Startseite Magazin Jahresrückblick: Diese Themen haben Vielflieger 2017 bewegt

Jahresrückblick: Diese Themen haben Vielflieger 2017 bewegt

TITELBILD JAHRESRUECKBLICK

Am vorletzten Tag des Jahres ist es Zeit für einen Rückflug auf 364 Tage voller bewegender Themen: Von der Air Berlin-Insolvenz über den „Muslim-Ban“ bis hin zum skandalträchtigen Rauswurf eines Passagiers bei United Airlines. In einem weiteren Rückblick geht es morgen um die besten Deals und Error Fares des Jahres 2017.

Das sind unsere Top-Themen aus 2017:

Air Berlin stellt Betrieb ein

Eine Deutsche Luftfahrt-Ära ist 2017 zu Ende gegangen: Die zweitgrößte Airline Deutschlands Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz angemeldet – am 27. Oktober landete dann der letzte eigenverantwortlich durchgeführte Flug in Berlin-Tegel. Das Flugzeug kam aus München und trug das Callsign BER4EVR. Easyjet und Lufthansa werden einen Teil der Strecken übernehmen.

Die zweitgrößte Airline der Republik hat turbulente Jahre hinter sich: 1977 hat die Air Berlin USA, ein Unternehmen mit Sitz in den USA, ihren Betrieb aufgenommen. Zunächst flog sie Pauschaltouristen von West-Berlin nach Mallorca, ehe 1991 der damalige LTU-Chef Hunold die Fluggesellschaft übernahm und sie zu einem deutschen Unternehmen machte. In den 2000er-Jahren ging Air Berlin an die Börse und kaufte eine Airline nach der anderen: Niki, dba und die LTU. Die Verschmelzung und vollständige Integration gelang nie vollständig. Dieses Manko gilt als eine der wesentlichen Ursachen dafür, dass Air Berlin wirtschaftlich nie abhob. 2011 holte der damalige CEO Hartmut Mehdorn den langjährigen Investor Etihad an Bord. Doch Etihad drehte am 11. August den Geldhahn ab – es folgte die Insolvenz.

Später meldete auch die Air Berlin-Tochter Niki Insolvenz an, nach dem die Lufthansa ihre Angebote für die Airline aus kartellrechtlichen Gründen zurückgezogen hatte. Die Airline musste unverzüglich ihren Betrieb einstellen, tausende Passagiere saßen fernab der Heimat fest. Andere Airlines halfen mit Rückholangeboten aus.

Ebenfalls insolvent ist Topbonus, das einstige Vielfliegerprogramm von Air Berlin. Das Programm wird allerdings von Etihad am Leben gehalten, das Sammeln und Einlösen Meilen ist eingeschränkt und zu schlechten Konditionen möglich. So ist zum Beispiel Germania neuerdings Topbonus-Partner. Die Statusvorteile für Topbonus-Vielflieger in der Oneworld-Allianz sind jedoch mit dem Ende von Air Berlin verfallen.

EU-Roamingebühren sind Geschichte

Mobilfunkkunden können im EU-Ausland ihr Handy seit Mitte Juni so nutzen, als wären sie zuhause. Für Datennutzung und fürs Telefonieren gibt es keine Extragebühren mehr. Der Grund ist die neue Roamingverordnung, die dieses Jahr das Europäische Parlament passiert hat. Eine Maßnahme, die nicht nur den Verbrauchern Geld sparen soll, sondern auch das Gefühl stärken kann, dass wir in einem vereinten Europa leben. Kein Reisepass mehr bei Grenzübertritt, kein Geldwechsel und jetzt eben auch die sorgenfreie Nutzung des Smartphones über die nationalen Grenzen hinweg.

Trump führt Einreisestopp für Muslime ein

Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat US-Präsident Trump im Februar per Dekret einen Einreisestopp in für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern erlassen. 200 Millionen Menschen durften zunächst für nicht in die USA einreisen, selbst wenn sie im Besitz eines gültiges Visums waren. Die Regelung war zunächst von einem Gericht ausser Kraft gesetzt worden, weil sie Menschen aus anderen Ländern diskriminiert. Mittweile ist eine abgeschwächte Version des Dekrets in Kraft getreten, die eine Einreise unter bestimmten Umständen (z. B. Verwandtschaft in den USA) erlaubt.

Alitalia ist insolvent

Nach langem Ringen hat die italienische Airline Alitalia im Mai 2017 Insolvenz anmelden müssen. Ähnlich wie bei Air Berlin hatte Geldgeber Etihad Airways kurz zuvor den Geldhahn abgedreht. Aktuell wird die Airline mit Finanzhilfen der italienischen Regierung am Leben gehalten. Zwar sind schon Angebote unter anderem von Lufthansa und Easyjet eingegangen – doch man will sich noch mindestens bis ins Frühjahr Zeit 2018 lassen, um über eine mögliche Zerschlagung zu entscheiden.

Ryanair greift Lufthansa an und gerät durch Personalplanung in Turbulenzen

Air Berlin hatte noch nicht einmal Insolvenz angemeldet, da hatte Lufthansa schon zu spüren bekommen, wer ihr künftig Konkurrenz macht: Der Billigflieger Ryanair hat im ersten Halbjahr die Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München in sein Programm aufgenommen. Insgesamt werden Verbindungen zu fast 30 Zielen angeboten. Für Zündstoff hatte gesorgt, dass es Ryanair gelungen war, mit dem Flughafen Frankfurt satte Neukunden-Rabatte auszuhandeln – Konditionen, die besser sind, als die, die die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings erhalten.

In der zweite Jahreshälfte musste Ryanair allerdings tausende Flüge streichen, weil der Billigflieger mit Planungsschwierigkeiten und Personalmangel kämpfen musste. Allein im Winterflugplan fallen 18.000 Flüge weg. Dies soll laut Ryanair die Planungssicherheit für die anderen, weiterhin angesetzten Flüge erhöhen. Zudem hatte es vor wenigen Tagen den ersten Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair gegeben. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte 400 Deutsche Piloten aufgefordert, ihre Arbeit niederzulegen, was allerdings kaum zu Einschränkungen führte.

USA verbieten Laptops im Flugzeug

Die US-Regierung hat im März beschlossen, dass Passagiere die von Dubai, Istanbul oder acht anderen Airports im Nahen Osten in die USA fliegen, keine größeren elektronischen Geräte mit an Bord nehmen dürfen. Der Grund: Geheimdienste hätten herausgefunden, dass Al-Qaida-Terroristen darin Bomben verstecken könnten, die eventuell von den Airport-Sicherheitskontrollen unentdeckt bleiben. Auch eine Ausweitung des „Eleconic Bans“ auf Europäische Airports war diskutiert worden. Seit Juni dürfen Laptops wieder von überall mitgenommen werden; die Airport-Sicherheitskontrollen seien verbessert worden, hieß es.

Qatar Airways führt QSuite ein

Die Golfairline Qatar Airways hat im Frühjahr auf der Internationalen Tourismusbörse ihre neue Business Class vorgestellt, die nun nach und nach eingeführt wird. Diese Meldung klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär, würde die so genannte QSuite nicht völlig neue Maßstäbe setzen.

Die Kabine überzeugt mit verschließbaren und nur nach oben geöffneten Privatsuiten, wie sie in First Class-Kabinen gängig sind. Es ist absehbar, dass andere Airlines nachziehen und sich die Grenzen zwischen First und Business Class weiter vermischen. Dies hat auch die Lufthansa erkannt und eine neue Business Class angekündigt.

Lufthansa erhält von Skytrax 5 Sterne & stellt neue Business Class vor

Lufthansa gehört seit diesem Jahr zu den besten Airlines der Welt. Das zumindest geht aus einer neuen Bewertung der Unternehmensberatung Skytrax hervor. Als die einzige Airline in Europa erhält sie die höchste Auszeichnung 5 Sterne und steht damit in einer Linie mit Airlines wie Emirates, Singapore Airlines und Qatar Airways. Skytrax war für diese Einstufung hart kritisiert worden, da insbesondere das Langstrecken-Business-Produkt als nicht mehr zeitgemäß gilt.

Skytrax hat später offiziell begründet, dass es für die Ankünigung eine neue Business Class einzuführen Vorschusslorbeeren gab. Die neue Klasse bietet mehr Privatspähre und Gangzugang von jedem Platz aus, wird aber erst 2020 eingeführt. Bis dahin sollen ab 2018 schon mal Matratzenaufleger für die Sitze, Pyjamas und gefütterte Bettdecken angeboten werden.

Bahn bietet kostenloses Internet im ICE

Die Deutsche Bahn hat zu Beginn des Jahres kostenfreies W-Lan in ihren ICE-Zügen eingeführt – auch in der 2. Klasse. Damit reagierte der staatseigene Konzern auf die neue Konkurrenz der Fernbusse, in denen eine freie Internetverbindung als selbstverständlich gilt. Bislang war der Internetzugang nur über einen kostenpflichtigen Hotspot der Telekom möglich. Das neue Angebot wird in der 2. Klasse nach 200 Megabyte gedrosselt.

United lässt Passagier aus Flugzeug zerren

Einen regelrechten Shitstorm hatte sich dieses Jahr die US-Fluggesellschaft United Airlines eingehandelt, nachdem sie einen Passagier aus einem Flugzeug zerren lies. Weil sich niemand gefunden hatte, der die überbuchte Maschine freiwillig verlassen wollte, wurde ein 69-Jähriger von Polizisten gewaltsam aus der Maschine entfernt.

Die Aktie verlor nach dem Vorfall über fünf Prozent und die Airline handelte sich dadurch ein PR-Desaster ein. United Airlines kündigte Konsequenzen an.

Ausblick

Was wird uns 2018 bewegen? Wir werfen einen Blick in die Zukunft:

Miles&More + Flying Blue werden 2018 umsatzabhängig

Zwei der größten Vielfliegerprogramme der Welt, Miles&More (von Lufthansa, Austrian, Swiss und weiteren Partnern) sowie Flying Blue (von KLM & Air France) werden 2018 umsatzbasiert. Das bedeutet: Wie viele Prämienmeilen Reisende bekommen, hängt davon ab wie viel Geld das Ticket kostet. Bislang waren die Flugstrecke und die Buchungsklasse ausschlaggebend.

Künftig werden bei Miles&More pro Euro (reiner Flugpreis und Gebühren, aber keine Steuern) zwischen vier und sechs Prämienmeilen gutgeschrieben, je nach Vielfliegerstatus. Bei Flying Blue gibt es vier bis acht Meilen pro Euro. Die Vergabe von Statusmeilen bleibt bei Miles&More gleich, beim Programm von KLM und Air France werden so genante Experience Points eingeführt, deren Gutschrift von Flugstrecke und Serviceklasse abhängt.

So geht es nach der Air Berlin-Pleite weiter

Die britische Billigairline Easyjet hat 25 Flugzeuge des Typs A320 von Air Berlin übernommen und wird damit am 5. Januar in Berlin eine Basis eröffnen. Wöchentlich sind 250 Verbindungen von der Hauptstadt nach Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart geplant. Zudem will Easyjet 15 internationale Strecken anbieten, etwa nach Mallorca. Dabei handelt es sich um typische Air Berlin-Routen.

Der Lufthansa bleibt die Air Berlin-Tochter LGW mit 20 Flugzeugen, die schon jetzt überwiegend Flüge für Eurowings durchführt. Die geplante Übernahme der Air Berlin-Tochter Niki war hingegen aus Kartellgründen gescheitert. Die österreichische Airline hat derweil einen anderen Käufer gefunden: Das spanische Unternehmen IAG, zu dem unter anderem British Airways und Iberia gehören. Insgesamt sollen 15 Flugzeuge von Niki in die Billigfluggesellschaft Vueling integriert werden. Zudem übernimmt man die Slots an einigen Flughäfen und 700 der 1.000 Mitarbeiter.

Immer mehr Nur-Handgepäck-Tarife – ab 2018 auch SkyTeam

Immer mehr Airlines führen günstige Basic-Tarife ein, die kein Aufgabegepäck mehr enthalten. Und davon sind längst nicht mehr nur Billigflieger auf Kurzstrecken betroffen. So hatte Lufthansa im Herbst einen Langstreckentarif eingeführt, der nur noch ein Handgepäckstück enthält. Allerdings gilt dieser Tarif nur mit Abflug von Skandinavien. Zu ähnlichen Maßnahmen griffen in den letzten Monaten auch andere Airlines. So ist auch bei Icelandair das Aufgabegepäckstück nur noch gegen Aufpreis buchbar und selbst Golfcarrier wie Etihad experimentieren mit entsprechenden Regeln. Neustes trauriges Beispiel die Ankündigung der SkyTeam-Airlines KLM, Air France und Delta, ab 10. April 2018 auf Nordamerika-Interkontinentalrouten 50€ Aufpreis für ein Aufgabegepäckstück pro Strecke zu verlangen. Der Grund für diese Maßnahmen ist offensichtlich: Die Airlines wollen gegen aufkommende Langstrecken-Billigflieger wie WOWair, Norwegian und Eurowings konkurrenzfähig bleiben.

In eigener Sache: Der Wochenrückblick macht Pause

Nach 79 Ausgaben wird unser Wochenrückblick 2018 erst einmal eine Pause einlegen. Stattdessen werden wir regelmäßiger über aktuellen Themen in unserer News-Kategorie berichten und unsere Energie in den Travel-Dealz Podcast stecken. Eine Rückkehr des Wochenrückblicks, wenn auch in einer anderen Form, ist aber nicht ausgeschlossen!

Morgen gibt es aber doch nochmal einen Rückblick – und zwar blicken wir auf die besten Dealz und Error Fares des Jahres 2017 zurück. Seid gespannt!

Adrian

Eigentlich von Beruf Radioredakteur. Seit ein paar Jahren regelmäßig in der Luft und auf der Schiene unterwegs. Seither durchforste ich täglich das Netz nach den besten Reiseschnäppchen. Ein Spezialgebiet von mir: Bahnreisen. Seit Juni 2017 bin ich im Team von Travel-Dealz. Ich freu mich über Mails an adrian@travel-dealz.de
Schreibe einen Kommentar

Kommentare (2)

  1. Vielen Herzlichen Dank für die tolle Arbeit dir ihr da leistet. Es macht wirklich Spass eure E-Mails sowie Website zu durchstöbern. Den Wochenrückblick werde ich definitiv vermissen!

    Antwort

  2. Danke für eure Arbeit! Ich schaue immer wieder gerne hier rein, weil man bei euch den Eindruck hat, dass nicht der kommerzielle Gedanke im Vordergrund steht, sondern der Spass an der Sache. Ihr listet nicht endlos Pseudo-Schnäppchen, wie andere Reiseblogs, sondern veröffentlicht eine sinnvolle Essenz. Den Wochenrückblick habe ich immer wieder gerne gelesen und den Travel-Dealz Podcast finde ich auch super! Grüße in meine Studienstadt, guten Rutsch und macht weiter so!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.