EU-Kommission genehmigt Lufthansa-Einstieg bei ITA – vollständige Übernahme ab 2025 möglich

ITA Airways Airbus A350

Nach langem Hin und Her ist es jetzt so weit: Die Europäische Kommission gibt grünes Licht für den Einstieg der Lufthansa Group bei ITA Airways. Die Airline nahm 2021 als Nachfolgerin der insolventen Alitalia den Flugbetrieb auf. Aktuell befinde sie sich in italienischem Staatsbesitz.

Zwischenzeitig war unter anderem auch ein Einstieg von Delta mit Air France-KLM diskutiert worden. Nun hat die Lufthansa das Rennen für sich entschieden und darf zunächst einen 41%igen Anteil an ITA übernehmen. Dafür muss sie aber einige Zugeständnisse machen.

Diese umfassen primär die Bereitstellung von Slots und Mitteln an Konkurrenzunternehmen. Insbesondere in Linate müssen zahlreiche Slots an andere Airlines (wohl Easyjet & Volotea) abgegeben werden. Zudem erhalten die Wettbewerber Zugriff auf Interlining mit ITA, um auch Umsteigeverbindungen via Linate anbieten zu können. Auch auf den Langstrecken gibt es Verpflichtungen zur Unterstützung der Konkurrenz, um einem Lufthansa-ITA-Monopol entgegenzuwirken. Die EU-Kommission teilt mit, ihre wettbewerbsrechtlichen Bedenken seien damit in vollem Umfang ausgeräumt.

Vollständige ITA-Übernahme in Aussicht

Lufthansa und ITA rechnen damit, dass der Einstieg im 4. Quartal 2024 abgeschlossen sein wird. Bei einem teilweisen Einstieg wird es aber voraussichtlich nicht bleiben. Mittelfristig möchte die Lufthansa ITA vollständig vom italienischen Finanzministerium übernehmen. Der Plan dazu sieht, Stand jetzt, in etwa wie folgt aus:

  • Ab 4. Quartal 2024:
    • Einführung von Codesharing & Umsteigeverbindungen zwischen der Lufthansa Group & ITA
    • Miles&More als neues Vielfliegerprogramm für ITA-Flüge
    • Lufthansa-Loungezugang für ITA-Passagiere und umgekehrt
  • 2025 oder später:
    • Vollständige Übernahme von ITA durch Lufthansa möglich
    • Eintritt von ITA in die Star Alliance
    • Eintritt von ITA in das Joint Venture A++ aus der Lufthansa Group, Air Canada & United
    • Rom-Fiumicino wird zum sechsten Drehkreuz der Lufthansa Group (neben Frankfurt, München, Wien, Zürich & Brüssel)

Aktuell liegt der Fokus bei den ITA-Langstrecken auf Amerika. Die Lufthansa erhofft sich aber auch einiges von den Märkten in Südamerika und Afrika. Aktuell fliegt ITA dort nur jeweils 3 Ziele an, künftig dürften es mehr werden:

Das Drehkreuz in Rom bietet ideale Voraussetzungen, um das gemeinsame Streckennetz in Richtung Afrika und Lateinamerika zu erweitern

Pressemitteilung der Lufthansa

Fazit

Es war ein langes Tauziehen. Bereits 2018 hatte die Lufthansa ein Angebot für die Übernahme der Alitalia abgegeben, zwischenzeitig waren aber auch zahlreiche andere Investoren im Gespräch. Auch, wenn das Ergebnis nicht jeden zufriedenstellen wird: Nun gib es wenigstens endlich Gewissheit, wie es mit ITA weitergeht.

Bleibt zu hoffen, dass ITA zumindest die knallig blaue Lackierung behalten darf und nicht auf das sonst übliche Eurowhite-Schema der Lufthansa Group umlackiert wird.

Quelle: Pressemitteilungen von Lufthansa & Europäischer Union sowie FAZ

Titelbild: Ditmar Lange

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Kommentare (4)

  1. Mike sagt:

    Ich finde diesen Schritt nicht im Interesse der Flugreisenden. Wenn künftig in der Kabine, im Cockpit oder sonst wo innerhalb der LH Group gestreikt wird, hat das nun viel mehr Auswirkungen auf Italien und die Kunden haben weniger Ausweichmöglichkeiten. Nachdem Italien sehr stark vom Tourismus abhängig ist, weiss ich nicht, ob sich die italienische Regierung mit diesem Schritt wirklich einen Gefallen tut, indem sie dem europäischen Quasi-Monopol der LH beitritt. Österreich, Schweiz, Benelux kann man von Deutschland aus im Bedarfsfall auch gut mit dem Zug erreichen. Bei Italien ist das nicht so ohne Weiteres möglich.

    Abgesehen davon glaube ich, dass sich schnell große Unterschiede in der Managementkultur zeigen werden. Da prallen Welten aufeinander. Lufthansa kann von ITA zum Beispiel Krisenmanagement lernen. Das kann die Italiener. Lufthansa kann das in Wahrheit überhaupt nicht. Ob das die hohen Herren bei LH so sehen und in letzter Instanz zulassen werden? Ich habe da so meine Zweifel. Über die Alpen ist eben auch ein Mentalitätssprung. Dürfte spannend werden.

    • D sagt:

      Ich finde deinen Kommentar interessant.

      Ich denke mir:
      – tendenziell sind die Italiener eher für ihre Streikkultur bekannt, also wird vermutlich eher ITA streiken als LH?
      – es gibt andere LH-Hubs, sofern andere Carrier die selbe Route fliegen
      – Kultur: da wirst du Recht haben, diese Differenz gibt es schon mit Austrian 😀
      – ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber: vermute dass ITA viel Geld verbrennt und der ital. Staat froh darüber ist kein weiteres Geld zu verbrennen (Vergleich Austrian-Übernahme)

      Am Rande:
      – schade, dass es im DACH-Raum keine wirklichen LH-Alternativen gibt (Air Berlin/Niki/Easyjet)

      • Mike sagt:

        Meine Vermutung ist, dass die italienische Regierung den Schritt des Verkaufs in einigen Jahren bitterlich bereuen wird. Für Italien ist der Tourismus weiterhin die Lebensader schlechthin. Wenn dann streikbedingt die Maschinen aus Zürich, München oder Frankfurt ausbleiben, fehlen auch die so wichtigen Gäste aus Asien und Amerika. Das ist zwar jetzt auch schon so, aber immerhin gab es bisher Alitalia / ITA als Alternative, wenn LH mal wieder streikt. Das fällt dann künftig weg, falls da dann ITA vom Streik oder Streikfolgen betroffen ist.

        Du schreibst, dass die Italiener streikfreudig sind. Da ist was dran, aber in den letzten Jahren ist LH aus dem Streikmodus gar nicht mehr rausgekommen, weil ständig irgendein Unternehmensteil streikte. Bei ITA habe ich davon nichts mittbekommen.

        Mit Deiner Randbemerkung sagst Du was: wir haben das falsche System in Deutschland (und eben auch in Europa): de facto hat LH Group auf vielen Strecken eine Monopolstellung. Das ist auf Dauer nicht gesund. Negativstbeispiel: Deutsche Bahn. Pikanterweise liefert gerade Italien das Positivbeispiel dazu: es gibt mit Italotreno und Trenitalia zwei ähnlich große Anbieter und noch ein paar kleinere, die im Wettbewerb stehen. In Deutschland dagegen Monopol. Das Resultat: die italienischen Bahnen sind viel pünktlicher als die DB. Das ist intelligente Industriepolitik.

        Weshalb macht man das nicht auch in Deutschland? Und in der Luft läuft es nun europaweit leider (!) auf den gleichen Fehler hinaus, weil LH vielfach ein Streckenmonopol hat. Ausrichtung an Kundeninteressen Fehlanzeige. Nur in der Kommunikation von Negativveränderungen ist es auf einmal immer „auf Kundenwunsch“. Die LH-Manager müssen in ihren Türmen auf dem Boden liegen vor Lachen, wenn sie so etwas verfassen. Geschoben wird das natürlich auf den unfairen Wettbewerb der staatlich geförderten Golf-Airlines. Abgesehen davon, dass LH auch kräftig vom Staat profitiert, machen jene Airlines einfach einen besseren Management-Job und behandeln ihre Kunden in aller Regel mit Respekt und wissen, dass der Begriff Dienstleistung von dienen und leisten kommt. Das geht schon beim CEO los.

  2. Isa sagt:

    Hab es auch heute morgen in den Nachrichten gelesen und bin eigentlich ganz angetan. Ein weiteres europäisches Star Alliance Drehkreuz klingt erstmal gut. Bin gespannt, wie sich die Möglichkeiten und Preise entwickeln.

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