Fliegen mit Übergewicht: 9 Tipps fürs bequeme Reisen

Sitze

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen wieder steigen wird der Wunsch nach Urlaub im Warmen bei vielen stärker. Doch für Menschen mit ein paar Kilos mehr auf den Hüften wird der Gedanke an eine Flugreise schon zum Albtraum, denn schon mit normalen Maßen hat man nicht gerade viel Platz im Flieger. Ebenso kann es für eine schlanke Person unangenehm werden, neben einem Schwergewicht zu sitzen.

Um genau solche Fälle zu vermeiden, haben wir 9 Tipps zusammengestellt, um die Buchung und die Reise zu erleichtern:

1. Nach Gurtverlängerung fragen

In jedem Flugzeug werden Gurtverlängerungen mitgeführt. Sollte es daher nur an der Länge des Gurtes scheitern und der Sitzabstand sonst passen, sollte man sich nicht scheuen, nach einer Verlängerung zu fragen. Gerade bei Männern, deren Problemzone eher am Bauch liegt, kann eine Gurtverlängerung eine einfache Lösung sein.

Wer sich unwohl bei dem Gedanken fühlt, vor anderen Passagieren nach einer Gurtverlängerung zu fragen, kann direkt beim Einsteigen die Flugbegleiter diskret um eine Verlängerung bitten.

2. Business Class buchen

Welche Vorteile die Buchung eines Business-Class-Tickets für einen Langstreckenflug hat ist offensichtlich: ein breiterer Sitz, mehr Beinfreiheit und zumeist auch einen längeren Gurt.

Aber auch auf Kurzstrecke kann ein Business Class Sitz Vorteile bieten. Die Sitze sind zwar nicht breiter, aber durch den freien Mittelplatz hat man die Möglichkeit seine Beine ein bisschen auszubreiten und auch der Klapptisch kann am Mittelplatz heruntergeklappt werden, statt am eigenen Sitzplatz. Zum Teil ist auch der Sitzabstand ein klein wenig größer (mehr dazu unter Tipp 8).

Achtung

Besser nicht die 1. Reihe buchen! Hier sind die Armlehnen meistens starr und durchgängig, da in ihnen der versenkbare Tisch verstaut wird.

Eurowings Sitzplatz Reihe 1 CRJ-900 Armlehnen
Starre Armlehnen in Reihe 1 in der CRJ-900

Aber nicht nur die Sitzbreite, sondern auch die Gurtlänge, bzw. die Mischung aus beidem ist entscheidend. Air France hat fast als einzige Airline die Sitzbreiten detailliert aufgelistet. Dabei geben sie zusätzlich auch noch an, bis zu welchem Körperumfang die Sitze geeignet sind. Auf Kurzstrecke sind die Sitze in der Economy und Premium Economy für bis zu 135 cm Umfang, in der Business Class auf Kurzstrecke und Premium Economy auf Langstrecke für bis zu 150 cm Umfang und in der First Class und Business Class auf Langstrecke sogar bis zu 200 cm Umfang. Hier zeigen sich die deutlichen Unterschiede zwischen Economy auf Kurzstrecke und zum Beispiel der Business Class auf Langstrecke.

Natürlich kann sich nicht jeder ein Business-Class-Ticket leisten. Wer jedoch kein festgelegtes Ziel hat, der kann mit ein bisschen Glück einen Error Fare buchen und so an ein günstiges Business Class Ticket kommen.

3. Premium Economy buchen

Viele Fluggesellschaften bieten auf Langstreckenflügen mittlerweile eine dritte bzw. vierte Klasse an: die Premium Economy Class. Hier sind Tickets meistens nicht ganz so teuer wie in der Business Class, ihr müsst aber durchaus mit dem doppelten Economy-Preis rechnen.

Leider ist diese Klasse wenig standardisiert. Die meisten Fluggesellschaften bauen in der Premium Economy Class jedoch deutlich hochwertige Sitze ein als in der Economy Class, die aufgrund dessen, dass pro Reihe weniger Sitze verbaut werden, auch breiter sind als normale Economy Sitze. Zudem verfügt jeder Sitz über eine eigene Armlehne und auch der Sitzabstand ist zumeist deutlich größer.

Der Airbus A380-800 von Lufthansa ist z.B. mit einer 3-4-3 Konfiguration in der Economy und einer 2-4-2 Konfiguration in der Premium Economy ausgestattet. Daraus resultieren Sitze mit einer Sitzbreite von 48 cm statt 46 cm und einem Sitzabstand von 96 cm statt 79 cm.

Einen Vergleich verschiedener Premium Economy Class-Produkte findet ihr hier:

Lufthansa Premium Economy Class Sitze Boeing 747-8i
Lufthansa Premium Economy

4. Zweiten Sitz buchen

Alle Passagiere sollen bequem reisen. „Bequem“ heißt dabei für die Airlines, dass sich die Armlehnen „mühelos“ hoch und herunterklappen lassen sollten. Sollte dies nicht gegeben sein, beeinträchtigt man seinen Nebenmann. In diesem Fall raten Airlines einem, einen zweiten Sitzplatz zu buchen.

Air France und KLM kommen einem dabei entgegen und verkaufen den zweiten Platz für 75% des Flugpreises ohne Steuern & Gebühren (ob auch auf Zuschläge, die meistens einen großen Teil des Flugpreises ausmachen, verzichtet wird, ist fraglich). Dafür müssen beide Plätze für eine Person gebucht werden und beinhalten auch nur das Gepäck für eine Person. Ist der durchgeführte Flug nicht ausgebucht, erstatten beide Airlines den Preis für den zweiten Platz auf Antrag sogar wieder zurück.

Die Corona-Pandemie hat zuletzt dazu geführt, dass einige Airlines auch einen freien Mittel- bzw. Nebensitz verkaufen. Ob das von Dauer ist, wird sich zeigen. Hier eine Übersicht:

5. Beim Boarding nach einem anderen Sitzplatz fragen

Manchmal durchschaut man die Sitzplatzvergabe bei Airlines nicht: Die eigene Sitzreihe ist voll, andere dafür scheinbar komplett leer. Sollte man bei Boarding beobachten, dass die gebuchte Reiseklasse nicht ausgebucht ist, die eigene Reihe aber schon, sollte man sich nicht scheuen die Flugbegleiter anzusprechen. Denn ist das Boarding abgeschlossen und noch Plätze frei, ist es selten ein Problem sich umzusetzen. Dabei heißt es, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Also am besten direkt beim Einsteigen nachfragen und nach dem Signal Boarding completed umsetzen.

Aber Achtung: Dieser Tipp ist nicht planbar. Wenn kein Platz mehr frei ist, können auch die Flugbegleiter nichts mehr machen.

6. Seat Map aufrufen

Die Seat Map ist die Sitzbelegung für jeden Flug. Diese ist eigentlich nicht öffentlich zugänglich, aber in unserem Artikel Seatmap einsehen: Ist der Platz neben mir noch frei? zeigen wir euch Wege, wie ihr die Seat Map trotzdem einsehen könnt. Denn so kann man bei der Sitzplatzreservierung sich so platzieren, dass die Wahrscheinlichkeit eines freien Nebenplatzes sehr hoch ist. Auch hier gibt es leider keine Garantie auf einen freien Nebenplatz. Also ist dieser Tipp eher was für Zocker!

ExpertFlyer Sitzalarm Seatmap
Seatmap nach freien Nebensitz checken

7. Keinen XL-Seat reservieren

Manche Airlines bietet in der Economy Class XL-Seats an. Klingt ja erstmal traumhaft. Das XL bezieht sich allerdings nur auf die Beinfreiheit und nicht auf die Sitzbreite. Wem 15 cm mehr Beinfreiheit schon zum Wohlbefinden verhelfen, für den ist das sicherlich eine Lösung. Allerdings verlangen die Fluggesellschaften dafür einen saftigen Aufpreis

Die XL-Sitze befindet sich häufig am Notausgang. Doch das kann wiederum zu Probleme führen:

8. Keinen Notausgangsplatz buchen

Fluggesellschaften verlangen für Notausgangsplätze oft sehr viel Geld, da man dort „mehr Platz“ hat. Häufig werden diese Sitzplätze auch als XL-Seats verkauft. Auch hier bezieht sich der zusätzliche Platz nur auf die Beinfreiheit. Gleichzeitig befinden sich am Notausgang oft keine normalen Armlehnen, sondern starre und durchgängige Armlehnen, die sich nicht hochklappen lassen. Wer also gerade an der Hüfte mehr Platz braucht, sollte sich nicht an den Notausgang setzten.

Es kann sogar zu richtigen Problemen, bis hin zum Verweis aus dem Flugzeug kommen, wenn man körperlich eingeschränkt am Notausgang sitzen will.

Hier am Beispiel von Condor:

Personen, die durch ihre Körpermaße, Krankheit oder aus Altersgründen eingeschränkt beweglich sind

Hinweise für XL-Seats von Condor

Air France schlüsselt dieses noch einmal genauer auf:

[…] Deshalb erhalten folgende Passagiere keinen Sitzplatz Plus: […] Korpulente Passagiere mit einem Taillenumfang von über 135 cm, die den Zugang zu den Notausgängen behindern könnten […]

Verkaufsbedingungen für die Sitzplatz-Optionen auf Flügen von Air France

Manche Airlines erlauben es trotzdem und verteilen auch am Notausgang Gurtverlängerungen, aber das Risiko muss jeder selber einschätzen.

9. Seatguru checken

Seatguru ist ein Portal, dass über 1.000 verschiedene Seatmaps von so gut wie jeder Airline darstellt. Dabei könnt ihr entweder gezielt mit eurer Flugnummer und eurem Flugdatum nach dem eingesetzten Flugobjekt suchen oder euch generell durch die Seatmaps der Airlines klicken.

Aufgrund von Nutzererfahrungen sind einige Sitzplätze farblich markiert und verfügen über zusätzliche Informationen. Dies können Informationen über mehr Beinfreiheit sein oder über die Nähe zu Toiletten und Galleys und die damit eingehend erhöhte Lautstärke.

Das mitunter wichtigste Detail bei Seatguru ist jedoch die Übersicht über die Sitzabstände und Sitzplatzbreiten. Diese sind in Inch angegeben und müssen dementsprechend in Zentimeter umgerechnet werden (1 Inch = 2,54 cm). Hierbei muss beachtet werden, dass der Pitch (Sitzabstand) von einem Punkt an einem Sitz zum exakt gleichen Punkt des nächsten Sitzes gemessen wird und nicht mit der Beinfreiheit gleichzusetzen ist.

Weitere Tipps?

Habt ihr noch weitere Tipps oder sogar Erfahrungen, dann dürft ihr gerne ein Kommentar hinterlassen! Unangebrachte Kommentare zu diesem Thema löschen wir aber umgehend.

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Kommentare (22)

  1. Vielreisende sagt:

    Ich kann hier aus eigener Erfahrung/Betroffenheit mal zu beiden Fällen berichten (sehr schlank und stark übergewichtig). Ich war mein Leben lang bis zum Alter von 37 Jahren superschlank und bin im Sitz fast versunken. Da ich auch nicht besonders groß bin, hatte ich auch nach vorne immer sehr viel Platz. Durch eine Krankheit, die auch meinen Stoffwechsel stark beeinflusst, habe ich trotz viel Sport und strengem Ernährungsplan in den letzten Jahren 45 kg zugenommen und es ist leider noch kein Ende in Sicht. Trotzdem benötige ich noch lange keine Sitzgurtverlängerung bzw. habe beim Standard-Sitzgurt noch einiges an Spielraum. Ich hatte allerdings tatsächlich bei meinem letzten Flug vor zwei Wochen von Dallas/Ft. Worth nach Frankfurt das etwas unschöne Erlebnis, dass ich den Sitzgurt gerade so zubekommen habe. Und auch die Sitze waren deutlich schmaler als die auf dem Hinflug. Da es sich beim Hinflug als auch dem Rückflug um den selben Maschinentyp (737-200) und die gleiche Airline und die gleiche Sitzkonfiguration gehandelt hat, kann ich mir das bis jetzt nicht ganz erklären. Ich hoffe aber, dass das ein einmaliges Erlebnis bleibt, denn der Langstreckenflug war wirklich unangenehm, v. a. als mir von den Stewardessen immer der Wagen in den Rücken gerammt wurde, wenn sie zum Service durch den Gang gingen. Ich persönlich würde gerne – gerade auch jetzt in der Corona-Pandemie – noch einen zweiten Platz hinzubuchen, aber das ist leider bei den meisten Airlines ja nicht möglich bzw. nur zum vollen Preis möglich. Das kann ich mir finanziell aber nicht leisten.

    Ich glaube, dass viele stark Übergewichtige diese Option gerne nutzen würden, wenn es den zweiten Platz zu einem erschwinglichen Preis gäbe. Das war z. B. letztes Jahr bei Ryanair möglich als ich nach Sardinien geflogen bin. Da hat der zweite Platz nur die Hälfte gekostet und den haben wir gebucht, allerdings hauptsächlich damit während der Corona-Pandemie niemand zwischen uns sitzt.

    Ansonsten kann ich nur dazu raten, so oft wie möglich aufzustehen und tatsächlich etwas Gymnastik zu machen. Ich gehe meistens an die Notausgänge, weil dort etwas mehr Platz ist, und ziehe mein Programm durch – zur Erheiterung der anderen Fluggäste, aber das ist OK. Das hilft mir z. B. auch, damit die Füße/Beine nicht dick werden. Tipps dafür gibt es überall im Internet.

  2. Claudia sagt:

    Kleiner Tipp noch für das Ein- und Aussteigen in engen Reihen (nicht nur für Übergewichtige): Oft ist auf der Unterseite der Armstütze von der Armlehne, die am Gang positioniert ist und sich oft nicht hochklappen lässt, auf der Unterseite ein Knopf, der die Sperre entriegelt.

  3. Rainer Haessner sagt:

    Unabhängig von der Frage des Körpergewichts: kann man denn neuerdings einfach einen freien Platz buchen? Zum Tarif beim Buchungszeitpunkt. Das sündteure Full Flex geht natürlich immer.
    Ich weiß schon, dass Billigflieger anbieten, einen Platz für „Mr. Cello“ zu buchen, aber was ist mit Qatar, Lufthansa, Emirates, …
    Bei Reisen zu zweit würde ich immer einen freien Platz buchen, wenn nur Plätze in Y möglich wären.

  4. Torsten Ahlers sagt:

    Bei den Billigfliegern… Wo man den Sitzplatz für 10€ bereits bekommen kann sich einfach die ganze Sitzplatzreihe buchen….. Das kann man in den Moment noch gut verkraften …. Frage ist ob man dann auch 3 Handgepäckstücke mitnehmen darf…dann wäre die Sache vermutlich billiger als zusätzliches Gepäck dazu zu buchen ?
    Was hält auffällig ist, meist ist der Flieger im hinteren Teil wesentlich leerer als vorne..und da kann man durch umsetzten hält sich oft ne zweiten Sitzplatz mit ergattern… Oder sogar ne ganze Sitzplatzreihe… Undan halt die Möglichkeit dort einigermaßen zu pennen.
    So mache ich es meist wenn ich Chicken Class fliege.

    Und man sollte ab und zu mal rein schauen in seinen Flug wie voll er ist und eventuell handeln.
    Wenn man viel fliegt ist es auch eine entsprechende Möglichkeit mit Punkten die Buchungsklasse anzuheben….
    Teilweise geht’s auch mit ne Cashgebot ist auf jeden Fall günstiger als ne Business Class ticket von vornherein zu kaufen.

    • Thrawn sagt:

      Warum sollte man die Buchungsklasse „anheben“? Davon mal abgesehen, dass das mit Meilen überhaupt nicht geht, meinst Du vermutlich die Beförderungsklasse.

  5. Chris sagt:

    Wer noch nie selber abnehmen musste kann nicht wissen, dass das garnicht so einfach ist wie sich das viele vorstellen…

  6. mglast sagt:

    Wichtiger Hinweis: In der 1. Reihe und am Notausgang dürfen oft keine Menschen sitzen die eine Gurtverlängerung brauchen. Ich meine in der 1. Reihe ist das sogar offizell „Gesetz“. Ich habe schon erlebt, das Leute die 1. Reihe teuer bezahlt hatten, eh Problem mit den festen Armlehnen hatten, und dann, als sie nach einer Gurt Verlängerung fragten, ohne Wenn und Aber konsequent sonstwohin gesetzt wurden.

  7. RSC sagt:

    Seatguru war mal ein super Tipp, die Seite wird aber seit ca. 2 Jahren nicht mehr gepflegt. Daten nicht mehr aktuell oder vollständig

  8. DO sagt:

    Ich will nicht unhöflich sein, aber wenn Sie nicht in den Stuhl passen – wenn Ihr Körper breiter ist als der Stuhl + Armlehne – sollten Sie verpflichtet sein, einen zweiten Sitz zu kaufen. Ich hatte einmal einen Flug von JNB nach CPT, bei dem das gesamte Flugzeug ausverkauft war, und ich hatte jemanden, der auf dem mittleren Sitz saß und auch die Hälfte meines Sitzes einnahm. Das war unglaublich egoistisch und unhöflich mir gegenüber!

  9. Felix sagt:

    Unfassbar manche Kommentare hier. Wie wenn Übergewicht immer am Essen liegt.
    Es gibt auch Menschen die krank sind und durch Medikamente fülliger geworden sind.

    Auch kann man als Kraftsportler zb nicht in die eco Sitze passen.
    Ekelhafte Menschheit, ich hoffe ihr hab nie solche Probleme.

    • Thrawn sagt:

      Es wird ja moderiert. Natürlich darf sich niemand schlecht fühlen dürfen weil er ungesund lebt und anderen Menschen auf der Tasche liegt oder andere Menschen belästigt.

      Der Anteil derer, die nichts für ihr Übergewicht können, dürfte außerordentlich gering sein. Zu >90% liegt es an zu viel Essen, ungesundem Essen und zu wenig Bewegung.

      • Peer sagt:

        Es wird ja moderiert

        So ist es. Daher bitte ich alle, jetzt wieder zum Thema „Fliegen mit Übergewicht“ zurückzukommen. Für Grundsatzdiskussionen ist Travel-Dealz nicht der richtige Ort.

      • DeineMudda1001 sagt:

        Ich kann aus medizinischer Sicht sagen, dass es zu 100% der Fälle/Menschen an zu viel Essen, zu wenig Bewegung oder einer Kombi von beidem liegt. Und trotzdem liegen die Gründe nicht in einer Schuld der Menschen, wenn das Hungergefühl zu stark ist.

        Der Stoffwechsel stellt sich auf ein Gewicht ein mit den bestmöglichen Reserven. Das ist evolutionär sinnvoll gewesen, heute aber nicht mehr. Und das entspr. Hormonarsenal (Ghrelin&Leptin, aber natürlich auch Insulin/Glucagon und dazugehörige Rezeptoren) wirkt fortan immer darauf hin, dass dieses Gewicht mit Reserve auch wieder erreicht wird. Wer das nie hatte soll einfach froh seien! „Einfach weniger essen“ ist so ähnlich wie „einfach mal aufhören zu rauchen“ o.ä. Dinge. Nur dass es hier dazu noch etwas ist, was man ja nunmal tatsächlich zum (über)leben braucht und überall und immer verfügbar ist, im Gegensatz zu irgendwelchen geächteten Drogen. Wer mal richtig hungrig war und dann was leckeres vor der Nase hatte weiß was gemeint ist. So einfach nein zu sagen und das jeden Tag aufs neue geht nicht oder super schwer mit enormer Willenskraft zumal ja überall verfügbar. Im Gegensatz dazu ist der Entzug/Craving bei Drogen irgendwann mal vorbei und wird hoffentlich nicht mehr vermisst, zumindest auf körperlicher Ebene. Je nach Droge dauert es länger oder kürzer bis man dies nicht mehr vermisst. Bei Essen aber kann man nicht komplett darauf verzichten, es muss kontrolliert konsumiert werden, aber eigentlich dauerhaft weniger als einem das Gefühl/Appetit/Hunger so sagt, zumindest wenn man abnehmen will. (und auch der Appetit ist nachweislich anders, da bei Übergewichtigen eher Appetit nach deftigem besteht bzw. Zucker bei Diabetes Typ2 usw., warum ist zum Teil noch nicht genau erforscht, insb. bzgl. Sättigungsmechanismen des Leptin und deftigem Hunger) Es dauert Jahre bzw. ist meines Wissens zum Studienstand sogar fraglich ob sich überhaupt ohne eine OP wieder ein „normales“ Hungergefühl entwickeln kann.

        Zu Beginn kann also neben genetischer Veranlagung, Medikamenten o.ä. auch diverses andere dazu geführt haben, dass man erstmal Übergewicht angesetzt hat und dazu kann es seien, dass sich jemand vielleicht tatsächlich hat gehen lassen aus irgendwelchen persönlichen Gründen, einer depressiven Episode im Leben usw. Allenfalls hier kann man noch von „selbst schuld“ reden, obwohl ich auch das unangebracht fände, ich glaube keiner will bewusst derart zunehmen. Aber die Idee jedenfalls, wenn es dann schon zu spät ist „einfach mal weniger essen bzw. mehr Sport oder Kombi“ wenn das Übergewicht derart stark da ist um das alles wieder ungeschehen zu machen, stellen sich da viele nur von Ihrem Standpunkt aus vor und damit auch viel viel viel zu einfach. So einfach ist der Körper und sein Stoffwechsel einfach nicht gestrickt, wie schon beschrieben, dass man das an der Stelle noch so einfach könnte. Ab einem gewissen BMI, irgendwo bei 35 ist es statistisch, so sagen verschiedene Studien schon so gut wie ausgeschlossen, dass man das mit reiner Willenskraft noch nachhaltig hinbekommt, weil es Jahre braucht bis der Körper einem nicht mehr permanent vermittelt, dass man dringend mehr essen muss um wieder die Reserven aufzufüllen.

        • bri sagt:

          Schade, das Sie soo einen quatsch öffentlich verbreiten. Sie sollten sich schämen.

          Es gibt unfassbar viele Gründe, warum Menschen dick sein könnten.
          Selber habe ich mal wegen eines Behandlungsfehlers des Arztes 40 Kg zugenommen!
          Diabetiker nehmen durch Unterverträglichkeit des Lebenswichtigen Insulins zu. Sollten sie lieber darauf verzichten, um schlank zu bleiben ?
          Menschen nehmen durch Cortisonbehandlungen zu. Ebenfalls kann die Nebenniere zu viel Cortisol produzieren, Glutenunverträglichkeit kann zu Gewichtszunahme und wassereinlangerungen führen….
          Mit der Aufzählung könnte ich noch stundenlang weitermachen….

          Wie sie sehen, liegt es nicht an “ zu viel oder falschem Essen“ das Menschen dick sind.
          Wer sowas sagt, hat einfach keine Ahnung.

    • Rainer Haessner sagt:

      Entschuldigung, der Energieerhaltungssatz hat nichts mit Medikamenten zu tun. Mehr rein als raus führt zu Übergewicht. Dass die Problematik im Zweifelsfall alles andere als leicht zu lösen ist, steht auf einem anderen Blatt.

  10. Christoph sagt:

    Wenn man zu zweit reist und es Dreierreihen gibt dann den linken und den rechten Platz buchen und nicht den mittleren. Der bleibt dann meist leer wenn der Flieger nicht komplett voll ist.

    • Rainer Haessner sagt:

      Oh, da kann man sich irren. Passagiere im Light-Tarif werden „zufällig“ gern auf diese Mittelplätze gesetzt.
      Früher war das einmal eine recht zuverlässige Methode, da stimme ich natürlich zu.

  11. Stefan sagt:

    Einfach jeden sein lassen wie er/sie möchte und aufhören ignorante Kommentare zu posten ist für Mitmenschen auch sehr gut und kann nicht so schwer sein 😉

  12. DeineMudda1001 sagt:

    …leider ist es in den meisten Fällen aber schwer bis unmöglich. Niemand tut sich doch die resultierenden Diskriminierungen, manchmal Beleidigungen, Nachteile wie soziale Isolation usw. gerne auf Dauer selber an.

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