Fahrgastrechte: Deutsche Bahn ermöglicht ab sofort Online-Antrag auf Erstattung

Deutsche Bahn ICE

Vor wenigen Tagen hat die Deutsche Bahn angekündigt, dass es ab 1. Juni möglich sein wird, den Antrag auf Entschädigung online zu stellen.

Ab sofort ist es so weit: Das antiquierte Fahrgastrechteformular hat (zumindest in vielen Fällen) ausgedient: Es ist nun möglich, den Antrag auf Erstattung bequem über das DB-Kundenkonto auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu stellen.

Nicht alles funktioniert online

Das Online-Formular kann einen Großteil der Anträge abwickeln, die sonst über das gedruckte Formular laufen würden. Das beinhaltet Verspätungen am Reiseziel, Nichtantreten oder Abbruch der Reise bei zu großer Verspätung. Es ist sogar möglich, bei mehreren kleinen Verspätungen (die den Mindest-Entschädigungsbetrag von 4€ nicht erreichen) einen Sammel-Antrag über mehrere Verbindungen zu stellen.

In folgenden Fällen ist die Verwendung des Online-Formulars aber nicht bzw. nur eingeschränkt möglich:

  • Das Ticket wurde nicht online gekauft, z. B. im DB Reisebüro oder an einem Ticket-Automaten. Ein Online-Antrag auf Entschädigung ist dann nicht möglich.
  • Das Reiseziel ist nicht identisch zur Angabe auf dem Ticket, z.B. weil im Rahmen der tariflichen Gleichstellung ein anderer Bahnhof angefahren wurde. Denn im Online-Formular lässt sich das Ziel nicht ändern
  • Es müssen Original-Belege, z.B. für eine Taxifahrt eingereicht werden. In diesem Fall kann zwar der Antrag online erfolgen – die Belege müssen dann aber zusammen mit einem A4-Blatt als Begleitschein per Post verschickt werden. Letzteres wird euch als PDF bereitgestellt.

Das Fahrgastrechte-Formular hat also nicht ausgedient und funktioniert weiter wie bisher. Wenn ihr diese Möglichkeit nutzen wollt, findet ihr hier auf Bahn.de das PDF-Formular sowie ein Adress-Label zum kostenlosen Versand als Brief.

Über folgende Wege könnt ihr die neue Erstattungs-Option nutzen:

Antrag auf Bahn.de

Auf bahn.de müsst ihr euch zunächst mit eurem Kundenkonto anmelden und dann die Buchungsübersicht aufrufen. Ohne Kundenkonto ist kein Antrag auf Entschädigung möglich. Sucht dort dann die Buchung aus, für die ein Antrag auf Fahrgastrechte gestellt werden soll und klickt dort auf Bearbeiten:

Im Anschluss werden alle Ticket-Details angezeigt. Neuerdings findet sich dort aber der Button Entschädigung beantragen:

Im Anschluss öffnet sich das neue Formular:

Im Anschluss werdet ihr automatisch durch das Formular geführt und müsst verschiedene Details wie z. B. den Grund des Antrags und die tatsächliche Ankunftszeit am Ziel eingeben:

Interessanterweise werden dabei deutlich weniger Details abgefragt als im PDF-Formular, z. B. möchte die DB nicht die Zugnummer des tatsächlich genutzten Zuges wissen. Diese Information soll wohl automatisch anhand der Ankunftszeit geschlussfolgert werden.

Im Anschluss müsst ihr noch die persönlichen Daten (zum Glück vorausgefüllt) und zwecks Erstattung die Bankdaten angeben. Der Antrag wird dann geprüft und ihr erhaltet bei erfolgreicher Prüfung eine Mitteilung.

Antrag im DB Navigator

Der Antrag per App ist ebenfalls möglich und sehr ähnlich aufgebaut. Der Ablauf ist aber etwas anders: Zunächst müsst ihr die Buchungs-Übersicht aufrufen und dort (rechts oben) den Haken bei nur gültige entfernen:

Ganz intuitiv ist es nicht, dass ihr nun zunächst auf Auftrag bearbeiten klicken müsst. Aber wenn man den Haken einmal raus hat, geht es recht schnell:

Das übrige Vorgehen ist identisch mit dem Formular auf der Website. Ihr könnt nun auf Entschädigung beantragen klicken, die nächsten Schritte sind selbsterklärend:

Eure Rechte als Fahrgast

Als Fahrgast bei der Bahn habt ihr umfangreiche Rechte, über die ihr euch im Klaren sein solltet. Das ist zum einen das Recht auf Entschädigung in Höhe von 25% (ab 1 Stunde) bzw. 50% (ab 2 Stunden) – mehr dazu im folgenden Ratgeber:

Bereits ab 20 Minuten Verspätung wird außerdem die Zugbindung aufgehoben und ihr könnt – auch bei Super-Sparpreisen – eine andere Verbindung zum Reiseziel nutzen:

Einschränkung der Fahrgastrechte ab 2023

Ab 2023 steht allerdings eine Reform der Fahrgastrechte an. Die Rechte als Bahnkunden werden dann deutlich verwässsert. So sind die Bahn-Unternehmen dann nicht mehr zur Zahlung von Entschädigungen verpflichtet, wenn diese durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden.

In anderen Worten: Bei Unwettern, Personen im Gleis, Notarzteinsätzen und ähnlichen Fällen werden Fahrgäste voraussichtlich leer gehen. Eine gute Übersicht der Änderungen gibt es im ICE-Treff

Fazit

Es ist ein längst überfälliger Schritt, dass Fahrgäste zur Geltendmachung ihrer Rechte endlich keinen Brief mehr schicken oder das DB-Reisebüro betreten müssen. Auch wenn das neue Online-Formular noch ein paar Tücken hat, kann die Umsetzung auf den ersten Blick überzeugen.

Schade nur, dass es nicht wenigstens eine Mail-Adresse gibt, die ausgefüllte PDF-Formulare auch per E-Mail entgegennimmt. Für alle nicht online zu erfassenden Sonderfälle wäre das eine bessere Alternative als der Postweg.

Cover Picture: Markus Winkler

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