Startseite Magazin News Letzten Flug verfallen lassen: Lufthansa fordert 2.100€ und verliert vor Gericht

Letzten Flug verfallen lassen: Lufthansa fordert 2.100€ und verliert vor Gericht

Lufthansa Airbus A320

Wer preiswert mit Lufthansa verreisen möchte, ist gut beraten, seinen Abflugort ins Ausland zu verlegen. Umsteigeverbindungen zum Beispiel mit Abflug von Skandinavien, Amsterdam und Mailand sind meist günstiger als der direkte Weg von Deutschland. Während auf dem Hinweg auf jeden Fall der Umweg über das Ausland gemacht werden muss, lassen Schnäppchenjäger das letzte Segment – zum Beispiel von Frankfurt nach Oslo – gerne verfallen. Das ist der Lufthansa ein Dorn im Auge und sie hat nun gegen einen Passagier geklagt. Ohne Erfolg.

Update

Lufthansa ist Anfang Februar gegen das Urteil des Amtsgerichtes in Berufung gegangen. Bisher gibt es aber noch keine Details zu den Gründen für die Berufung. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Die Beförderungsbedingungen der Lufthansa sind eigentlich eindeutig. Wer Flüge bucht, muss alle Segmente genau so abfliegen wie gebucht:

Sofern Sie sich für einen Tarif entschieden haben, der die Einhaltung einer festen Flugscheinreihenfolge vorsieht, beachten Sie bitte: wird die Beförderung nicht auf allen oder nicht in der im Flugschein angegebenen Reihenfolge der einzelnen Teilstrecken bei ansonsten unveränderten Reisedaten angetreten, werden wir den Flugpreis entsprechend Ihrer geänderten Streckenführung nachkalkulieren. Dabei wird der Flugpreis ermittelt, den Sie in Ihrer Preisgruppe am Tag Ihrer Buchung für Ihre tatsächliche Streckenführung zu entrichten gehabt hätten.

Doch ist diese Klausel auch wirksam? Dazu gab es jetzt eine Entscheidung.

Passagier lässt sich auf Gerichtsverhandlung mit Lufthansa ein

Der Passagier war mit der von der Lufthansa geforderten Nachforderung in Höhe von 2.100€ jedoch nicht einverstanden und suchte Rat bei der Anwaltskanzlei Franz LLP. Wie im Bericht auf der Kanzlei-Website geschildert, hatte der Mann eine Reise mit der Lufthansa von Oslo über Frankfurt nach Nordamerika (und ebenso zurück) gebucht. Auf dem Hinweg reiste er nach Oslo an, auf dem Rückweg brach er seine Reise jedoch in Frankfurt ab und flog – auf einer separaten Lufthansa-Buchung – weiter nach Berlin. Hin- und Rückflug nach Skandinavien – und ein passender Weiterflug von Frankfurt nach Berlin? Das sah die Lufthansa wohl als Beleg, dass jemand gegen die Geschäftsbedingungen verstößt und wollte vom Fluggast tatsächlich Schadenersatz sehen. Beide Parteien sahen sich vor Gericht wieder. 

Info

Auch im Vielfliegertreff gibt es über dieses Thema eine angeregte Diskussion. 

Nachdem das Gericht in der mündlichen Verhandlung eine grobe Tendenz bekannt gab, die nicht zu Gunsten der Lufthansa ausfiel, wollte die Airline die Klage zurücknehmen. Doch damit gab sich der Passagier nicht zufrieden: Das Gericht fällte ein Urteil und erklärte die Beförderungsbedingungen für teilweise unwirksam. Der Passagier muss nicht zahlen. 

Urteil noch nicht rechtskräftig

Zwar handelt es sich nur um das Urteil eines Amtsgerichts und hat damit keine faktische Auswirkung auf andere Gerichte. Die Entscheidung ist auch noch nicht rechtskräftig, die Lufthansa kann in Berufung gehen! Nach Aussage des Rechtsanwaltes Matthias Böse ist dies aber eher unwahrscheinlich, da die AGB massive Mängel aufweisen. Im Travel-Dealz-Interview sagte er: „Durch die aktuelle Entscheidung wurde geklärt, dass unter den bisherigen Beförderungsbedingungen Passagiere zumindest Flüge am Ende eines Tickets sanktionslos verfallen lassen können.“.

Titelbild: CC0-Lizenz/Pixabay-User IppikiOokami

Adrian

Eigentlich von Beruf Radioredakteur. Seit ein paar Jahren regelmäßig in der Luft und auf der Schiene unterwegs. Seither durchforste ich täglich das Netz nach den besten Reiseschnäppchen. Ein Spezialgebiet von mir: Bahnreisen. Seit Juni 2017 bin ich im Team von Travel-Dealz. Ich freu mich über Mails an adrian@travel-dealz.de
Schreibe einen Kommentar

Kommentare (29)

  1. Ich bin in diesem Jahr in den Sommerferien mit Frau und Sohn in der Business nach Orlando geflgen. Ab Frankfurt sollte dieses mit der LH 9100€ kosten. Ab Amsterdam knapp 5400,–€ !! Also, ab Amsterdam geflogen, und auf dem Ruckflug am Check in Orlando den Flug Frankfurt-Amsterdam storniert. Unglaublich wo dieser Preisunterschied herkommt.

    Antwort

    • Lufthansa fliegt nicht AMS-MCO. Mit welcher Airline sind Sie geflogen? Ich vermute KLM. So erklärt sich wohl die Differenz 😀 Unterschiedliche Airlines, unterschiedliches Produkt fürt des öffteren zu unterschiedlichen Tarifen 😉 Wieso kosten Whopper und Big Mac nicht gleich viel(wenig)?

      Antwort

  2. Servus,
    Vor ca. 12 Jahren hatte ich n Flug, von MUC-Madrid nach Santiago/Chile nach B´s A´s. der günstiger war als direkt Buenos Aires, gebucht. Hatte in Madrid gefragt ob ich in Chile auchecken kann, (wegen Gepäck) aber den Rückflug schon von B´s A´s antreten will da ich da ne Rundreise machte. Ging zu der Zeit ohne Probleme und die Damen am Schalter bedankten sich noch für das Bescheid geben..

    Antwort

  3. Wie löst man das Problem mit dem Aufgabegepäck? Beim Checkin kann ich doch schlecht sagen, dass das Gepäck nur einen Teil der Strecke fliegt? Damit fliegt die Strategie doch bei Reiseantritt auf?

    Antwort

    • Gepäck reist in der Regel nicht ohne Passagier im gleichen Flugzeug, wird also ausgeladen. Im Übrigen hilft eine Buchung mit langem Aufenthalt beim Umstieg (oft auch über Nacht machbar) auf der Rückreise, um das Gepäck eher zu erhalten

      Antwort

  4. Ich finde den Artikel sehr seltsam.

    Ich praktiziere diese Vorgehensweise nun schon viele Jahre. Ich fliege fast immer von CPH aus in die USA. Auf dem Rückweg steige ich IMMER in Frankfurt aus und lasse die Segmente FRA – CPH – HAM verfallen und buche mir ein seperates Ticket von FRA – HAM.

    Ich habe niemals Probleme damit gehabt.

    Antwort

  5. ….das ganze Thema ist doch eigentlich absurd.
    1. Flug Frankfurt-Oslo-Frankfurt-USA ist preiswerter als Frankfurt-USA (und Return).
    2. Eine Fluggesellschaft erhebt Klage da sie weniger leisten muss – der Empfänger verzichtet aufzusätzliche Leistung.
    3. Die gleiche Flugesellschaft überbrücht die Flüge… Ergo mit großer Warscheinlichkeit, bleibt der Platz von Frankfurt nach Oslo nicht leer, sondern wird einem Gast auf der Warteliste gegeben.

    …ich fliege nächste Woche auch in die USA… über Oslo…. und nutze so auch den absurden Preisvorteil… aber mit SAS 😂😂😂

    Lieben Travel-Dealz Team, Danke das Ihr uns immer über die tollen Möglichkeiten informiert „preiswert“ Business class Tickets zu bekommen.

    Antwort

  6. Das Problem könnte seitens LH dadurch gelöst werden, indem das Gepäck grundsätzlich bis zum letzten Zielort durchgecheckt wird. Es gibt meines Wissens keinen Rechtsanspruch auf Aushändigung vor dem letzten Leg.
    Da hilft auch das Urteil nichts. Hat sich das bei aller Euphorie schon mal jemand überlegt ?

    Antwort

  7. Hab LH bei der Staatsanwaltschaft wegen schwerem gewerbsmäßigen Betrug Anzeige eingebracht. Mit Anwalt. Flug konnte nicht angetreten werden, selbes Desaster mit Falschauskunft wegen „nicht stornierbar“. Danach gings doch, jedoch Ticketpreis nicht zurückbekommen. Flug war nachweislich überbucht – trotzdem gab man das Geld nicht raus.

    Staatsanwaltschaft Graz: Das ist übliches Vorkehen, Anzeige abgeblitzt. Also kann man erlaubterweise 250 Tickets einkassieren bei nur 220 verfügbaren Sitzen.

    Antwort

  8. Wenn alle Flugvereine nicht immer so komische Auslands Kalkulationen machen würden, bräuchten Sie auch nicht Klagen. 😉

    Antwort

  9. Airlines ernten, was sie selbst säen. Da Flugpreise, allen voran LH, nur selten noch auf einer Kostenkalkulation beruhen, fordert das Kunden und Gerichte zu Antworten auf. Die Machenschaften der Airlines dürfen nicht einfach so hingenommen werden.
    Hier sind Justiz und Regulierungsbehörden gefordert.

    Antwort

    • Hr Dr. U.Finke

      Mit Machenschaften ??
      Es ist einfach Marktwirtschaft – man gräbt mit etwas günstigeren Preis dem Wettbewerber auf dessen Haimat Markt ab.

      Das füllt Flieger trägt zur Fixkosten Degression bei wenn gleich nicht selbe Gewinn Spanne wie beim direktem Start im Heimatland.

      Auch mit nicht stornierbaren Tickets! Es wird ja eine Alternative angeboten !

      Auch die Einhaltung der Reihenfolge … Es gibt Alternativen

      Was nicht geht ist bei Verzicht einer Teilleistung eine Nachberechnung zu stellen.

      Antwort

  10. Bestelle ich in einem Restaurant ein 5-gängiges Menü und esse am Ende das Dessert nicht, so kalkuliert der Wirt nicht neu ! Hab‘ ja bezahlt dafür. Auch die Reihenfolge, wie ich mit dem Essen beginne, ist ihm vermutlich egal — kann mit Gang 3 anfangen, dann Gang 1, dann Gang 4…usw.
    So sollte es doch auch bei den Airline-Tickets sein! Die Segmente sind bezahlt, also ist Reihenfolge der Benützung wurst.

    Antwort

  11. Wir haben das auch mal eine Zeitlang auf der Nordamerika-Route mit Abflug Oslo via FRA oder MUC praktiziert weil die Businessklass dann über 50% günstiger war (und auch immer noch ist). Das Gepäck ist problemlos am Check-In nur für eine Teilstrecke möglich (um die Frage aus dem ersten vorherigen Kommentar zu beantworten). Nach dem dritten Mal haben wir einen Brief von der LH erhalten sollten wir dies nochmal praktizieren und das letzte Segment der Strecke verfallen lassen wird uns der Ticketpreis ex Deutschland nachbelastet.

    Antwort

  12. Wie löst man das Problem mit dem Aufgabegepäck? Beim Checkin kann ich doch schlecht sagen, dass das Gepäck nur einen Teil der Strecke fliegt? Damit fliegt die Strategie doch bei Reiseantritt auf?

    Antwort

  13. @ Andy … Naja, Nichtjuristen und juristische Begriffe und Einschätzungen, es bleibt schwierig. Ich hoffe sogar auf eine Berufung u anschließende Revisionszulassung. Denn die spannende Frage ist ja, warum eine Sache teurer werden soll, wenn ich weniger davon in Anspruch nehme. Schon sehr überraschend, so etwas. Zumal Steuern u Gebühren, also das, was die LH durchreichen muss, in jedem Ticket mitbezahlt sind

    Antwort

    • Richtiger Punkt. Wenn die einem doof kommen, direkt in die Gegenforderung gehen und Steuerund Gebühren für die Teilstrecke zurückverlangen.

      Antwort

  14. Die haben so allerlei Unsinn in deren AGB drinstehen. In meinem Fall mit der Swiss (gehört zu LH) habe ich einen Flug ca. eine Woche vor Abflug storniert, was schon schwer genug war, weil die keine Adresse rausrücken wollten. Dann beriefen sie sich auf das gängige Blabla mit „nicht-stornierbarem“ Ticket etc. Ich wollte nur Steuern- und Gebühren zurück, Ticketpreis nicht. Null Einsicht, obwohl Rechtslage ziemlich eindeutig ist. Also vors Gericht und dann auch den Ticketpreis verlangt. Nach über einem Jahr zum größten Teil Recht bekommen: Steuern und Gebühren komplett zurück, Ticketpreis nicht, da Airline nachweisen konnte, dass der Sitz nicht anderweitig verkauft werden konnte.
    Ein derartiges Geschäftsgebahren ist widerlich, aber die sind da unbelehrbar.

    Antwort

  15. Da ich meinen Wohnsitz in der Schweiz habe, so praktiziere ich dies in der Tat, d.h. z.B. MXP-ZRH-NRT-ZRH. Bis jetzt gab es kein Claims oder Diskussionen. Schliesslich verzichte ich als Kunde ja auf eine bezahlte Teilleistung.

    Antwort

    • Wohne in der Schweiz und hatte bis dato noch NIE Probleme . Reise halt nur mit Handgepäck und in ZRH melde ich mich am Ticketschalter und lasse den letzten Flug offiziell annullieren.
      So bin ich kein „No Show“ und die Airline ist froh um den freien Platz . Auf jeden Fall bedankt man sich meistens , denn dies sei legitim — ich ja hätte für etwas bezahlt, das ich nicht in Anspruch nehme .

      Antwort

  16. Interessant hierbei, dass die Konzern-Airlines Swiss und Austrian eine so genannte No Show-Gebühren nacherheben, wenn man den letzten Leg verfallen lässt… waren bei einem Rundflug Wien-Shanghai-Frankfurt-Wien € 190 je Passsagier (fällt NICHT an, wenn der letzte Leg auf LH-Fluggerät, nicht LH-Codeshare-Flugnummer!, gebucht ist). Auch die Korean macht so was, da können es leicht mal 400 Euro sein, wenn man einen Flug nicht antritt…

    Antwort

  17. @Andy:
    Das gab es sicher schon einmal, § 566 ZPO. Ist aber in der Tat sehr selten.
    Wahrscheinlicher wäre wohl die Berufung.

    Antwort

  18. Währe spannend wenn die Lufthansa in Revision ginge…

    Sie würde dann wohl Rechtsgeschichte schreiben: als erste Partei die am Amtsgericht in Revision geht.

    Aber schön, dass der RA dies für „eher unwahrscheinlich“ hält (insofern er richtig wiedergegeben wurde)

    Antwort

  19. Klassiches clickbaiting.
    Das ist ein Amtsgericht – das hat überhaupt keine Relevanz!

    Antwort

    • Gar keine Relevanz?

      Aus der Artikel: “Die Entscheidung ist auch noch nicht rechtskräftig (Stand: 10.12.2018). Die Richtung ist aber klar vorgegeben: Die damals zum Einsatz kommenden allgemeinen Beförderungsbedingungen erlauben in vergleichbaren Konstellationen keine Nachberechnung, falls der Passagier das letzte Segment oder mehrere Segmente am Ende eines Tickets verfallen lässt. Sogenannte „Schwanzflüge“ für günstigere Tickets sollten damit kein Problem mehr darstellen.“

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Hinweis: Sollte dein Kommentar nicht umgehend auf der Seite erscheinen, muss es zuerst von einem Moderator freigegeben werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn du zum ersten Mal bei uns kommentierst.