Erfahrungsbericht: US Border Preclearance in Dublin

White House in Washington D.C., USA

Jeder, der regelmäßig in die Vereinigten Staaten von Amerika reist, ist bestens mit ihnen vertraut: Warteschlangen. Sie bilden sich vor den Männern und Frauen mit schicken Uniformen und strengem Blick hinter den Einwanderungsschaltern. Besonders an international stark frequentierten Flughäfen wie New York, Los Angeles oder Miami rauben sie einem jede Menge Zeit, bevor man endlich amerikanischen Boden unter den Füßen hat.

Um diesen zeitaufwändigen Prozess zu vereinfachen, hat die US-Regierung sogenannte border preclearance Einrichtungen in drei Städten außerhalb von Nord- und Südamerika eröffnet: Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Dublin und Shannon in der Republik Irland.

Was dort passiert, kann in wenigen Worten zusammengefasst werden – ihr reist bereits am Abflugort in die USA ein und euer ankommender Flug wird dort wie ein Inlandsflug abgefertigt. Unsere Redakteure Adrian, Patrick, Peer und Felix haben diese Erfahrung kürzlich auf einem Flug von Dublin zum Newark Liberty Airport gemacht.

US Border Preclearance am Flughafen Dublin

Zunächst muss man feststellen, dass man keine Wahl hat, sondern es verpflichtend ist, die US border preclearance in Dublin zu passieren. Alle Passagiere, die in die USA fliegen, müssen bereits in Dublin einreisen, egal woher sie kommen oder mit welcher Airline sie fliegen. Da alle Flüge von Dublin zu US Flughäfen von Terminal 2 starten, beginnt eure Reise dort.

Checkt ein, passiert die Security and folgt den Schildern

Nachdem ihr eingecheckt habt, passiert ihr ganz normal die Flughafen Security. Danach könnt ihr nach den vielen Schildern Ausschau halten, die euch den Weg zur Preclearance-Einrichtung weisen. Oder ihr folgt einfach dem Duft nach Freiheit und Fried Chicken. Falls ihr eine Lounge eurer Wahl besuchen oder ausgiebig Duty Free shoppen wollt, müsst ihr dies tun bevor ihr in die Vereinigten Staaten einreist.

Info

Auch wenn ihr die US border preclearance nutzt – ihr braucht auch hier eine ESTA oder ein Visum. Vergesst nicht, euch rechtzeitig darum zu kümmern!

Passiert den TSA-Check und die Grenzbeamten

Die meisten Bereiche von Terminal 2 befinden sich im oberen Stockwerk des Terminalgebäudes. Die US-preclearance-Einrichtung und die nachfolgenden Gates befinden sich hingegen im Erdgeschoss. Ihr Eingang ist einfach zu finden, es ist eine nach unten führende Rolltreppe, die von einer beeindruckenden Anzahl an US-Flaggen umzingelt ist. Am Ende der Rolltreppe wartet eine weitere Sicherheitskontrolle auf euch, dieses Mal durchgeführt von der amerikanischen TSA (US Transport Security Administration). TSA Pre-Check ist in Dublin nicht verfügbar.

Danach folgt ein großer Raum mit dem bekannten Schaltern, die von US immigration officers besetzt sind. Es gibt drei Wartereihen – eine für amerikanische Staatsbürger, eine für alle anderen Nationalitäten und eine dritte, die zu einer Reihe von US Global Entry Kiosks führt. Hier bekommt ihr die üblichen Fragen, etwa zu Dauer und Grund eurer Reise gestellt. Anschließend bekommt ihr den Einreisestempel in euren Pass. Glückwunsch, ihr seid nun im Land der Freien und der Heimat der Mutigen! Anschließend gelangt ihr in den Wartebereich für Flüge nach Amerika. Hier findet ihr mehrere Gates, Toiletten, kleinere Läden, eine Bar/Restaurant Kombi und die 51st and Green Lounge.

Diese Lounge ist für Business Class Passagiere vorbehalten, die keine Gäste mitbringen dürfen. Wenn ihr eine Lounge mit eurem Status oder Priority Pass besuchen möchtet, müsst ihr dies tun bevor ihr in die USA einreist. Die einzige Ausnahme besteht für Oneworld Sapphire oder Emerald Mitglieder, die auf einem Oneworld-Flug unterwegs sind.

Die Abflugzeit spielt eine große Rolle

Wenn ihr bei Google die englische Frage „How much extra time does US border preclearance take?“, also „Wieviel zusätzliche Zeit nimmt die US border preclearance in Anspruch“ bekommt man die Antwort „Zwischen zwei Minuten und zwei Stunden“. Das ist genauso wahr wie beeindruckend unhilfreich. Während auch wir keine bessere Antwort geben können, kann eure Abflugzeit ein wichtiger Hinweis sein. Wenn ihr eine ziemlich isolierte Flugzeit habt, wie Uniteds 9:00 Uhr Flug nach Newark, müssen die Beamten lediglich die Passagiere einer Maschine (etwa 300 Leute) abfertigen. Dann geht die Einreise recht schnell (in unserem Fall etwa 20 Minuten). Das Gleiche wird für Flüge nach 13:00 Uhr gelten.

Startet euer Flug jedoch um 11:00 Uhr, wenn die meisten Aer-Lingus-Flieger für ihren Trip über den Atlantik aufbrechen, schnellen die Wartezeiten nach oben. Noch unangenehmer wird dies dadurch, dass der verhältnismäßig kleine Bereich für US-Abflüge dann ziemlich schnell überfüllt sein kann.

Zusammenfassung

Hier nochmal eine kurze Beschreibung, wie die US Border Preclearance in Dublin Schritt-für-Schritt abläuft:

  1. Check-in in Terminal 2.
  2. Reguläre Sicherheitskontrolle.
  3. JETZT ist der Zeitpunkt für intensives Duty Free Shopping oder einen statusbasierten Lounge-Besuch.
  4. Geht zur US border preclearance.
  5. TSA Sicherheitskontrolle.
  6. Einreise in die USA.
  7. Wartet auf eurem Abflug in einem gesonderten Bereich des Terminals.
  8. Erreicht die USA wie mit einem Inlandsflug.

Die Vorteile von US Border Preclearance

Die Vorteile des US border preclearance program sind großartig – solange euer Flug in einem genannten Zeitfenster startet. Nach eurer Ankunft könnt ihr den Flughafen so schnell verlassen wie ihr wollt (vorausgesetzt, euer Gepäck kommt rechtzeitig an). Bei uns lief alles reibungslos – keine 90 Minuten nach dem Touchdown in Newark standen wir am Fuße des One World Trade Centers in Manhattan.

Selbst wenn ihr nicht direkt an eurem Zielflughafen ankommt, erhöht ihr eure Chancen, euren Anschlussflug zu bekommen, ganz enorm. Das macht es zu einer interessanten Option, eure USA-Flüge bewusst über Dublin zu routen – vorausgesetzt, der Preis stimmt.

Weitere US Border Preclearance Flughäfen

Derzeit gibt es 15 US Border Preclearance Einrichtungen in 6 Ländern:

  • Aruba
  • Bahamas
    • Freeport
    • Nassau
  • Bermuda
  • Kanada
    • Calgary
    • Edmonton
    • Halifax
    • Montreal
    • Ottawa
    • Toronto-Pearson
    • Vancouver
    • Victoria
    • Winnipeg
  • Irland
    • Dublin
    • Shannon
  • U.A.E.
    • Abu Dhabi
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Kommentare (14)

  1. Peter B. sagt:

    Das war vielleicht beim alten Esra-System mit Schalter anstehen noch ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen europ. Flughafen. Mit dem APC habe ich bei meinen letzten ca. 10 Einreisen (u.a. JFK, LAX, MIA, PHX) nie mehr als 15 Minuten gehabt. Teilweise weniger als 5.

    • Peer sagt:

      Meistens geht es mit ESTA wirklich schnell. Aber wenn man einmal Pech hat und z.B. ein X auf dem Beleg, muss man halt doch wieder bis zu eine Stunde anstehen.

  2. Helmut sagt:

    Ich habe die Pre-clearance 2x in Shannon gemacht, allerdings weil ich es mit Kundenbesuchen in Limerick verknüpft habe. Als Umsteigeflughafen leider nicht geeignet, da kaum Direktflüge vom Kontinent. Über SNN fliegen viele GIs mit Chartermaschinen von/nach Nahost, deswegen wohl hier die Pre-clearance. Ablauf war problemlos wie von euch beschrieben. Die einzige Lounge (One World/BA) ist direkt vor dem Wartebereich. Die Pre-clearance öffnet ca. 2 h vor Abflug. Beim Check-in wurde das aufgegebene Gepäck gefilmt. Dies muss man beim Security Check nochmals bestätigen. Ich wurde beim Interview gefragt warum ich als Deutscher über Irland fliege. Habe darauf hin meine Hotelbuchung von IRL gezeigt, hatte ich damals noch in Papierform dabei.

  3. Rene sagt:

    Bin 1x über Vancouver , 1x über Toronto und 1x ab Nassau eingereist. Super System….könnte man locker auf zusätzliche Airports in Mittel-Europa ausdehnen !

  4. Sascha sagt:

    Vielen Dank für den Report. Persönlich empfinde ich es als angenehmer nach dem Umsteigen den relativ kürzeren Flug zu haben, so dass ich Gleiches einige Male über die kanadischen Flughäfen gemacht habe. Dort funktionierte die Pre-Clearance stets problemlos und ohne Warteschlangen. Einreise nach Kanada war dabei nicht erforderlich. Man geht direkt vom internationalen ins US-Terminal.

    • Peer sagt:

      Wenn man Global Entry hat, sind Flüge über Kanada m.E. eher störend als vorteilhaft, da es keine TSA-pre-Kontrolle gibt. Für den „Normalo“ passt es aufgrund der kürzeren Wartezeiten natürlich gut.

  5. Michel sagt:

    MUC sollte sich auch darum bewerben. Dann hätte man einen riesigen Wettbewerbsvorteil gegenüber FRA

  6. Dani sagt:

    Ich bin vor 2 Jahren mit meiner Freundin in Dublin in die USA eingereist (wir sind beide Schweizer).
    Meine Freundin hatte am Schalter 2 Minuten. Ich hatte über 30 Minuten. Der Officer war der Meinung, dass es „Switzerland“ nicht gibt. Kein Scherz. Er hat es nicht mal bei sich im Computer gefunden. Keine Ahnung was der gemacht hat. Nach einer langen mühsamen Diskussion und dem Beizug von zwei weiteren Beamten durfte ich dann durch. Ich musste tatsächlich auch die Frage beantwortet, ob ich nicht doch aus Schweden oder Swaziland komme. Ich traute mich nicht laut loszulachen.
    Die Ankunft in den USA war dafür der absolute Hammer. Aus dem Flieger raus, Gepäck holen und direkt in den Mietwagen. So ein „Inlandsflug“ ist schon sehr bequem.

  7. Jan sagt:

    Habt ihr Erfahrung mit den Schlangen vor den Global Entry Automaten?

    • Peer sagt:

      Meinst du die in Dublin oder generell in den USA?

      • Jan sagt:

        In Dublin, in JFK war ich in 3 Minuten durch.

        • Peer sagt:

          Zu unserem Abflug war in Dublin überhaupt nichts los. Keine Schlange an den GE-Automaten, auch keine beim Officer. Allerdings fragte der Officer jeden nochmal kurz aus – was mit GE ja eigentlich unüblich ist.

          Insgesamt ca. 5min von den GE-Automaten bis zum Gatebereich. Zuvor allerdings etwas Wartezeit an der 2. Sicherheitskontrolle – TSA pre gibt es dort nämlich nicht.

      • Patrick sagt:

        Also wenn ich mit meiner Verlobten von Europa nach Mexiko über die USA fliegen. Haben wir in den USA nie eine Schlange gehabt, in der Regel sind wir mit GE vom Flugzeug zum Gepäck in nur 10-15 min.

        • Peer sagt:

          Ja, länger steht man selten. Mit dem alten System (Passport-Scan am Automaten) ging es aber meist noch schneller – jetzt bildet sich gern mal eine 10min-Schlange beim Officer, der das Global-Entry-Receipt einsammelt.

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