für allerlei Gegenstände. In meinem Fall Amenity Kit, Getränke, Ladegerät und Snacks.

Jeblue Business A321LR Ablageflaeche
Durch das Sitz-Layout ist der Tisch sehr geräumig

Der Tisch wird von der Seite ausgefahren und offenbart ein weiteres, nettes Detail: Er repräsentiert das Logo der Mint Business Class:

Jeblue Business A321LR Tisch Mint Logo 1
Nettes Detail: Der Tisch zeigt das Logo der Mint Business Class

Insgesamt ist der Tisch eher klein, was aber durch die großzügigen Ablagen nicht so sehr ins Gewicht fällt. Laptop mit Maus bekam ich zumindest ohne Probleme unter. Leider wurde eine wichtige Funktion vergessen: Der Tisch lässt sich weder nach vorne, noch nach hinten verstellen. Essen konnte ich daher nur aufrecht und nicht in der entspannten, etwas zurückgelehnten Position. Auch Arbeiten mit dem Laptop fällt so etwas schwerer.

Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf die Tür eingehen. Sie ist anfangs verriegelt und muss erst durch die Crew freigeschaltet werden.

Jetblue Business A321LR Lampe
Ambiente-Licht nebst geschlossener Tür (das Foto stammt vom Hinflug, daher der andere Passagier im Bild)

Viele Passagiere schwören ja heutzutage auf eine solche Tür und bei Jetblue ist sie ebenfalls vorhanden. Für mich ist sie zwar nice-to-have, aber kein Deal-Breaker: Durch die schräge Position der Sitze schaut man dem Gegenüber sowieso nicht in die Augen, sondern sieht allenfalls seine Beine. Dafür schränkt sie das Raumgefühl doch deutlich ein, sodass ich die meiste Zeit darauf verzichtet habe.

Schlafkomfort

Die Sitze lassen sich in ein komplett flaches Bett verwandeln, das dann rund 193 cm misst. Auf einem Tagflug gen Westen gib es natürlich wichtigeres, dennoch möchte ich ein paar Worte zum Schlafkomfort verlieren.

Durchaus komfortabel sind die Decke und das Kissen. Sie kommen nicht ganz an das Bettzeug von United ran, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Dafür gibt es eine Anleitung, dass man die Decke auch als Umhang oder Weste verwenden könne. Für mich eine normale Decke. Eine Bettauflage fehlt, man schläft direkt auf dem Sitzpolster.

Jetblue Business A321LR Decke

Was das Bett über den Wolken angeht, hat mich der Sitz leider nicht vom Hocker gehauen. Als Seitenschläfer fehlte mir der Platz an den Schultern und im Kniebereich. Letzterer ist für mich allerdings essentiell, da meine Beine (mit 1,98m Körpergröße) nur angewinkelt in den Sitz passen. Auch der Fußraum ist eher schmal gemessen. So hat es zwar für ein zweistündiges Nickerchen gereicht, aber mehr nicht.

In der Business Class von SAS (zum Review) oder Avianca (zum Review) habe ich insgesamt bequemer geschlafen als bei Jetblue. Dennoch geht der Schlafkomfort in Ordnung, vor allem auf der kurzen Flugzeit in Richtung Osten.

Essen & Trinken

Kommen wir zu einem Punkt, bei dem mich Jetblue wirklich begeistern konnte: der Bordverpflegung. Wie oben schon erwähnt, begann der Bordservice zunächst mit dem Welcome Drink.

Ein paar Minuten nach dem Start wurden meine Getränkewünsche aufgenommen. Dabei hätten diverse Weine, Liköre und Cocktails zur Auswahl gestanden, wie die Getränkekarte unten zu entnehmen ist. Ich beschränkte mich wie üblich auf ein Glas Cola Zero. Dieses traf zusammen mit einer kleinen Vorspeise-Platte aus warmen Nüssen, Oliven und Artischocken ein:

Jeblue Business A321LR Appetizer
Cola Zero und kleine Antipasti-Platte

Die Speisekarte befand sich von Anfang an am Sitzplatz und erklärte genau, wie der Service ablaufen würde: Ich könne mir zum Mittag drei von fünf Speisen auswählen (davon zwei kalt).

Zur Auswahl standen:

  1. Grüner Salat mit Parmesan und Buttermilch-Dressing
  2. Rübstiel-Salat mit Peperoni und Zitronen-Croutons
  3. Vegetarische Lasagne mit Spinat
  4. Hühnerbrust mit Steinpilzen und Esskastanien
  5. Lammcurry mit Kartoffeln

Ich entschied mich für den Salat, die Lasagne und Hühnerbrust (1. + 3. + 4.). Es dauert auch nicht lange, bis das gefüllte Tablett eintraf:

Jeblue Business A321LR Speisen
Mittagessen: Meine drei gewählten Optionen + Brötchen

Das Konzept mit frei wählbaren Speisen finde ich bei Jetblue sehr interessant. Bei großem Hunger hätte ich einfach drei Hauptspeisen bestellen und auf den Salat verzichten können. Vor allem ist es aber die Qualität, die mich überzeugt hat. Die Speisen waren alle hervorragend, aber das Huhn wirklich auf Restaurantqualität. Bei anderen Airlines sind Hühnergerichte gern mal übergart und trocken. Hier stimmte einfach alles.

Zusätzlich zu den bestellten Speisen wurde ein Brötchen mitsamt Meersalz und Olivenöl gebracht. Eine Wahlmöglichkeit beim Brötchen bestand nicht. Das lösen andere Airlines besser, hat mich aber nicht groß gestört.

Zum Dessert standen zwei Optionen zur Auswahl:

  • Vanilleeis mit Zitronenmarmelade und Pistazien-„Crunch“
  • Käseplatte mit Trockenfrüchten

Folgende Konversation dazu hat mich dann doch zum Lachen gebracht:

  • Flugbegleiter: „Which dessert would you like today?“
  • Ich: „Could I have both?“
  • Flugbegleiter: „You could have eight, if you want“

Mit dem Catering hätte man also problemlos noch ein paar Last-Minute-Bucher versorgen können. Mir genügten zwei Portionen:

Jeblue Business A321LR Dessert

Die Desserts waren ebenfalls hervorragend. Ich denke nur, dass die Käseplatte vielleicht etwas mehr Käse vertragen könnte.

Den Snackkorb hatte ich ebenfalls für mich alleine. Zum Glück war er prall mit Sweet & Salty Popcorn gefüllt, das ich schon auf einem BA-Flug sehr zu schätzen gelernt hatte. Daneben standen noch Cadbury-Schokolade und Shortbread zur Auswahl. Typisch britisch also.

Jeblue Business A321LR Snacks
Auswahl des Snack-Korbs. Vor allem das Popcorn ist sehr zu empfehlen. 🤤

90 Minuten in der Landung wurden kleine Snacks gereicht. Dabei konnte wieder frei gewählt werden, diesmal aber nur aus zwei von drei Optionen:

  1. Dinkelsalat mit Tomaten, Parmesan und Co
  2. Selleriesalat mit Kartoffeln
  3. Panini mit Salami und Cheddar

So wirklich lächelte mich nichts davon an, sodass ich nur ein Panini bestellte. Dieses war in Ordnung, konnte es aber nicht mit den Hauptspeisen aufnehmen:

Jeblue Business A321LR Pre Arrival Snack

Was mich etwas wundert ist, dass die ganze Auswahl an Speisen anscheinend nur sehr selten rotiert. Auf der Speisekarte war jedenfalls zu lesen, dass es sich um das Menü für Transatlantikflüge gen Westen für Herbst + Winter 2021/22 handelt. Wer die Flüge öfters absolviert, könnte sich dann womöglich mehr Abwechslung wünschen.

Insgesamt ist der Bordservice aber ein klarer Pluspunkt für Jetblue. Das Huhn war eines der besten Flugzeug-Essen, die ich je gegessen habe.

Service

Sofort als die Crew nach dem Takeoff wieder aufstehen durfte, fragte man mich, ob ich etwas aus dem Gepäckfach bräuchte. Eine nette Geste, die bei Jetblue anscheinend üblich ist. Das Gleiche wurde zumindest auch auf dem Hinflug New York – London einen Monat zuvor angeboten – obwohl dieser deutlich besser gebucht war.

Da ich auf meinem Flug der einzige Passagier in der Business Class war, wurde ich natürlich ganz besonders gut umsorgt. Es hat sich fast so angefühlt, als würde ich in der First Class fliegen (die es bei Jetblue gar nicht gibt). Ständig wurde ich gefragt, ob ich noch ein Getränk nachgefüllt oder sonst noch etwas möchte. Das alles, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Jeblue Business A321LR IFE und Getraenk
Ständig gut gefüllt: Mein Getränkeglas

Auch ein kurzer Plausch mit der Crew war drin. Unter anderem erfuhr ich, dass ein Flug mit nur einem Gast in der Business Class selbst für die Crew ein Novum war. Ganz so dramatisch wie auf meinem Flug ist die Buchungslage also normalerweise nicht.

Auch, wenn ich hier nur den Flug von London nach New York bewerte, so möchte ich noch mit ein paar Worten auf den Hinflug NYC → LGW eingehen. Die Crew war dort ebenfalls sehr freundlich, aber der Essens-Service unerträglich langsam. Bis ich endlich mein Essen erhalten hatte, vergingen anderthalb Stunden. Nach dem Dessert waren bereits mehr als zwei Stunden rum, sodass nur noch zweieinhalb Stunden bis zum Frühstück blieben. Nächstes Mal werde ich definitiv das schnelle Abendessen bestellen, bei dem das gesamte Essen auf einem Tablett serviert wird. Mit Blick auf die anderen Passagiere war diese Option aber maximal 15 Minuten schneller.

In-Flight Entertainment

Die Touchscreens an den regulären Business-Class-Sitzen messen 17 Zoll in der Diagonale (22″ im Mint Studio). Sie müssen manuell ein- und ausgeklappt werden und können daher bei Start und Landung nicht genutzt werden. Soweit zumindest die Theorie. Durch die Beschleunigung beim Start wurde mein Bildschirm (und viele andere) automatisch ausgeklappt. Ganz ausgereift scheint das System also nicht. Aber vielleicht ist das auch kein Bug, sondern ein Feature.

Jeblue Business A321LR Bildschirm eingeklappt
Bildschirm in der eingeklappten Position

Was die Inhalte angeht, lässt sich Jetblue jedenfalls nicht lumpen. Ich zählte insgesamt 221 Filme und nutzte die Gelegenheit, mit ein paar Beuteln Popcorn den neuesten James Bond (No Time to Die) zu schauen. Dazu gab es noch diverse Serien, Spiele und Musik. Theoretisch steht auch Live-TV zur Verfügung, auf meinem Flug leider nicht.

Eine Flight Map ist natürlich ebenfalls vorhanden. Sie kann entweder im Vollbildmodus genutzt werden (diverse Einstellungen möglich) oder als kleines Overlay am Bildschirmrand. Auf meinem Flug konnte ich so genau verfolgen, wie wir aufgrund der starken Winde eine ungewöhnliche Route über Grönland nahmen. Eine Außenkamera fehlt leider.

Das gesamte Unterhaltungssystem reagiert sehr flott und hat einen hübschen Anstrich bekommen. Es ist sogar möglich, das Smartphone als Fernbedienung fürs Unterhaltungssystem zu nutzen. Alternativ gibt es dafür noch eine physische Fernbedienung am Platz. Diese ist aber recht ungünstig platziert. Ich kam mehrfach versehentlich auf den Crew-Ruf-Button.

Die Kopfhörer bieten aktive Geräuschunterdrückung und stammen von Master & Dynamic. Die Marke sagt mir nichts, aber Tonqualität und Tragekomfort waren gut.

Jetblue Business A321lr Kopfhoerer
Kopfhörer mit Active Noise Canceling

WiFi

Ein großer Pluspunkt auf allen Flügen mit Jetblue ist das kostenlose Highspeed-Wifi. Egal, ob es von New York nach Boston oder über den Atlantik geht.

Leider trifft „alle Flüge“ dann aber doch nicht ganz zu. Bereits kurz vor Abflug hieß es, es gäbe auf dem Flug womöglich Probleme mit dem WLAN. Und so kam es dann auch: Das WLAN war den ganzen Flug über nicht verfügbar. Die Crew versuchte vergeblich, die Verbindung zurückzusetzen und neuzustarten, aber alles half nichts. Für mich, der eigentlich ein paar Stunden arbeiten wollte, war das sehr ungünstig.

Zum Glück konnte ich das WLAN auf dem Hinflug New York → London schon testen, wo es astrein funktioniert hatte. Die Geschwindigkeiten hatten es wirklich in sich: Ich erzielte Downloadgeschwindigkeiten mehr als 40 MBit/s im Downstream. Der Upload konnte zwar nicht Schritt halten, aber dennoch beeindruckend für ein Flugzeug-WLAN:

speedtest jetblue hinflug
Beeindruckendes WLAN. Wenn es denn funktioniert

Auf meinem London-New-York-Flug wäre mir ein langsames, aber funktionstüchtiges WLAN lieber gewesen. Aber grundsätzlich können solche Ausfälle immer mal passieren. Dass das Internet überhaupt nicht funktioniert, scheint immerhin die Ausnahme zu sein. So bestätigten es mir auch die Flugbegleiter.

Extras

Abseits der oben genannten Punkte hat Jetblue an diverse Extras gedacht:

  • Steckdosen und USB-Anschlüsse sind an jedem Sitz zweimal vorhanden.
  • Zwischen Sitz und Fenster gibt es eine rutschfeste Oberfläche mit Qi-Funktionalität zum kabellosen Laden des Smartphones. Nette Idee, allerdings muss man den Ladepunkt sehr genau treffen, damit es funktioniert.
  • Im Seitentisch befindet sich ein kleiner Handyhalter. Letztlich handelt es sich allerdings nur um eine Aussparung im Tisch.
  • Auch in der Business Class verfügt jeder Sitzplatz über eine eigene Luftdüse, um die Temperatur individuell zu regeln.
  • Neben der Steckdose befinden sich zwei Haken zum Aufwickeln von Ladekabeln. So fliegt das Laptop-Netzteil nicht überall am Sitz umher. Auf die Funktion der Haken wäre ich allerdings niemals von alleine gekommen – ich wurde nur durch ein Video im IFE-System darauf aufmerksam.
  • Das Amenity Kit ist nicht sonderlich inspirierend. Die Papp-Verpackung wirkt billig, aber produziert immerhin nicht viel Müll. Der Inhalt ist in Ordnung
  • Am Sitz befindet sich ein Paar recht bequemer Schlappen. Einen Pyjama gibt es allerdings nur im aufschlagpflichtigen Mint Studio.

Negativ fiel mir auf, dass das Anschnallzeichen den ganzen Flug über eingeschaltet blieb. Turbulenzen gab es allerdings kaum. Meines Erachtens trägt dieses Verhalten nur dazu ein, dass das Anschnallzeichen nicht mehr Ernst genommen wird. Leider erlebe ich das bei US-Airlines ständig (aber nicht nur dort).

Das Mint Studio

Da ich die ganze Business Class für mich hatte, habe ich es mir nicht nehmen lassen, kurz im Mint Studio in der ersten Reihe vorbeizuschauen. Die Crew hatte dagegen keine Einwände, nur für längere Zeit sitzen durfte ich dort (wie bereits erwähnt) nicht.

Sofort fällt auf, dass das Mint Studio deutlich geräumiger ist als die regulären Mint Suites. Während die regulären Business-Class-Sitze eher beklemmt wirken, gibt es im Mint Studio Platz in alle Richtungen. Ich bin mir sicher, dass dies auch den größten Kritikpunkt Schlafkomfort beseitigt. Gäste des Mint Studios erhalten ein extra Kissen, zusätzliches Amenity Kit und auch einen Pyjama. Es besteht zudem die Möglichkeit, zu zweit in einem „Studio“ zu essen, auch wenn es dann recht kuschelig wird.

Die 250€ Aufpreis je Richtung wäre mir das Mint Studio aber nicht wert. Das scheinen die meisten Passagiere so zu sehen. Auf dem Hinflug New York → London wollte niemand den Aufpreis zahlen und so wurden die beiden freien Studios anscheinend an Non-Rev-Passagiere (vmtl. Crew mit Standby-Ticket) vergeben. Und auf dem Rückflug war ich ja sowieso der einzige Business-Gast.

Jetblue Mint Business Class London – New York
  • Check-in & Boarding
  • Lounge
  • Sitz
  • Service
  • In-Flight Entertainment
  • WLAN
  • Extras
3.61
Fazit

Ich hatte hohe Erwartungen an die Jetblue Business Class über den Atlantik und diese wurden größtenteils auch erfüllt. Der Service war höchst aufmerksam (was natürlich auch an der Auslastung lag). Das Essen ist vermutlich das beste, was ich je in einer Business Class gesehen habe. Die Kabine sieht schick und modern aus und der Sitz ist an sich gut durchdacht.

Insgesamt wirkt er aber doch etwas beengt, was sich vor allem im Schlaf bemerkbar macht. Bei SAS oder in der British Airways Club Suite ist das Platzangebot als Passagier einfach größer. Nun mag das ein etwas unfairer Vergleich sein, weil A350 und Boeing 777 weitaus mehr Platz bieten als ein Narrowbody. Aber letztlich kann ich frei zwischen Jetblue, BA und Co wählen und eine Airline muss sich an den Alternativen messen. Weitere Abstriche gibt es für die unzureichende Kommunikation bzgl. der Verspätung und den fehlenden Loungezugang.

All das ist Meckern auf hohem Niveau. Ich würde jederzeit wieder mit Jetblue fliegen, wenn der Preis stimmt. Aber den Titel „beste Business Class der Welt“ wird Jetblue mit den Mint Suites im A321LR nicht erzielen. In Reihe 1 sieht es womöglich anders aus.

Jeblue Business A321LR Sonnenuntergang
Sonnenuntergang über dem Nordosten Kanadas
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Kommentare (22)

  1. Bene sagt:

    Interessant wäre natürlich auch der Preis gewesen!

  2. Thomas sagt:

    Danke für den Beitrag und Deinen gelungenen Schreibstil – sehr lesenswert!

  3. Volker sagt:

    Hi Peer,
    wieder ein super Beitrag von Dir.
    Da ich 195cm groß bin, sind mir Deine persönlichen Sitz-und Schlaferlebnis auch wichtig.
    Weiter so u. ich freue mich auf die nächsten Berichte von Dir.
    Grüße
    Volker

    • Peer sagt:

      Danke, das freut mich. 🙂

      Alte und neue Delta Business Class kommen demnächst noch. Kurzer Spoiler: Habe selten so gut geschlafen wie in der Delta One Suite.

  4. Icke sagt:

    danke für den schönen bericht! geh ich recht in der annahme, dass beim narrowbody nur vorne türen fürs boarding sind und du in der biz allen eco-gästen ins gesicht gucken musst wenn diese boarden dürfen? finde ich immer super unangenehm und bei dieser konfi wahrscheinlich noch schlimmer, oder?

    • Peer sagt:

      Es ist tatsächlich so, dass alle Eco-Gäste durch die Business laufen müssen, ja.

      Persönlich hat mich das nicht sehr gestört, da man durch die vergleichsweise hohen Wände nicht direkt auf dem Präsentierteller sitzt. Aber Erwachsene können, je nach Winkel, schon drüber schauen.

  5. Simon sagt:

    Hut ab vor diesem ausführlichen Bericht, der sich trotz seiner Länge angenehm lesen lässt!

  6. Peter sagt:

    Ein sehr toller und ausführlicher Bericht.

  7. Peter sagt:

    EU-Fluggastrechte bei Abflug aus London, UK?

  8. Peter M. sagt:

    Danke für den Bericht!
    Wie teuer war der Tripp in der Business Class Hin und zurück ?

  9. Sven sagt:

    Wenn ich mir diese Ablagemöglichkeiten anschaue, dann kann man wirklich nur noch weinen, wenn man die LH-Businessclass zum Vergleich heranzieht.

  10. Ingrid sagt:

    Sehr ausführlichen und interessant geschrieben. Danke.

  11. René sagt:

    Hi Peer,
    super Bericht. Ist echt witzig, das Dein Bericht jetzt kommt. Wir waren Anfang März im Mint Studio unterwegs. Ich muss Dir ehrlich sagen, für uns war es den Aufpreis wert. Und das Bett hat ja auch um einiges größer, da der Seitenottoman mit einbezogen wurde. Meine Frau hat sich richtig „breit“ gemacht und bei mir hat sogar +0,5 mitgepennt. Auch zum Essen zu zweit ging es ganz gut. Crew kann ich bestätigen, war super – Essen war es bei uns nicht – leider. Hatte auch die Lasagne, … naja und meine Frau das Huhn, ebenfalls naja. Wir haben dann den Süßigkeitenkorb geplündert. Die hat den dann bei uns stehen lassen und immer wieder nachgefüllt. Die Buchung der Studios war irgendwie nur ziemlich doof, erst am Ende der Buchung konnte man die dann als „Upgrade“ buchen.
    Also Danke für Deinen Bericht – (hatte diesmal auch keine Bilder gemacht, meiner +1 zuliebe war es ein rein privater Ausflug)

    • Peer sagt:

      Danke für dein Feedback und die Eindrücke. 🙂

      Schade, dass das Essen bei euch nicht gepasst hat. Und vor allem merkwürdig, dass die Qualität der selben Speisen so schwankt. Ich gehe nicht davon aus, dass unsere Geschmäcker so verschieden sind. 😀

      Für die Beurteilung des Studios kommt es sicher auch auf die Ansprüche und das Verhältnis zum Ticketpreis an. Auf dem Tagflug Richtung Westen ist mir der breitere Sitz nicht so wichtig, auf dem Nachtflug Richtung Osten bleibt sowieso nur Zeit für 4h Schlaf, die schafft man meines Erachtens auch irgendwie in der „Suite“. Aber das Studio ist zweifelsohne besser.

    • Nico sagt:

      Die Idee mit +0.5 im Studio hatte ich auch, als ich den Zusatzsitz sah. Bis zu welchem Alter kann Mensch die kleinen denn mitnehmen? Ist das Buchbar oder nur über Kundenservice?
      Danke für deine Einschätzung!

  12. Marc sagt:

    sehr netter Beitrag 🙂

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