Lufthansa: „Kulanzregel“ für Freigepäck im Light-Tarif jetzt dauerhaft?

Gepaeckuebersichert

Ende 2017 bot die Lufthansa Group erstmals einen Light-Tarif auf Langstrecke an. Was zunächst als Testballon für Flüge von Skandinavien nach Nordamerika startete, wurde dann nach und nach ausgeweitet. Seit Juni 2018 gibt es bei Lufthansa, United, & Co einen Light-Tarif auf fast allen Transatlantikflügen und im Oktober 2019 wurde das Gepäck dann auch auf Flügen nach z.B. Asien und Südamerika gestrichen.

Ähnlich alt wie die Light-Tarife ist eine Kulanzregel der Lufthansa. Auf der Website zum Light-Tarif (nur für Interkontinentalflüge) heißt es seit vier Jahren:

Im Rahmen einer Kulanzregel können HON Circle Member, Senatoren und Star Alliance Gold Member jedoch vorerst ein Gepäckstück bis 23 kg kostenlos mitnehmen. Diese Kulanzregel gilt ausschließlich für Lufthansa Flüge am Check-in-Schalter am Flughafen. Bei Vorabbuchung eines Gepäckstücks, z.B. online oder im Reisebüro, fällt eine Gepäckgebühr an.

Lufthansa.com

Unser besonderes Augenmerk lag dabei bisher immer auf dem Wörtchen „vorerst“. Dieses impliziert eine zeitliche Beschränkung und, dass die Kulanzregel jederzeit aufgehoben werden könne. So kamen schon vor drei Jahren Gerüchte auf, die Regel würde bald abgeschafft.

Das konnte bislang zum Glück nicht bestätigt werden. Stattdessen macht es den Anschein, dass die Kulanzregel nun dauerhaft eingeführt wird:

Lufthansa-Website impliziert dauerhafte Kulanzregel

Bislang wurde der Hinweis auf o.g. Regel gut versteckt. Nun wurde aber kürzlich die Infoseite Freigepäckregeln bei Lufthansa überarbeitet – und unter dem Abschnitt Freigepäck für Statuskunden folgender Passus eingefügt:

Auf Interkontinentalflügen ist das erste Gepäckstück im Economy Light-Tarif für HON Circle Mitglieder, Senatoren und Star Alliance Gold Kunden kostenlos und kann ausschließlich am Check-in Schalter angemeldet werden. Wird das erste Gepäckstück im Economy Light-Tarif online, im Service Center oder im Reisebüro gebucht, fallen entsprechende Gebühren an.

Hier ist keine Erwähnung mehr von irgendeiner zeitlichen Beschränkung. Vielflieger mit Star-Alliance-Gold-Status sollten nun also nicht mehr Gefahr laufen, beim Check-in-Schalter von einer Rechnung über 100€ überrascht zu werden.

Auf der Seite zum Light-Tarif sind die Wörter Kulanzregel und vorerst weiter zu finden. Diese Seite wurde allerdings seit vier Jahren nicht aktualisiert. Dagegen wurde obiges Zitat laut Internet-Archiv erst zwischen Januar und April 2022 eingefügt.

Zu beachten ist (wie oben nachzulesen), dass das erste Gepäck nur am Check-in-Schalter kostenlos ist. Auch der Gepäckrechner auf Lufthansa.com zeigt das Freigepäck weiterhin nicht an. Wer online einen Koffer bis 23 kg kostenpflichtig dazu bucht, verwirkt seine Statusvorteile.

Im Gepäckrechner ist von Freigepäck für Star Gold keine Rede

Flickenteppich bei Swiss, Austrian & Co

Bei der Lufthansa scheint die Lage nun also relativ klar zu sein. Anders sieht es bei den Töchtern Austrian, Swiss und Brussels Airlines aus.

Der Gepäckrechner auf der Website von Austrian zeigte noch im Oktober 2021 ganz offiziell ein Gepäckstück bis 23 kg für Star-Gold-Vielflieger im Light-Tarif an. Mittlerweile wurde die Website umgestellt (auf das gleiche System wie Lufthansa.com) und es ist keine Rede mehr davon.

Bei Swiss war nie die Rede von einer derartigen Kulanzregel. Die Website ist aktuell missverständlich. Eine Stelle lässt vermuten, dass Star-Gold-Mitglieder sehr wohl einen Koffer bis 23 kg kostenlos aufgeben können – und nur FTL nicht:

Statuskunden profitieren von zusätzlichem Gepäck. Davon ausgenommen sind Frequent Traveller im Economy Light Tarif.

Swiss.com

Scrollt man weiter nach unten, wird die Mitnahme von Aufgabegepäck im Light-Tarif hingegen explizit verneint.

Bei Brussels Airlines gibt es nur eine nichtssagende FAQ und einen Gepäckrechner. Letzterer ist identisch zu dem der Lufthansa – zeigt also ebenfalls kein zusätzliches Gepäck an.

Möglich wäre es also, dass die Kulanzregel auch bei Austrian, Swiss und Brussels geht. Falls die Mitarbeiter am Check-in aber anderer Meinung sind, gibt es keine Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen.

Fazit

Auch wir haben uns bei günstigen Lufthansa-Deals immer gefragt, wie lange die Kulanzregel wohl noch Bestand hat. Nun wurde sie endlich dauerhaft in die Gepäckbestimmungen eingepflegt. Statuskunden gewinnen dadurch zusätzliche Planungssicherheit. Denn sie können sich erst einmal sicher sein, dass die Regel nicht plötzlich über Nacht aufgehoben wird.

Bei Swiss, Austrian & Brussels bleiben die Konditionen hingegen unklar. Dass Passagiere bei Swiss für ihr Gepäck zahlen müssen, bei Lufthansa hingegen nicht, ist kaum nachvollziehbar. Ein Unding ist auch, dass solche Regeln weiter nicht im Gepäckrechner eingepflegt sind. Wozu existiert er überhaupt, wenn die Konditionen nicht korrekt sind? Vermutlich erhofft sich die Lufthansa hier zusätzliche Einnahmen von Kunden, die nicht über ihre Vorteile Bescheid wissen.

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Kommentare (16)

  1. Matthias sagt:

    Interessant finde ich hierzu das Wording auf der englischsprachigen Star-Alliance Homepage bzgl. zusätzlichem Gepäck für *G (https://www.staralliance.com/en/recognition): „Some airlines do not offer this benefit on individual flights but only on connecting Star Alliance flights. Within Europe on „Light“ fares offered by Lufthansa, Austrian & SWISS […] the extra baggage allowance is not offered.“ – im Deutschen gibt es diese Einschränkung auf Europa spannenderweise nicht.
    Ich würde der englischsprachigen Seite folgen und entsprechend im Umkehrschluss argumentieren, dass bei Interkontinentalflügen bei allen drei Airlines wohl das Gepäck drin sein müsste 🙂

  2. Luis sagt:

    Kulanz?? Für wen? Welches Klientel will LH mit ihrem “Light Intercontinental” ansprechen? Drogenkuriere, die Eco mit Handtäschchen fliegen, weil sie die Ladung im Bauch haben?
    Die Tarifgestaltung und das Verhalten während der letzten zwei Jahre hat mich nachhaltig zu AF/KLM gebracht. KLM war während der Pandemie immer telefonisch erreichbar und hat in wenigen Wochen die Tickets rückerstattet. Bei LH kam nur eine Bandansage, Rückerstattungen haben Monate gedauert. Bei KLM kann man selbst mit „Silver“ 25kg im günstigsten Tarif in Europa und interkontinental mitnehmen.
    Die Lounges, die LH in vielen Flughäfen geschlossen hat, werden wohl auch nicht mehr wieder kommen. Also habe ich mein Statuskärtchen nur noch für das Sammelalbum für Airlines, die früher mal bedeutsam waren!

  3. Pavle Seidel sagt:

    Heißt das in der Praxis: Buche online bei Lufthansa den Light Tarif und sage dann beim Check-in Schalter , da ich mit meiner LH Miles&more Goldcard gezahlt habe , ich habe noch ein Koffer (23 kg) mit und möchte ,unter in Anspruchnahme der Kulanz kostenlos mitnehmen! ??
    Oder muss ich das verstehen??

  4. Tobias sagt:

    Ist Deutschland – Tel Aviv eine Lang- / Interkontonentalstrecke?

  5. Dominik sagt:

    Lustig wird es dann mit SWISS Zubringer für LH Langstrecke usw., dass die so was nicht einheitlich hinbekommen, da liege ja der Vorteil einer Gruppe. Aber wenn man dies liest klingt es eher als würde man bei der Mafia einkaufen.
    Dann noch schön aufpassen was genau Interkontinental heisst. Wo beginnt dies schon wieder genau in Afrika oder Asien?

  6. Ced sagt:

    Wenn ich nun einen Zubringer innerhalb Deutschlands zu einem interkontinentalen Flug habe, gilt dann diese Regelung auch schon?
    Bsp.: MUC-FRA-EWR alles LH.

  7. teggers sagt:

    NEIN!

    Nur auf Interkonti Flüge gilt die Regelung. Andere Star Alliance Carrier sind da weitaus besser, aber bei LH heißt Light – Light wenn du in Europa fliegst.

    Wie kommst du auf die Idee, dass es jetzt auch im Europa Tarif anders sein soll?

  8. Aaron sagt:

    Das Freigepäck für Statuskunden im Light Tarif gilt bei der LH aber nur auf Interkontinentalflügen?
    Oder kann ich, sofern ich innereuropäisch mit der LH als Star Alliance Gold fliege, im Light Tarif auch einen 23kg Koffer aufgeben?

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