PLAY: Neuer Billigflieger aus Island fliegt ab Juli nach Berlin – und startet Ticketverkauf

Airbus A321neo PLAY

Durch die Pleite des Billigfliegers Wow Air wurde das Flugangebot nach und über Island Anfang 2019 deutlich ausgedünnt. Nun ist eine neue Airline angetreten, um die Marktlücke zu schließen: PLAY möchte im Juni 2021 mit Flügen nach Europa starten und das Streckennetz dann nach und nach aufbauen.

Die Pläne der Airline reichen bereits bis ins Jahr 2019 zurück (Bericht bei Aerotelegraph). Ursprünglich wollte der neue Billigflieger noch Anfang 2020 mit zwei Flugzeugen loslegen. Daraus wurde allerdings nichts. Heute war es nun so weit: Die Airline gab das Streckennetz bekannt und startete zugleich den Ticketverkauf.

Das Streckennetz von PLAY

Zunächst möchte PLAY vom Hub am isländischen Flughafen Keflavik sieben Ziele in Europa ansteuern. Für uns ist vor allem die Verbindung nach Berlin interessant, die ab 2. Juli viermal pro Woche bedient wird – und zwar auch im Winter.

Aktuell sind die folgenden Strecken buchbar:

  • Island ↔ Berlin
  • Island ↔ Kopenhagen
  • Island ↔ London-Stansted
  • Island ↔ Paris
  • Island ↔ Barcelona
  • Island ↔ Alicante
  • Island ↔ Teneriffa-Süd

Die Flotte von PLAY

Laut eines Interviews bei Simple Flying ist der Start von Flügen nach Amerika für 2022 geplant. Vermutlich werden dann (mit Umstieg in Keflavik) auch Flüge von Europa nach Nordamerika möglich sein.

Die Airline verfügt zunächst über drei Airbus A321neo, die allesamt von AerCap geleast werden (Quelle). Interessant ist, dass diese über nur 192 Sitzplätze verfügen. Dies spricht für ein vergleichsweise großzügiges Sitzangebot. Easyjet beispielsweise füllt den Flieger mit 235 Sitzen.

Anscheinend hat PLAY 1:1 die Kabine der mexikanischen Interjet übernommen, für die die Flugzeuge zuvor unterwegs waren. Laut Seatguru verfügten diese ebenfalls über 192 Sitze, woraus ein üppiger Sitzabstand von 86 cm resultiert.

Preismodell: Ultra-Low-Cost

Auch beim Preismodell tritt PLAY in die Fußstapfen von Wow Air: Alles kostet extra.

Wie bei Ryanair, Wizzair und Co beinhaltet der günstigste Tarif nur ein Personal Item mit den Maßen 42 x 32 x 25 cm.

Die Zusatzkosten sind recht happig: Für die Strecke Berlin – Keflavik kostet bereits ein Kabinen-Trolley je Richtung 3.100 ISK (~21 €) extra. Vergleichsweise human erscheinen da die 3.900 ISK (~26 €) für ein Stück Aufgabegepäck bis 20 kg.

Eine Sitzplatzreservierung schlägt mit 7€ (Mittelsitz hinten) bis 28€ (Fenster am Bulkhead) zu Buche. Wer keinen Platz reserviert, erhält zum Check-in-Zeitpunkt einen Sitz zugeteilt. Spannend wird hier noch die Frage, ob Zusammenreisende (wie bei Ryanair) automatisch auseinandergesetzt werden oder nicht.

Werden die Zusatzleistungen erst nach der Buchung gekauft, fallen 25% Aufpreis an. Zur Bordverpflegung gibt es noch nicht viele Details. Es heißt lediglich, es sei eine umfangreiche Auswahl an warmen und kalten Gerichten sowie Getränken geplant.

Flüge ab sofort buchbar

Buchungen sind ab sofort auf flyplay.com möglich. Heute früh wurden vereinzelt Tickets für 0€ verkauft, diese waren aber innerhalb weniger Minuten vergriffen.

Die verbliebenen Preise sind derzeit zwar in Ordnung, aber nicht wirklich günstig. Für einen Hin- und Rückflug von Berlin nach Keflavik werden rund 160€ fällig. Dazu kommen allerdings noch 20€ je Richtung für ein großes Stück Handgepäck oder 25€ je Richtung für einen 20-kg-Koffer.

Fazit

Grundsätzlich ist Konkurrenz immer zu begrüßen. Auf den ersten Blick ist PLAY nicht sonderlich spannend: Es handelt sich um einen typischen Ultra-Low-Cost-Flieger mit begrenztem Streckennetz, der dabei nur wenig günstiger ist als der Platzhirsch Icelandair.

Der Standort auf Island birgt aber durchaus Potenzial. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preise, das Bordprodukt und das Streckennetz entwickeln. Zumindest der großzügige Sitzabstand ist (derzeit) auf jeden Fall ein Pluspunkt.

Quellen: Pressemitteilung per Mail und One Mile at a Time

Cover Picture: © PLAY

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Kommentare (8)

  1. Björn sagt:

    Im Ernst jetzt? Nach Iceland Express und WOW der nächste Billigflieger der sich auf dem winzigen isländischen Markt versucht? Wohin wollen die im Winter fliegen wenn das Tourismusgeschäft am Boden liegt? Und ob sich nach der Krise noch so viele Europäer den Urlaub im immer teurer werdenden Island leisten wollen halte ich für zumindest zweifelhaft – ganz abgesehen von dem grotesken Überangebot an Flügen auf die Vulkaninsel das es in den letzten Jahren gab und der Konkurrenz durch Islandair die selber zum Billigflieger mutiert sind.

  2. Tobias sagt:

    Kann mir irgendwie kaum vorstellen, dass die Bestuhlung so bleibt. Da werden doch hinten bestimmt noch ein paar Reihen reingeschoben oder?

    • Peer sagt:

      In der Pressemitteilung heißt es zumindest explizit:

      Geflogen wird in einer reinen Economy Class Konfiguration mit 192 Sitzplätzen

      In der Seat Map werden ebenfalls die 192 Sitze angezeigt (hatte ich extra nachgezählt). Nur fängt der Bulkhead da als „Reihe 3“ an. Vielleicht hat man schon etwas Luft für die zusätzlichen Sitze geschaffen. 🤪

      Meine Vermutung wäre: Sie lassen die drei ex-Interjet-Flieger erstmal wie sie sind um möglichst schnell starten zu können. Und alles was danach kommt, wird enger bestuhlt.

  3. Daniel sagt:

    Was bei Wow Air nicht funktioniert hat, soll jetzt der Kracher sein? In Zeiten nicht unangebrachter Billigflieger-Diskussion sicherlich nicht einfacher. Vor allem spart man offensichtlich kaum. 160€ R/T nackter Flug fühlt sich nicht nach Schnäppchen an.
    Zumal sich Billig und Island doch eher widerspricht.

  4. Torsten Ahlers sagt:

    Wirklich günstig ist das nicht, wenn man bedenkt das Wizzair schon Mal Tickets für 40€ raushaut fürs gleiche Ziel

  5. ml15 sagt:

    … F4F meldet, dass es gerade eine 1000 Sitzplätze für 0€ Promo gibt. Konnte zwar nur einen Sitz für 0€ im Kalender sehen, der dann aber nicht mehr für 0€ buchbar war, aber es scheint sie tatsächlich irgendwie zu geben.

    • Peer sagt:

      Das ist leider das Problem. Um 8 Uhr gab es noch vereinzelt Tickets (für die sich aber eine Eilmeldung nicht mehr gelohnt hätte).

      30 Minuten später war aber (zumindest ab Berlin und Kopenhagen) schon alles weg. Im Kalender stehen tlw. auch jetzt noch 0€ drin, aber bei Buchung sind es dann die üblichen 80€ je Richtung.

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