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Jun

Der #2 Reise-Wochenrückblick: Reisen nach dem Brexit & Eurowings lässt Hälfte der Passagiere stehen

London, Großbritannien

Der zweite Reise-Wochenrückblick von Travel-Dealz: Die Briten wollen die EU verlassen! Das Thema ist allgegenwärtig und passend dazu das Titelbild mit dem Sonnenuntergang über der Themse. Doch was wird sich bei Reisen nach Großbritannien ändern und wie geht es weiter mit Easyjet, die als britischen Fluggesellschaften auch viele Flüge ohne Berührungspunkt mit Großbritannien anbieten?

Außerdem verzeichnet der Flughafen Friedrichshafen die zweite Airlinepleite innerhalb von 8 Monaten und warum Eurowings auf einem Flug die Hälfte der Passagiere in Düsseldorf stehen lässt.

Reisen nach dem Brexit?

Nun ist es also Realität geworden: Die Briten treten aus der EU aus. Doch was bedeutet das für Reisende und auch für die britischen Fluggesellschaften?

Aero.de nimmt das Thema Europas Airlines am Morgen nach dem Brexit auf: Als EU-Airline profitierte vor allem Easyjet von der „European Common Aviation Area“ (ECAA). Sie erlaubt allen Airlines im gemeinsamen Luftfahrtmarkt, beliebige Strecken quer durch Europa anzubieten. Im schlimmsten Fall könnt Easyjet aber auf ihren Flugbetrieb easyJet Switzerland in der Schweiz zurückgreifen und so den Zugang zum liberalen  EU-Luftfahrtmarkt sicherstellen.

Doch was wird sich für Reisende ändern? Am Schengener Abkommen nimmt Großbritannien derzeit nur sehr eingeschränkt teil. Für die Einreise benötigt man als EU-Bürger mindestens seinen Personalausweis. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern. Sollte Großbritannien auch die nur eingeschränkte Teilnahme bei der justizlichen und polizeilichen Zusammenarbeit aufgeben, könnte die Einreise als EU-Bürger nach Großbritannien deutlich länger dauern als bisher.

Interessanter könnte es bei den strengen Fluggastrechten der EU werden. Nach einem Austritt würden diese zum Teil eingeschränkt werden. Würden diese komplett abgeschafft, so würden man zwar bei einer Verspätung oder Annullierung auf einem Flug mit British Airways nach Großbritannien weiterhin Ansprüche nach der Verordnung (EG) 261/2004 geltend machen können, auf Flüge ab Großbritannien aber nicht mehr. Denkbar ist aber, dass Großbritannien genau wie die Schweiz, Norwegen oder Irland, die Verordnung unterzeichnen. Wird diese aber nicht, wie in der Schweiz, in nationales Recht umgesetzt, könnte interpretiert werden, dass sie nur zwischen EU-Ländern und Großbritannien gilt. So könnten Ansprüche auf Flügen von Großbritannien in Drittstaaten zurückgewiesen werden. Dass die Fluggastrechte noch einmal in der jetzigen Form umgesetzt werden würden, halte ich für unwahrscheinlich. Das wüssten die britischen Fluggesellschaft sicherlich zu verhindern wissen.

Ab dem 15. Juni 2017 kann man in der gesamten EU mit seiner SIM-Karte zum selben Preis wie im Inland telefonieren, SMS versenden oder sein Datenvolumen nutzen. Für die Briten wird das wahrscheinlich ein kurzes Vergnügen werden, wenn alle vertraglichen Beziehungen in zwei Jahren aufgelöst werden. Wie die deutschen Mobilfunkprovider darauf reagieren werden, bleibt unklar. Viele Anbieter erlauben jetzt schon seine Flatrate in der Schweiz oder Norwegen zu nutzen. Ich vermute, auch Großbritannien wird darunter fallen.

VLM stellt alle Flüge ein

Regionalfluggesellschaften haben es in den letzten Jahren sehr schwer. Das gleiche gilt für Flughäfen, die auf Regionalfluggesellschaften angewiesen sind. Am Mittwoch stellte VLM alle Flüge ein, nachdem sie bereits seit Ende Mai unter Gläubigerschutz geflogen ist. Für Friedrichshafen ist es nach InterSky die zweite Airlinepleite innerhalb von 8 Monaten.

In der 23-jährige Firmengeschichte von VLM gab es viele Höhen und Tiefen. Gegründet 1993 als Regionalfluggesellschaft in Antwerpen, Belgien bat sie in den ersten acht Betriebsjahren erfolgreich Flüge zum London City Airport an und verlegte dorthin 2005 ihre Basis. 2007 wurde sie von Air France-KLM übernommen und wurde 2009 an das Corporate Design der Konzernschwester CityJet angeglichen. Ende 2013 wurde CityJet und VLM an die deutsche Intro Aviation von Hans Rudolf Wöhrl (bekannt als Airline-Sanierer u.a. bei dba und LTU) verkauft, von der Muttergesellschaft CityJet getrennt und kurze Zeit später an das Management von VLM verkauft. Erst im Februar hatte sie einige Strecken der ebenfalls insolventen InterSky ab Friedrichshafen nach Berlin, Hamburg und Düsseldorf übernommen.

Für Friedrichshafen bedeutet dies erneut einen Wegfall von wichtigen Flugverbindungen und der Flughafen droht 2016 unter die kritische Marke von 500.000 Passagieren zu fallen.

Eurowings lässt die Hälfte der Passagiere in Düsseldorf stehen

Letztes Wochenende ging folgende Geschichte durch zahlreiche Medien: Freitag Abend wollten rund 110 Passagiere von Düsseldorf mit Eurowings nach Dresden fliegen. Laut Eurowings hatte der Flug bereits rund zwei Stunden Verspätung „Aufgrund des Fluglotsenstreiks in Italien und der Unwetterlage über Europa“. Die Passagiere wurden, wie so häufig, in zwei Bussen zu der Außenposition gefahren. Die ersten 40 Passagiere waren bereits geboardet, da entschied der Pilot die restlichen Passagiere, die sich im zweiten Bus gerade auf dem Weg zur Außenposition befanden, einfach in Düsseldorf stehen zu lassen, um noch vor dem drohenden Nachtflugverbot (ab 22 Uhr) starten zu können. Der zweite Bus mit rund 70 Passagieren fuhr wieder zurück zum Terminal. Die restlichen Passagiere durften mitten in der Nacht mit dem Fernbus nach Dresden fahren oder im Hotel übernachten und am nächsten Tag weiterfliegen.

Schaut man sich den Flug bei Flightradar24 an, startete der Flug in Düsseldorf bereits um 21:22 Uhr und damit rund 40 Minuten vor Beginn des offiziellen Nachtflugverbotes für Starts ab 22 Uhr. Doch warum wurden die 70 Passagiere dann in Düsseldorf stehen gelassen? Schaut man sich die am dem Tag von dem Flugzeug D-AGWL durchgeführten Flüge an, sieht man, dass das Flugzeug wieder von Dresden nach Düsseldorf zurückgeflogen ist und um 23:34 Uhr gelandet ist. Eigentlich gilt in Düsseldorf auch ein Nachtflugverbot für landende Maschinen ab 23 Uhr. Für verspätete Maschinen mit Wartungsschwerpunkt in Düsseldorf gibt es aber eine Ausnahme bis 00:00 Uhr.

Flightradar24 D-AGWL

Flughistorie von Flightradar24 des Germanwings Airbus A319 D-AGWL am 17. Juni. (Zeiten sind in UTC = +2h für MESZ)

Hätten die Piloten auf die Passagiere gewartet, hätten sie vielleicht auf dem Rückflug nicht mehr in Düsseldorf landen können. Trotzdem wurde die Situation natürlich alles andere als souverän gehandhabt und Eurowings hat sich damit eine weitere Negativschlagzeile gesichert.

Kurznachrichten

Der nächste Wochenrückblick

Der nächste und damit dritte Wochenrückblick wird am Samstag Vormittag 2. Juli veröffentlich.

Falls ihr den ersten Wochenrückblick verpasst habt, könnt ihr ihn hier lesen:

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Ich habe 2010 Travel-Dealz gegründet und schreibe seit dem täglich über die neusten Reiseschnäppchen. Seit dem ich 17 bin, suche ich nach Wegen so günstig wie möglich zu fliegen. Mit meinem Wissen versuche ich Dir genau das selbe zu ermöglichen. Wenn du eine Frage hast kannst du dich jederzeit an mich wenden! Schreib mir einfach eine Email an: Johannes@Travel-Dealz.de Bitte aber nicht mit einem Reisebüro verwechseln.

4 Kommentare bei “Der #2 Reise-Wochenrückblick: Reisen nach dem Brexit & Eurowings lässt Hälfte der Passagiere stehen
  1. GregGoogleGregGoogle sagt:

    Dieser Rückblick bezog sich viel auf Brexit. Interessant wird’s ja erst wirklich, wenn Schottland (und ggf auch Wales) in die EU zurückgehen wie proklamiert. Dann steht nur noch „Little Britain“ allein da. Das wird noch ne ganz große Witz-Nummer. Hoffe, die Engländer verlieren ihren schönen englischen Humor nicht hierüber. Skurril skurril …

  2. SharonGSharonG sagt:

    Wochenrueckblick ist super … gefaellt mir sehr gut! Herzlichen Dank.

    • floridadreamfloridadream sagt:

      Solange es bei einer Zusammenfassung der wichtigsten Wochenereignisse bleibt, finde ich es super!

      Man einfach nicht immer die Zeit sich die einzelnen Reiseblogs zu lesen … Zusammenfassung geht immer … 🙂

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