Bewertung: Ethiopian Airlines Business Class Boeing 767 & Boeing 737-MAX 8

TLV ADD Starter

Das Star-Alliance-Mitglied Ethiopian Airlines ist die größte Airline Afrikas. Unser Gastautor – der namentlich nicht genannt werden möchte – hatte kürzlich die Gelegenheit, mit der Airline in der Business Class zu reisen. Dabei durfte er in Maschinen des Typs Boeing 767 sowie Boeing 737-MAX 8 Platz nehmen. Bei letzterer handelt es sich um den Flugzeugtyp, der kürzlich verunglückt ist. Sein Erfahrungsbericht:

Vorab: Ich bin definitiv kein Vielflieger. Dieser Bericht ist im Rahmen meiner wenigen hart erarbeiteten Meilen entstanden. Diese reich(t)en immerhin für zwei Oneway-Tickets von der Region Naher Osten in die Region Indien in der Business Class. Gesamtpreis: 54.000 Miles&More Prämienmeilen.

Das Routing führte uns von Tel Aviv mit einer 737-MAX 8 (Registrierung: ET-AVL, verunglückt ist die ET-AVJ) zunächst nach Addis Abeba, wo ein 9-stündiger Aufenthalt geplant war. Anschließend sollte es mit einer Boeing 767 nach Delhi weitergehen. Die Route hätte man auch mit Air India nonstop zurücklegen können, jedoch gab es im gewünschten Zeitraum keine Meilenticket-Verfügbarkeiten. Die Ethiopian-Flüge ließen sich über die Miles&More-Website buchen und glänzten durch geringe Steuern und Gebühren: 26€ pro Ticket. Bei Air India wären 170€ fällig gewesen.

Die Meilen habe ich hauptsächlich mit dem Abschluss der Miles&More-Kreditkarte vor einem Jahr (20.000 Meilen + Erstattung der Jahresgebühr) erworben. Hinzu kamen dann im Wesentlichen noch transferierte Payback-Punkte sowie Punkte aus Meilenaktionen.

Anreise nach Israel

Die Anreise nach Israel führten wir mit Ryanair nach Eilat-Ovda durch. Ryanair bietet diese immer wieder zu unschlagbaren Preisen an. Von hier unternahmen wir einen einwöchigen Roadtrip mit einem Mietwagen von Süd nach Nord und flogen anschließend von Tel Aviv weiter.

Check-In & Lounge in Tel Aviv

Bei Flügen von und nach Israel solltet ihr immer ausreichend Zeit einplanen. Zum Teil können die Befragungen und Checks recht umfangreich sein und durchaus als „Verhör“ bezeichnet werden. Da wir außerhalb übernachteten, planten wir zudem noch Zeit für die Anreise ein. In Tel Aviv führt die Rushhour regelmäßig zu großen Staus, noch ein Faktor weshalb wir zeitig aufbrachen. Nach der Abgabe des Mietwagens und der üblichen Befragungsprozedur vor dem Betreten der Abflughalle gingen wir zu den Check-in Schaltern. Da wir sehr früh dran waren, hatte der Eco-Schalter gerade vor uns eröffnet, und wir mussten nicht lange warten. Beim Check-in fragte ich nach einem Voucher, da ich im Internet gelesen hatte, dass Ethiopian ein Stopover-Programm anbietet, wobei ich insgeheim auf einen Hotel-Voucher hoffte. Die Dame fragte am benachbarten Business-Schalter nach, welcher gerade öffnete, und – ja, es gab einen Gutschein!

Da in unserem Fall der Stop mit 9 Stunden relativ kurz war und zudem noch untertags war (Mittags bis in den Abend), gab es jedoch „lediglich“ einen Gutschein für eine Stadtrundfahrt und ein Abendessen.

Anschließend wollten wir in der Dan Lounge einkehren, für welche wir auch Gutscheine beim Check-in erhalten hatten. Hier gibt es zwei Lounges, eine im Bereich C und eine in E. Beim Eingang in die C-Lounge fragte uns die Empfangskraft, ob wir nicht vielleicht lieber die Lounge im Bereich E ausprobieren wollten, diese sei ausschließlich Business-Gästen vorbehalten. Da ich diese noch nicht kannte (beim letzten Besuch war sie noch im Bau), willigte ich gerne ein.

Tatsächlich bot die Lounge im Bereich E das deutlich bessere Erlebnis gegenüber der bei C. Sie ist deutlich größer, komplett neu renoviert und recht modern eingerichtet. Neben sehr schmackhaftem Essen gab es auch eine Bar. Die Lounge bot zudem direkten Blick auf das Rollfeld, auf dem unser späterer Flieger, eine Boeing 737-MAX 8, gerade zur Parkposition rollte.

Hinsichtlich des Platz- und Essensangebotes kann es die Dan Lounge in E durchaus mit der King David Lounge von El Al aufnehmen. Mir persönlich gefällt erstere jedoch besser, da sie moderner eingerichtet ist und die Toilettenanlagen deutlich besser sind. Dafür ist die Dan Lounge gediegener und das Essen dort einen Tick vielseitiger.

Von der Lounge war das Gate lediglich einen Katzensprung entfernt. Dort stand bereits eine größere Traube Menschen – und es war nicht ganz klar ersichtlich, wie die Boarding-Prozedur ablaufen soll. Irgendwie standen wir aber recht weit vorne und kamen fix in die Maschine. Generell erschien das Boarding etwas unkoordiniert.

Boeing 737-MAX 8: Kabine & Komfort

Der relativ kleine Flieger war mit einer 2 – 2 Bestuhlung ausgerüstet. Die Sitze waren in Rot gehalten und mit Stoff gepolstert. Generell halten die Nationalfarben Rot-Gelb-Grün überall Einzug. So waren die Sitze der Economy in Gelb und Grün gehalten. Persönlich finde ich den Look etwas „angestaubt“, jedoch war die Kabine (wie auch der Flieger) quasi nagelneu. 

Die Sitze selbst waren Recliner (manuell bedienbar), bei einer gut 4-stündigen Flugzeit (dazu noch am Tag und ohne größere Zeitverschiebung) war dies aber absolut verschmerzbar. 

Es gab Bildschirme mit den bekannten Übersichtskarten über die Flugroute sowie auch verschiedene Filme, welche ich jedoch nicht genutzt habe. 

Die Amenity Kits waren ebenfalls in den 3 verschiedenen Farben erhältlich. Sie sind als kleine Reisenecessaires ausgeführt – absolut praktisch, wie ich finde. Im Inhalt fanden sich die „üblichen“ Accessoires wie Schlafmaske, Socken, Gehörschutz, Zahnbürste/-pasta und eine Haarbürste, alles ebenfalls in der jeweiligen Farbe der Tasche.

Boeing 737-MAX 8: Kulinarisches und Service

Das Essen war hervorragend. Meine persönliche Vermutung ist, dass es in Israel an Bord genommen wurde, da es sehr an das dortige Essen erinnert. Zunächst gab es jedoch eine Begrüßung mit Champagner und geröstete Weizenkerne (sehr lecker) zum Knabbern, sowie Saft.

Die Vorspeise bestand aus geräuchertem Lachs mit Salat(en), super lecker und appetitlich angerichtet. Als Hauptgericht nahmen wir beide den gegrillten Lachs mit Gemüse, welcher auch hervorragend war. Anschließend gab es eine Auswahl an verschiedenen Desserts (süß / Käseplatte / Obst), welche auf einem Wagen vorgestellt wurden. Wir wurden quasi genötigt, alle 3 Dinge auszuprobieren (was wir auch taten 😉

Der Service war insgesamt sehr gut. Zuvorkommend, freundlich und wirklich bemüht. 

Stopover-Programm in Addis Abeba

Nach der Landung gingen wir (noch im 1. Stock des Flughafens) zum Transferschalter, wo wir unseren Gutschein vorzeigten. Daraufhin wurde eine Mitarbeiterin abgestellt, um uns zu begleiten. Wir fuhren die Rolltreppe ins Erdgeschoss hinab und passierten sämtliche Zoll-, Pass- und sonstige Formalitäten völlig unbehelligt (d.h. auch ohne Stempel im Pass…). So hatte ich es auch im anderen Erfahrungsbericht im Internet gelesen, sodass ich mir keine größeren Sorgen machte. Unser Gepäck war derweil durchgecheckt bis Delhi, sodass wir nur unser Handgepäck dabei hatten. Am Ausgang des Flughafens telefonierte die Mitarbeiterin dann offenbar mit unserem Guide und wies uns an, die „Treppe herunter zu gehen und den Voucher hochzuhalten“. Gesagt getan. Unten stand ein Landrover mit Ethiopian-Aufdruck, auf den ich zielsicher zusteuerte. Jedoch stellte sich heraus, dass unser Fahrzeug ein paar Meter weiter stand – ein alter, klappriger Toyota Corolla. Dort wartete „unser“ Guide mit Fahrer.

Nach einer Begrüßung und Vorstellung nahmen wir hinten Platz (so gut es ging) und fuhren durch die Stadt zum Nationalmuseum. Dies ist mit der deutschen Vorstellung einer solchen Einrichtung nicht unbedingt zu vergleichen (deutlich kleiner, aber wirklich interessant). Dort schlossen wir uns einer anderen Touristengruppe an, welche eine wirklich gute Führung bekam.

Anschließend fuhren wir noch durch weitere Stadtviertel (einschließlich dem Botschaftsviertel) zu einem einheimischen Restaurant. Da dort auch Ethiopian- Beschilderung zu sehen war, werden hier offensichtlich in erster Linie hier die Stopover-Gäste bewirtet. Innen waren wir so ziemlich die einzigen Gäste und bekamen ein lokales Gericht (zerkleinertes Lamm bzw. Rind mit Saucen und säuerlichem, aufgerolltem Brot). 

ADD ET Restaurant
Das Restaurant für Ethiopian-Stopover-Gäste

Anschließend wurden wir zum Flughafen zurückgebracht. Mit leicht mulmigem Gefühl (unseren Voucher als einzige „Legitimation“ hatte der Guide übernommen, vermutlich zur Abrechnung mit der Airline) gingen wird die Treppen zur Eingangskontrolle. Hinein kamen wir mit dem Pass, jedoch an der Passkontrolle musste ein Supervisor hinzugezogen werden, der dann entschied, dass ein Passieren auch ohne Einreisestempel „ok“ ist. 

Cloud Nine Lounge Addis Abeba

Beruhigt gingen wir in den ersten Stock, in welchem mehrere Lounges (Ethiopian Lounge, Star Gold Lounge und Cloud Nine Lounge) und Shops in der Halle beheimatet sind. 

Cloud Nine sah am besten aus. Drinnen glich es rein optisch einem (großen) Wartebereich der DB-Lounges. Neben einem Buffet gab es eine gut bestückte Bar. Da ich jedoch weder Durst noch Hunger verspürte, nahm ich nur ein paar Obststücke. Immerhin nutzte ich das loungeeigene WLAN, welches deutlich besser war als das offene Angebot des Flughafens.

Im Eingangsbereich der Lounge wurde eine äthiopische Kaffeezeremonie dargestellt, bei der man einen wirklich hervorragenden Kaffee genießen konnte. 

Boarding in Addis Abeba

Für die Business-Gäste gab es ein eigenes „Sammel-gate“, welches nochmal eine Art verkleinerte Lounge mit Getränken war. Hier sammelten sich die Gäste von allen abgehenden Flügen; diese wurden dann jeweils aufgerufen und die entsprechenden Passagiere verließen den Bereich in Richtung Flugzeug. Leider war für mich nicht ganz verständlich welcher Flug jeweils aufgerufen wurde (und welcher schon „durch“ war), sodass ich 3x nachfragte ob unser Weiterflug nicht schon aufgerufen war. Auch gab es auch keine Info-Tafel, die dies verriet. Insgesamt stresste mich dieser Ablauf. Besser wäre eine zusätzliche Tafel gewesen, die klar zeigt, was gerade vor sich geht. 

Schließlich war auch der Flug nach Delhi an der Reihe. Nach dem Vorzeigen der Bordkarte wurden wir mit einem Aufzug auf die Ebene des Flugsteiges gebracht und betraten das Flugzeug. 

Boeing 767: Kabine & Comfort

Diesmal kam eine 767 mit 2 – 3 – 2 Bestuhlung und großzügigem Platzangebot zum Einsatz. Der Flieger war offensichtlich schon ein paar Jahre im Service, machte aber einen guten Eindruck. 

Die Sitze waren wiederum in Rot gehalten und ließen sich diesmal in ein komplett flaches Bett verwandeln. Die Ottomanen waren mit rotem (Kunst-?) Leder bezogen und wirkten etwas kühl. 

Es gab wieder einen Bildschirm mit Filmen und Fluginformationen. Genutzt habe ich ihn nicht, da ich unglaublich müde war und schlafen wollte. 

Boeing 767: Kulinarisches & Service

Das Essen reichte an die Gerichte vom ersten Flug bei weitem nicht heran. Da ich jedoch ohnehin vollkommen satt war, beschloss ich, nur die Vorspeise zu nehmen und dann zu schlafen. Leider dauerte es gefühlt eine Ewigkeit, bis nach dem Start serviert wurde. Die Vorspeise bestand aus einem Obstteller (durchschnittliche Qualität). Danach verschlief ich den Rest des Fluges. Laut meiner Begleitung war auch der Hauptgang nicht besonders herausragend. Schade. 

Ethiopian Airlines Business Class Bewertung
  • Check-in & Boarding
  • Lounge
  • Komfort & Kabine
  • Essen
  • Service
  • Entertainment & WLAN
  • Extras
3.64
Fazit

Ethiopian bietet hier viel Spaß für wenig Geld / Meilen. Das erste Leg überraschte mich wirklich sehr positiv. Leider wurde der Gesamteindruck durch den qualitativ doch etwas schlechteren zweiten Flug etwas getrübt. Schade auch, dass hier nicht die 787 eingesetzt wurde. Das Stopover-Programm hat in der durch uns erlebten Variante definitiv keinen „Business“-Charakter, da wir aber ohnehin in Indien Backpacker-mäßig unterwegs waren, passte es für uns völlig ins Bild und war eine willkommene Abwechslung und eine gute Gelegenheit, einen Eindruck der Hauptstadt zu bekommen. Laut einem anderen Bericht im Internet bekommen Gäste mit längerem Aufenthalt ein Zimmer im Radisson Blu oder Hilton, sodass hier der „Wert“ noch größer ist.

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Kommentare (6)

  1. Kleiner Tip an den „Wenigflieger“: immer mal auf die Karte mit den Sicherheitshinweisen in der Sitztasche schauen, ist nicht nur für die Sicherheit nützlich, sondern da steht der Flugzeugtyp, in dem man sitzt, ziemlich verlässig drauf – ansonsten stimme ich Florian voll zu – eine 767 mit 2-3-2 in C ist mir auch noch nirgends begenet. Selbst 2-2-2 ist da schon recht eng. Wird wohl das alte Arbeitspferd 777 gewesen sein, das bei ET häufig als Ersatzflieger zum Einsatz kommt. Grüße aus Indien – morgen geht es auf SQ 22, und das ist mit Sicherheit ein A 350-900 ULR ;-).

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  2. Meiner Meinung nach geschmacklos. Das Flugzeug ist gegroundet. Wem nützt der Beitrag jetzt etwas? Effekthascherei der übelsten Sorte.

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    • Der Erfahrungsbericht beschreibt die Erfahrungen mit Ethiopian Airlines auf der Mittel- und Langstrecke. So traurig die beiden 737-Max-Abstürze auch waren, wüsste ich nicht, wieso man sie jetzt als Tabuthema betrachten sollte.

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  3. Hm also irgendwas stimmt da nicht. Die 767 bedient normalerweise die Strecke ADD-DEL, aber es passt niemals eine 2-3-2 Konfiguration in eine 767. Selbst US-Airlines haben hier in der Regel eine 2-1-2 oder max. 2-2-2-Bestuhlung. Da glaube ich nicht, dass ET noch 1-2 Sitze mehr reinbekommt. Außerdem haben lt. Seatguru die 767 nur Recliner in einer 2-2-2 Konfiguration. Ich denke also, hier gab es einen Equipment-Change zu einer 777, der dem Autor entgangen ist.

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  4. ich bin die 737- Max 8 mit der polnischen LOT geflogen, in der ECO von WAW nach DUS, ein grausames Flugzeug…
    die Gepäckablage ist das einzig positive an diesem Flieger…

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