Gastbeitrag: Durch Corona gestrandet auf den Fidschi-Inseln

Gastbeitrag Fidschi Traumstand Querformat

Nach seinem Abitur im Jahr 2019 hat unser Gastautor Phillip beschlossen, gemeinsam mit einer Freundin ein Jahr durch Australien zu reisen. Teil dieses Plans war ein Ausflug zu den Fidschi Inseln, zu dem die beiden Anfang März 2020 aufgebrochen sind. Was ursprünglich zwei Wochen dauern und mit zwei weiteren Monaten in Australien enden sollte, wurde durch die Covid-19-Pandemie zu einem ganz anderen Abenteuer.

Sorgenfreie Ankunft auf den Inseln

Als wir nach dem 4-stündigen Flug von Brisbane nach Fidschi am Flughafen von Nadi ankamen, wurden wir, wie dort üblich, mit Gesang und Muschelketten begrüßt. Allerdings erhielt jeder Fluggast noch etwas Anderes, bis zu diesem Zeitpunkt am 9. März 2020 eher unübliches: Bei allen Passagieren und der Crew wurde durch Flughafenpersonal, ausgestattet mit Masken und Handschuhen eine Messung der Körpertemperatur durchgeführt. Weltweit hatten sich bis zu diesem Tag etwa 110.000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Auf Fidschi gab es allerdings noch keinen bestätigten Fall.

Bei keinem der Ankömmlinge wurden Anzeichen einer Infektion festgestellt und somit funktionierte die Einreise einwandfrei. Geplant hatten wir einen Aufenthalt von zwei Wochen, wovon sechs Tage durch eine geführte Tour auf der größten Insel „Viti Levu“ und auf einer kleineren Insel beansprucht werden würde. In der restlichen Zeit hatten wir nichts Festes geplant und wollten einige spontane Ausflüge auf der Hauptinsel unternehmen. Sorgen um Beschränkungen durch das Virus machten wir uns nicht. Besagte Tour begann allerdings erst am nächsten Tag, also begaben wir uns in ein Hostel in der Nähe des Flughafens. Kaum hatten wir unsere Betten im 8er-Zimmer eingerichtet, lernten wir unsere Mitbewohner für die kommende Nacht kennen. Und es war klar, dass man das erste Gespräch am anderen Ende der Welt mit einer Person aus dem Düsseldorfer Norden führt, keine zehn Kilometer von meinem Zuhause entfernt.

Zum Abendessen begaben wir uns in die Hostel-eigene Bar, dort gab es Gerichte aller Art. Dazu testeten wir die beiden beliebtesten Biersorten „Fiji Bitter“ und „Fiji Gold“, wobei erstes sehr an deutsche Biere erinnerte und vielen Einheimischen zu stark ist. Wir verbrachten den Abend mit unseren Mitbewohnern, Gespräche über das Virus kamen nur selten auf und Angst vor Flugausfällen oder Beschränkungen hatte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Eine Tour um die Insel

Früh am nächsten Morgen startete die geführte Tour. Auf der ersten kleinen Insel befand sich unsere Unterkunft, bestehend aus mehreren Holzhäusern direkt am Strand. Den ganzen Tag über boten sich Aktivitäten wie Schnorcheln oder Wandern an. Zum Abendessen gab es Fleisch und Gemüse aus dem traditionellen „Lovo-Ofen“, ein mit heißen Steinen bedecktes Loch im Boden. Zum Abschluss des Abends wurden Maria und ich von den Mitarbeitern, die nun auch Feierabend hatten, in deren Hütte eingeladen. Dort saßen wir mit insgesamt sieben Leuten auf dem Boden und tranken „Kava“, ein Getränk mit einer leicht sedierenden Wirkung, welches mit Wasser und Pulver der Kava-Wurzel angemischt und schließlich aus Kokosnuss-Schalen getrunken wird. Kava wird in Fidschi zu Begrüßungszeremonien und sonstigen besonderen Anlässen zubereitet.

Im Gespräch mit den Einheimischen stellten wir fest, wie isoliert die Fidschianer aufgrund der geografischen Lage und ihres Einkommens leben. Keiner der Anwesenden hatte den Inselstaat jemals verlassen oder konnte sich gar eine Auslandsreise vorstellen. Bei Gesprächen über das Virus zeigten sie sich froh, dass es noch keine Infektionen gab, da das Gesundheitssystem nicht entwickelt genug gewesen wäre, um größere Mengen an Patienten gleichzeitig zu versorgen. Der Großteil der Konversationen drehte sich aber nicht um die Pandemie.

In den nächsten Tagen fuhren wir und sechs weitere Gäste mit einem Bus und einer Reiseführerin über die Hauptinsel und besuchten verschiedene interessante Orte, unter anderem eine Tropfsteinhöhle, in der ursprünglich Kannibalen gelebt hatten, sowie einen Regenwald samt Wasserfall und eine riesige Sanddüne. Zudem machten wir Halt in der Hauptstadt Suva, wo wir bei einem professionellen Rugby-Training zuschauten.

Covid-19 erreicht die Inseln

Insgesamt erlebten wir in diesen vier Tagen sehr viel, verbrachten die Zeit tagsüber ohne Internet und blendeten dadurch das weltweite Geschehen weitestgehend aus. Wir erfuhren dann, dass es auf Fidschi zu diesem Zeitpunkt fünf bestätigte Fälle gab. Weltweit wurden bereits viele Veranstaltungen abgesagt, von Flugausfällen hatten wir jedoch noch nichts gehört. In Fidschi war das Verhalten der Menschen keinesfalls ungewöhnlich -– nirgendwo auf der Insel gab es Sicherheitsmaßnahmen oder Hygienevorschriften.

Alles änderte sich am vorletzten Tag der Tour: Wir befanden uns auf einer sehr kleinen Insel mit einem Durchmesser von 200 Metern: Eigentlich ein perfektes Urlaubsparadies mit türkisblauem Wasser, belebten Korallenriffen und Palmen. Doch nach unserer Ankunft erreichten uns plötzlich Nachrichten von Flugausfällen. Einige der Tour-Teilnehmer waren davon betroffen und telefonierten mit ihren Familien, um alternative Flugverbindungen zu finden. Unsere bereits gebuchten Flüge zurück nach Australien sollten laut Plan stattfinden.

Gute Stimmung trotz erster Flugausfälle

Später am Tag wurde ich jedoch ebenfalls benachrichtigt, dass mein Rückflug von Australien über Singapur nach Deutschland von den Ausfällen betroffen war. Da dieser Rückflug allerdings erst zweieinhalb Monate später stattgefunden hätte, bestand unser Plan darin, uns eine schöne Restzeit in Fidschi zu machen, um dann weiter in Australien zu arbeiten. Wir verbrachten den Nachmittag mit Schnorcheln, beobachteten Haie und Papageienfische, die im kristallklaren Wasser des Pazifik umherzogen, sowie die bunte Vielfalt der Korallenriffe.

Zum Abendessen wurde ein Buffet angeboten, mit traditionellen Speisen und Fisch. Wir unterhielten uns mit einem jungen Australier aus Melbourne, der uns dann die unangenehmen Neuigkeiten mitteilte: Es gab aktuell neue Einreisebestimmungen für Australien, die besagten, dass jede Person, die die Grenze überschreiten wollte, sich für zwei Wochen in eine häusliche Quarantäne begeben musste. Das kam für uns natürlich sehr unpassend, da wir in Australien keinen festen Wohnsitz vorweisen konnten. Außerdem entsprachen zwei Wochen ohne Arbeit unserem Budget nicht mehr. Trotzdem blieb unser Plan, nach Australien zurückzukehren, bestehen. Notfalls hätten wir uns Geld leihen müssen.

Am nächsten Tag ging es dann auf die Hauptinsel Viti Levu zurück. Dort entschieden wir uns für ein Hotel in der Nähe des Flughafens von Nadi, da dieses über günstige Preise, gute Verkehrsanbindungen und einen traumhaften Strand verfügte. Von dort aus wollten wir in der Woche bis zu unserem Rückflug am 22. März einige Unternehmungen starten. Wir besuchten die Innenstadt von Nadi und besichtigten den größten hinduistischen Tempel der Südhalbkugel. Fidschi hat einen indischen Bevölkerungsanteil von etwa 30 Prozent. Die sogenannten „Indo-Fijians“ wurden in der britischen Kolonialzeit zur Zuckerrohr-Ernte dorthin gebracht. Bei unserer Tour durch Nadi, welche mit 40.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes ist, fiel auf, dass die Menschen trotz der weltweit steigenden Infektionszahlen wie gewohnt ihren Berufen und Alltagstätigkeiten nachgingen. Die Geschäfte waren geöffnet und volle Busse fuhren durch die Straßen.

Die Reise wird abgebrochen

Ständig standen wir mit Freunden in Kontakt, die in Australien wohnten und arbeiteten. Sie berichteten von der Situation dort, nämlich, dass Einkaufszentren stetig leerer wurden, Restaurants und Bars schlossen und dadurch viele Jobs verloren gingen. Angesichts der sich verschlimmernden Krise planten wir, direkt nach der Ankunft in Australien sofort weiter nach Deutschland zu fliegen und buchten so Rückflüge mit Zwischenstopp in Tokio. Nun galt es abzuwarten und zu hoffen, dass keine weiteren Beschränkungen bezüglich unserer Rückreise beschlossen würden.

In unserem Hotel wohnten einige deutsche Backpacker und Urlauber, unter anderem Familien und Rentner, mit denen wir uns häufig bei einem Bier in der Strandbar unterhielten. Alle hielten es für sinnvoll, den direkten Weg nach Deutschland anzutreten und hatten, wie wir auch, Flüge gebucht. Es wurde eine Gruppe auf WhatsApp erstellt, in die sich nach und nach alle etwa 180 in Fidschi befindlichen deutschen Touristen eintraten. Eine Auflistung wurde der zuständigen Auslandsvertretung übermittelt, damit diese sich einen Überblick über die Anzahl und den Aufenthaltsort der Touristen verschaffen konnte.

Böse Überraschung am Flughafen

Es kam der 22. März, der Tag unseres Rückflugs. Zu diesem Zeitpunkt lag die weltweite Zahl der Infizierten bei etwa 375.000, viele Länder schlossen Schulen, Geschäfte und weitere Einrichtungen. Wir begaben uns zum Flughafen und waren erleichtert, da unser Flug planmäßig fliegen sollte. Viele Flüge nach Asien waren abgesagt, Australien, Neuseeland und die USA wurden jedoch angeflogen. Wir begaben uns zum Check-In-Schalter und legten unsere Rucksäcke auf das Band. Der Mitarbeiter der Airline fragte uns, ob wir australische Staatsbürger seien oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis besäßen. Als wir dies verneinten, schickte er uns zu einem Schalter der Australian Border Force. Australien hatte seine Einreisebestimmungen geändert, die Grenzen waren für Ausländer dicht. Für einen Zwischenstopp benötigte man eine Sondergenehmigung, die online beantragt werden konnte. Das taten wir unverzüglich. Die Bearbeitung sollte laut eines Mitarbeiters maximal einige Stunden dauern, mit etwas Glück würden wir es noch schaffen.

Die Zeit verging, eine Antwort blieb jedoch aus. Wir waren nicht die einzigen, einige Europäer standen vor dem Schalter und warteten vergeblich. Das war unsere letzte Chance auf einen eigenständigen Rückflug, die Preise hatten sich teilweise vervierfacht. Enttäuscht begaben wir uns zum Hotel und buchten für eine weitere Woche. Zwei weiteren Deutschen stand ein Flug über Australien noch bevor, nach unserer Schilderung der Situation stellten sie sofort den Antrag. Bis zum Abflug verblieben ihnen drei Tage, doch auch sie erhielten keine Antwort. Einen Tag später wurde der internationale Flughafen von Nadi komplett geschlossen, es fanden nur noch Inlandsflüge statt. Es zeichnete sich also ab, dass eine Rückholaktion für alle Europäer auf den Fidschi-Inseln notwendig war. Alle Urlauber registrierten sich auf der Website „rueckholprogramm.de“ der Bundesregierung.

Ohne abschätzen zu können, wann ein solcher Flug zustande kommen würde, versuchten wir, einige Unternehmungen zu starten. Viele der ausgewählten Orte waren allerdings nicht mehr zu erreichen, da Straßensperren errichtet wurden, um die Städte voneinander zu isolieren. Auch an Bussen mangelte es zunehmend. Wir blieben also die meiste Zeit in der Umgebung der Unterkunft, wo sich viele andere Deutsche aufhielten. Es wurde geraten, sich in die Nähe des Flughafens zu begeben, also stießen weitere Urlauber aus anderen Teilen Fidschis zu uns. Im Radio wurden neue Maßnahmen bekannt gegeben, wie beispielsweise eine Ausgangssperre von 20 Uhr Abends bis 5 Uhr am Morgen. Ein Regierungssprecher rief dazu auf, Hygienekonzepte einzuhalten und große Menschenmengen zu meiden.

Warten auf den Rückflug

Wir verbrachten unsere Zeit mit Sport, badeten im Pool und lasen Bücher am Strand, mehr zu tun gab es allerdings nicht. Günstige Grundversorgung erhielten wir durch einen kleinen Supermarkt und ein indisches Takeaway ganz in der Nähe. Außerdem begaben wir uns noch einmal in die Innenstadt von Nadi, wo zu unserer Verwunderung recht viele Geschäfte geöffnet hatten. Es durften jedoch nicht zu viele Menschen in einen Shop und viele Mitarbeiter trugen Masken. Die Einheimischen zeigten sich freundlich und verständnisvoll, Taxifahrer und Verkäufer, mit denen wir sprachen, waren interessiert und wünschten uns Glück. Anzeichen von Ablehnung gegenüber Fremden aufgrund des Virus gab es nicht. Durch die Rezeptionistin unseres Hotels erhielten viele einen Rabatt, eine Reaktion auf den längeren Aufenthalt und Ungewissheit bei der Buchung. So verging die Zeit, zwar langsam, aber sie verging.

Am Abend des 6. April schrieb dann Honorarkonsulin Frau Oldenburg in die WhatsApp-Gruppe, dass es einen Rückholflug gebe, der am nächsten Tag von Nadi aus starten sollte. Die allgemeine Freude war riesig, trotzdem gab es einige Zweifel, da bereits einige Tage vorher ein Flug von der Lufthansa angekündigt worden war, der jedoch kurz darauf wieder abgesagt wurde. Aus unseren geplanten zwei Wochen waren inzwischen vier geworden und wir hofften, dass es nun endlich nach Hause ginge. Uns fiel es von Tag zu Tag schwerer, unsere Zeit herumzubekommen und auch das Geld wurde langsam knapp. Es befanden sich viele ältere Menschen mit gesundheitlichen Problemen unter den Urlaubern und ihnen gingen die Medikamente aus, welche in Fidschi nicht so einfach zu bekommen waren. Zudem war für die nächsten Tage ein Zyklon vorhergesagt, der, wie wir später erfuhren, auch schwere Folgen hinterließ. Es wurde also durchaus Zeit, dass ein solcher Flug stattfand.

Rückweg über Brisbane, Doha, München

Informationen zu den Zwischenstopps oder zum Zielflughafen in Deutschland gab es nicht, nur eine Uhrzeit, zu der sich alle im internationalen Terminal einfinden sollten. Am nächsten Morgen begaben wir uns also dorthin, und in den Schlangen vor den Schaltern sahen wir viele bekannte Gesichter. Das Ziel des ersten Fluges war Brisbane, und für jeden Fluggast musste telefonisch eine Erlaubnis bei den australischen Behörden eingeholt werden. Das dauerte seine Zeit, der Flug würde sich um mehrere Stunden verspäten. Diese Zeit vertrieben wir uns im Duty-Free-Shop, der für uns geöffnet hatte. Nach dem Boarding saßen wir nun in einer Maschine der Fluggesellschaft Fiji Airways, die uns in vier Stunden nach Brisbane brachte.

In Brisbane angekommen wurden wir informiert, dass die kommende Nacht in einem Flughafenhotel verbracht werden würde, um am nächsten Tag mit Qatar Airways nach Doha, Katar weiterzufliegen. Alle Reisenden wurden von Mitarbeitern der deutschen Auslandsvertretung und Soldaten der Bundeswehr in Empfang genommen zu Reisebussen begleitet. Mit diesen fuhren wir einmal um den Parkplatz herum, schon waren wir am Hotel. Check-in und Zimmerbelegung funktionierten einwandfrei, ebenfalls wählten wir unser Abendessen, welches auf das Zimmer gebracht werden sollte. Unsere Zimmer durften wir in der Nacht nicht verlassen.

Am nächsten Morgen bekamen wir unser Frühstück, das vor die Tür gelegt wurde, danach begaben wir uns ins Foyer des Hotels. Von dort wurden alle wieder ins Terminal gebracht, wo wir dann auf den Check-in warteten. Das dauerte wieder etwas länger, da die Genehmigungen erneut telefonisch eingeholt werden mussten. Als der Flug dann schließlich aufgerufen wurde, bedankten sich viele bei den deutschen Mitarbeitern, die alles organisiert hatten.

Endlich zu Hause – Quarantänefrei

Es folgte ein 15-stündiger Flug nach Katar. Viele Plätze blieben frei, obwohl man schon einige Personen aus umliegenden EU-Staaten mitbeförderte. Als wir Nachts in Doha ankamen, konnte man in der Ferne die Skyline der Stadt erkennen. Alle Reisenden wurden nach der Ankunft in Wartebereichen untergebracht, in fünf Stunden sollte es weiter nach München gehen. Bis zum Abflug wurden wir dauerhaft beaufsichtigt, niemand durfte sich von der Gruppe aus fast 200 Personen entfernen, was allerdings auch niemand wollte, der Flughafen war wie ausgestorben.

Als wir dann endlich die Wartezeit hinter uns hatten, begann der sechsstündige Flug nach München. Bei Ankunft erhielten wir lediglich eine schriftliche Empfehlung, soziale Kontakte für 14 Tage zu meiden, Untersuchungen oder Derartiges gab es allerdings nicht. Auch in Quarantäne mussten wir uns nicht begeben, was einige vorher vermutet hatten. Mit den Bordkarten konnten alle Fluggäste kostenlos Züge der Deutschen Bahn benutzen. Maria trat ihren Heimweg nach Sachsen-Anhalt an. Ich stieg in einen anderen ICE: Nach insgesamt 48 Stunden Rückreise kam ich dann am Duisburger Hauptbahnhof an.

Fazit

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Zeit in Fidschi von drei Dingen besonders geprägt war:

Zum einen war es die Ungewissheit. Nachdem wir unseren eigentlichen Rückflug verpasst hatten, konnten wir nicht sagen, wann oder wie es nach Hause gehen sollte. Die Auslandsvertretung stand zwar in Kontakt mit uns, allerdings wurden keine Daten genannt, nur Zeiträume, welche sehr ungenau waren. Jeder Plan eines Rückholfluges schien zu scheitern. Der zweite Punkt war der Mangel an Bewegungsfreiheit. Nachdem viele Maßnahmen zur Einschränkung des Virus beschlossen wurden, hatten wir kaum noch Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, beziehungsweise uns überhaupt vom Hotel zu entfernen. Langeweile wird häufig unterschätzt, doch sie machte vielen der Urlauber stark zu schaffen.

Hinzukam, dass uns langsam, aber sicher das Geld ausging, was uns weitere Möglichkeiten nahm, unsere Zeit zu verbringen. Zudem wurde durch fehlendes Geld die Angst noch verstärkt, noch lange Zeit in Fidschi verbringen zu müssen, falls eine Rückholaktion nicht zustande kam. Glücklicherweise schaffte es das Auswärtige Amt, eine solche zu organisieren und durchzuführen. Die Rückreise war zwar mit knapp 48 Stunden sehr unangenehm, alles verlief jedoch mehr oder weniger ohne Probleme und war bestens organisiert.

Im Nachhinein bin ich froh, dass wir Fidschi in der ersten Woche noch „normal“ bereisen konnten und viele wunderbare Orte gesehen und interessante Menschen getroffen habe. Es war eine der Reisen, die mich in meinem Leben am meisten beeindruckt und begeistert hat. Dazu gehört allerdings auch die Zeit nach Lockdown und Flugausfällen, die gesamte Situation war zwar von negativen Ereignissen durchzogen, jedoch gab es auch einige Lichtblicke und schöne Momente. Alles in allem war es eine Zeit, die ich nie vergessen werde und eine absolut prägende Erfahrung.

Schreibe einen Kommentar

Kommentare (30)

  1. Helmut sagt:

    Ich kann nur jedem Jugendlichen raten solche Reisen zu unternehmen. Wenn ihr mal fest im Berufsleben steht gibt es bis zur Rente kaum Gelegenheit für lange (open-end) Reisen.
    Ich habe 1989/1990 mit wenig Budget 3 x die Sahara durchquert. Dies ist heute dank Terroristen unmöglich. Solche Erlebnisse bleiben ein Leben lang.
    Toller, witziger Bericht übrigens.
    An die Meckerer: Darüber das wir die Thomas Cook Ausfälle aus Steuermitteln bezahlen durften scheint niemanden zu stören?! Und klar, Corona habt ihr alle vorausgesehen.

  2. Gisela sagt:

    Der Bericht klingt spannend und die vielen Fidji Inseln sind bestimmt nicht langweilig. Und vernünftige Strände gibt’s auch auf der Hauptinsel; halt nicht beim Sheraton Hotel! Ich hab schon Monate dort verbracht und es gab immer wieder was spannendes zum Unternehmen. Da ich früher einen Onkel hatte der auf Tonga lebte kenne ich diesen Teil von Ozeanien recht gut.Ich gehöre ebenfalls zu den Vielreisenden mit weit über 100 Ländern und kann daher ebenfalls nicht verstehen, dass man einfach loszieht ohne eine finanzielle Rückfallebene zu haben. Sich auf Vater Staat zu verlassen ist für mich unverständlich, treist und blauäugig. Dazu kommt noch, dass man weiter nach Nandi fliegt, obwohl schon weltweit Flüge gestrichen und Grenzen zu geschlossen wurden, das kann ich nicht nachvollziehen!
    Ich selbst war Ende Februar noch in Südamerika unterwegs. Ich habe meinen Rückflug von Buenos Aires aus 1 Monat vorgezogen und bin daher unbeschadet nach Hause gekommen.
    … aber das wäre nicht so gewesen, wenn ich mich nicht für die weltweite Lage wegen Corona interessiert hätte und die Reise abgebrochen hätte.
    Jeder ist eigenverantwortlich für sich selbst!!!
    Ich hoffe nur dass die Rückholaktion nicht zu Lasten der Allgemeinheit ging.

    • Nici Terbonssen sagt:

      Wie alt sind Sie? Ebenfalls erst 18??😉

    • Christoph Terbonssen sagt:

      Wir wiederholen uns GERNE nochmal, für die ganz Hartnäckigen „Meckerer“:
      Wir haben von zu Hause aus ALLE Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Rückflug zu buchen, und zwar UMGEHEND. Dieser wurde uns bestätigt, das Geld war bezahlt. Dann schlossen über Nacht die Transitbereiche in Tokyo und NICHTS ging mehr! 1000€ sind weg – der Flug konnte – selbstredend – NICHT stattfinden. Das sind die unschönen Details hinter diesem Bericht. Auch die Mitreisende hat eine Menge Geld verloren, von der Aufregung und Angst über den Verbleib der Beiden mal abgesehen! ZUFRIEDEN, bzw. Negativität befriedigt?? Dann passt’s ja.. Viele Grüße schicken Phillip’s Eltern P.S. Die Kosten tragen wir, die Bundesregierung hat sicher nicht gezögert, das Ganze in Rechnung zu stellen – hoffe, Sie können nun gut „schlafen“……

  3. Uli sagt:

    Danke für den spannenden Bericht! Und die übwrflüssigen negativen Berichte einfach ignorieren…Besserwisser sind einfach überall. 😂

  4. MD sagt:

    Ich war am 12. Feb 2020 auf Fji Insel und im Flughafen habe ich keine Begrüßung mit Musik und Muschelkette gesehen bzw. gehört.
    Außerdem ist auf Hauptinsel wirklich kein Traumstrand zu finden, denen kann man nur auf die kleinere Inseln zu haben.
    Ihr Bericht war teilweise mit Fantasie „gepfeffert“ und naja, was Ihr begangen habt ist eine reine Dummheit und fahrlässig.
    Hoffe dass, eine ordentliche Rechnung bekommt Ihr zugeflattert… Zum Schluss über Fji Insel, nette Leute und schöne Landschaft
    hat mich angetan…aber werde dort nicht mehr wiederkommen, weil Klima ist einfach unerträglich schwülheiss.

    • Nici Terbonssen sagt:

      Den eigenen Frust loslassen kann man sicher besser an anderen Stellen – ich bewerte Ihren Kommentar als ‚Verschiebung‘, nicht schön..

    • Phillip sagt:

      Hi, es ist okay, wenn dir der Beitrag nicht gefällt, aber das mit der Begrüßung hat schon gestimmt. Mir haben auch die Strände auf der Hauptinsel gut gefallen (z.B. Natadola Beach), aber das muss ja jeder selbst wissen 🙂

  5. Monika sagt:

    Interessanter Bericht. Mich würde jedoch auch interessieren ob ihr von der Bundesregierung für die Rückholung schon eine Rechnung bekommen habt und wie hoch diese war.

    • Nici Terbonssen sagt:

      Zur Befriedigung Aller, die darauf ‚gieren‘ – ja, das haben wir.. Über die Höhe lassen wir uns hier natürlich nicht aus.

  6. Chris sagt:

    Netter Bericht! Mich wuerde interessieren, was die Bundesregierung dafuer in Rechnung stellt…

  7. Barbara Wohlfarth sagt:

    Als Reisebüro Inhaberin stehen mir echt da die Haare zu Berge. Sorry. Am 16.3 und 17.3 haben wir in Nacht und Nebel Aktionen unsere Kunden heimgeholt egal ob von fiji oder Neuseeland. Es war damals abzusehen, dass die Grenzen zu gehen. Aber australien und Neuseeland war zu Beginn noch offen. Bis zum 22.3 zu warten war ganz klar fahrlässig und verstehe ich nicht.

    • Nici Terbonssen sagt:

      Wir haben von zu Hause aus ALLE Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Rückflug zu buchen, und zwar UMGEHEND. Dieser wurde uns bestätigt, das Geld war bezahlt. Dann schlossen über Nacht die Transitbereiche in Tokyo und NICHTS ging mehr! 1000€ sind weg – der Flug konnte – selbstredend – NICHT stattfinden. Das sind die unschönen Details hinter diesem Bericht. Auch die Mitreisende hat eine Menge Geld verloren, von der Aufregung und Angst über den Verbleib der Beiden mal abgesehen! ZUFRIEDEN, bzw. Negativität befriedigt?? Dann passt’s ja.. Viele Grüße schicken Phillip’s Eltern

  8. Karl sagt:

    Na ja, wer schon kurz nach dem Abitur eine solche Reise macht, dem gönne ich alles, was da passiert. Aber auch da gilt das Motto: die Katastrophen von heute, sind die Anekdoten von morgen.

    • Herbert sagt:

      „kurz nach dem Abitur – dem gönne ich alles was, was da passiert“
      Da höre ich eine gehörige Portion Neid heraus! Traurig dass manche Menschen so denken. Ich freue mich für jeden, der die Möglichkeit hat etwas von der Welt zu sehen, auch wenn ich es selbst nicht kann. Neid vergiftet nur das eigene Leben.

  9. Tlo sagt:

    Da sieht man mal wieder, wie sehr Deutsche Bundesbürger sich auch im noch so fernen Ausland auf ihren (Sozial)Staat verlassen…. Wenn ich aus touristischem Anlass ans andere Ende der Welt reise, muss ich auch damit rechnen, dass ich bei unvorhersehbaren global relevanten Ereignissen zunächst mal auf mich gestellt bin. Diese Grundhaltung nach dem Motto „wir bereisen die ganze Welt, wie gross und verschieden sie auch sein mag, im Zweifelsfall wird uns unser Heimatland schon helfen“, kann ich wirklich nicht verstehen. Jede(r) Reisende, der die EU bzw. den Schengenraum zu touristischen Zwecken verlässt, sollte sich, ganz unabhängig von der aktuellen Krise, bei der Reiseplanung sehr gut überlegen, wohin er/sie reist und wie er oder sie ggfs. wieder zurück nach Deutschland kommt, falls dies außerplanmäßig nötig werden sollte. Ich persönlich, als jemand der selbst sehr gerne reist und neues entdeckt, habe kein Verständnis für diese „Globetrotter“, deren Lebenszweck offenbar darin besteht, jeden auch noch so abgelegenen Winkel der Welt persönlich erkunden zu müssen und dafür noch den letzten Euro auszugeben. Bleibt doch einfach mal in Europa, hier gibt es für ein Leben mehr als genug zu entdecken, „Langeweile auf Fidschi“ ist für mich wirklich die absolute Perversion des Reisens. Ich kann nur hoffen, dass diese traurige Coronapanedemie in der Einstellung der Menschen Spuren hinterlässt und das Reisen zukünftig in vernünftigere Bahnen lenken wird…

    • Dagmar Kaufmann sagt:

      Hätte ,hätte ,Fahrradkette!
      Wären wir doch alle so schlau wie unser Super-Thio !!

    • Nici Terbonssen sagt:

      .. leider gibt es immer wieder Menschen, die älter werden und vergessen haben, wie es so mit 18 war.. Oder?!

      • Tlo sagt:

        Als ich 18, nein 19, war, bin ich mit meinem ersten, damals schon schrottreifen, Auto zum Camping nach Frankreich gefahren, denn einen Interkontinentalflug hätte ich mir niemals leisten können (was natürlich nicht bedeutet, dass ich den nicht genommen hätte, wenn es möglich gewesen wäre). Ich gönne wirklich jedem seine individuellen Reiseerfahrungen, wenn es jemanden ans „andere Ende“ der Welt zieht, soll er gerne dorthin reisen. Was ich lediglich kritisiere ist eine gewisse Naivität (ja, die hatte ich mit 18/19 auch, aber da war ich eben auch nur in Frankreich und nicht auf Fidschi), mit der Menschen sich heute ganz selbstverständlich weit von zuhause und damit von ihrer gewohnten „Komfortzone“ entfernen. Es ist eben nicht so, dass die Uhren überall so ticken wie bei uns in Deutschland, und darauf sollte man, vor allem für den Fall von Ausnahmesituationen aber auch ganz allgemein, persönlich vorbereitet sein.

        Übrigens finde ich Dein „leider gibt es immer Menschen, die älter werden…“ ein echt hartes Statement. Du wirst auch älter werden, ob du willst oder nicht, und wirst dann dein früheres Leben wie auch die derzeitige Situation anders reflektieren. Ich habe in meinem Leben, glaub´s oder nicht, eine Menge wirklich verrückter, um nicht zu sagen wahnsinniger, Sachen gemacht, und ich bin wirklich der letzte Mensch, der die Reiselust anderer bremsen möchte. Es war lediglich meine Absicht darauf hinzuweisen, dass man in exotischen Destinationen, ganz grundsätzlich und speziell in Ausnahmesituationen wie dieser, damit rechnen sollte, auch solche Erfahrungen zu machen, auf die man eigentlich lieber verzichten würde. Wenn das falsch angekommen ist tut es mir leid, aber ich habe eben mit dem „Alter“ aufgrund persönlicher Erfahrung eine gewisse Einstellung zum Reisen entwickelt, bei der es einfach dazugehört, auf (fast) alle Eventualitäten vorbereitete zu sein…

  10. Marcus sagt:

    Guter Beitrag, danke dafür.

  11. Frank Lulof sagt:

    Hi Phillip, sehr intersessanter Beitrag, Danke für diesen Einblick in deine/eure Erfahrung.
    Ich, oder besser gesagt wir (ein Freund und ich) hatten eine ähnliche Erfahrung in der Karibik (Montserat/Antigua/Guadeloupe) und kamen mit gut 2 Wochen (16Tage) Verspätung endlich wieder nach hause (Luxemburg). Allerdings hatten wir nicht das Glück so “koordiniert betreut zu werden”… da das luxemburgische Auswärtsamt nichts für uns tun konnte und wir somit ganz auf uns alleine gestellt waren. Wir mussten schlussendlich auch 10 Tage in einem Studio in Quarantäne in Guadeloupe verbringen wo wir absolut nicht rauskamen da von der Polizei/Militär bewacht. Doch dank KLM-Airfrance -die echt super Arbeit geleistet haben- wurden wir nach sage und schreibe 24 Absagen/Umbuchungen/Stornos schlussendlich doch noch mit einem von ihren organisierten Rückholflüge nach Paris geflogen von wo aus wir dann die letzten 400km von einem Freund mit seinem Wagen nach hause nach Luxemburg gebracht wurden. Sicher eine Erfahrung reicher aber leider auch über 3000€ ärmer. Allerdings habe ich von anderen Fluggästen, die wir unterwegs kennen gelernt haben, gehört dass diese einige Wochen (!!!) länger festsassen… Ich denke mal dass unser Glück auch dabei lag dass ich eine ausgeprägte Reiseerfahrung besitze (bin bisher in über 160 Länder gereist und habe schon früher einige unvorhersehbare Reiseabbrüche -erlebnisse gehabt wie beispielsweise den Tsunami in Thailand/Kao Lak oder den Hurricane Andrew in den USA/Florida … die meines Erachtens dennoch viel schlimmer waren als unsere ‘Pandemierückholgeschichte”. Aber sicherlich für jeden von uns eine Erfahrung die man nie vergisst 😉

  12. Bernie sagt:

    Cooler Bericht! Vielen Dank und Gruß aus dem Düsseldorfer Norden 🙂

  13. Chris sagt:

    Ging uns auf den Cook-Inseln noch um Einiges schlimmer… :-O 😉

  14. marco malsiner sagt:

    Danke, ein sehr interessanter und spannender Bericht.

  15. Nici Terbonssen sagt:

    Sehr spannender Bericht – Danke dafür. K
    ann mir vorstellen, dass krasse Gefühle sowie Ungewissheit über den weiteren Verlauf von Tag zu Tag zugenommen haben..

  16. flml sagt:

    Danke für den Beitrag. Bin nur über den Punkt ‚Soldaten der Bundeswehr‘ am Flughafen Brisbane gestolpert? Bist Du sicher? Wo kamen die den her? Uniformierte Adhoc-Kräfte vor Ort könnten doch eigentlich nur die BPOL/PSA stellen? Wenn auch die Botschaft Brisbane eigentlich kein aktueller Verwendungsort ist …

  17. Anas sagt:

    Wow, vielen Dank für den Beitrag!

  18. Marcus sagt:

    Danke für den spannenden Einblick Phillip!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Hinweis: Sollte dein Kommentar nicht umgehend auf der Seite erscheinen, muss es zuerst von einem Moderator freigegeben werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn du zum ersten Mal bei uns kommentierst.

Suchen