Flugzeitänderung bei Pauschalreisen – Was tun?

Strand Kreta

Bei der Auswahl einer Pauschalreise ist die Wahl der Flugzeiten für den Reisenden ein großes Thema. Ein später Hinflug oder ein sehr früher Rückflug kosten schnell einen oder im schlechtesten Fall zwei komplette Urlaubstage.

Umso ärgerlicher ist es, wenn dann ein paar Wochen nach der Buchung eine nicht besonders erfreuliche Email mit neuen Flugzeiten vom Reiseveranstalter zugestellt wird. Natürlich deutlich schlechter als der ursprünglich gebuchte Flug. Welche Rechte hat man dann und darf der Reiseveranstalter die Flugzeiten wirklich unverbindlich halten?

Achtung

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Szenarien, die zu einer Flugzeitänderung bei Pauschalreisen führen kann:

  1. Der Reiseveranstalter verschiebt den Flug von sich aus – kommt häufig bei (Voll)Charterflügen vor – oder bucht euch auf einen anderen Flug um, aber der ursprüngliche Flug wird wie geplant durchgeführt
  2. Die Fluggesellschaft selber annulliert ihren Flug oder ändert die Flugzeiten. Das kommt meistens bei Linienflügen vor

Wir gehen nachfolgend vom dem 1. Fall aus. Wenn ihr aber der Meinung seid, dass die Fluggesellschaft für die Änderung verantwortlich ist, lest unter Und was ist mit den Fluggastrechten? weiter.

Sind die Flugzeiten wirklich unverbindlich?

Bei der Buchung einer Pauschalreise findet man in den Flugdetails meistens den Zusatz:

Der Reiseveranstalter behält sich Änderungen der geplanten Flugzeiten und Fluggesellschaften im Rahmen der gesetzlichen und vertraglichen Möglichkeiten vor.

TUI Flugzeiten unverbindlich
Hinweis zu den Flugzeiten

Doch was bedeutet das genau? Darf der Reiseveranstalter damit die Flugzeiten beliebig ändern?

Grundsätzlich darf der Reiseveranstalter den Pauschalreisevertrag einseitig ändern und damit auch die Flugzeiten. Allerdings erhält der Passagier auch das Recht von dem Vertrag zurückzutreten, wenn die Änderung erheblich ist. Das hat die EU in ihrer Pauschalreiserichtlinie so festgelegt:

In bestimmten Fällen sollte der Reiseveranstalter den Pauschalreisevertrag einseitig ändern können. Reisende sollten allerdings vom Pauschalreisevertrag zurücktreten können, wenn durch die Änderungen eine der wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen erheblich verändert wird. Dies kann beispielsweise bei einer Verringerung der Qualität oder des Werts der Reiseleistungen der Fall sein. Eine Änderung der im Pauschalrei­severtrag angegebenen Abreise- oder Ankunftszeiten sollte beispielsweise dann als erheblich gelten, wenn sie dem Reisenden beträchtliche Unannehmlichkeiten oder zusätzliche Kosten verursachen würde, etwa aufgrund einer Umdisponierung der Beförderung oder Unterbringung. […]

(33) Richtlinie (EU) 2015/2302 über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen

Leider fehlt hier eine genaue Definition, wann eine Änderung der Flugzeit erheblich ist und dem Reisenden beträchtliche Unannehmlichkeiten oder zusätzliche Kosten bereiten. Die Entscheidung wird leider den Gerichten überlassen, was den ganzen Prozess für den Reisenden deutlich komplizierter macht.

Das Landgericht Hannover hat 2017 entschieden (8 S 46/16), dass eine Verschiebung der Flugzeiten um mehr als 5 Stunden einen anspruchsauslösenden Reisemangel darstellt.

Die Verlegung der Flugzeit von 13.40 Uhr – 16.00 Uhr auf 19.25 Uhr – 21.55 Uhr in Zusammenhang mit der Umbuchung der Reisenden von einem Linienflug auf einen Charterflug stellt einen anspruchsauslösenden Reisemangel dar, der über eine bloße Unannehmlichkeit, die in Zeiten des Massentourismus hinzunehmen ist, hinausgeht.

Urteil Landgericht Hannover 8 S 46/16

Als Faustformel, die aber leider in der Rechtsprechung nicht eindeutig geklärt ist, kann man bei einer Flugzeitenänderung von über 5 Stunden von einem Reisemangel ausgehen. Das ist aber trotzdem immer stark von den Umständen abhängig. In dem vom LG Hannover gesprochenem Urteil geht es z.B. auch darum, dass ein Kleinkind Teil der Reisenden war und die Ankunft am Zielort in den späten Abend gefallen wäre.

Diesen Reisemangel kann man unter Umständen als Begründung nutzen, um kostenfrei vom Vertrag zurückzutreten, eine Reisepreisminderung zu bewirken oder auch eine Ersatzbeförderung zu verlangen.

Von der Reise zurücktreten

Wenn die Reiseleistung durch die neuen Flugzeiten erheblich verändert wird, hat man als Kunde das Recht vom Pauschalreisevertrag zurücktreten zu können. Leider ist die Definition sehr schwammig und wird die Gerichte in den nächsten Jahren sicherlich gut beschäftigen.

Ob eine Flugzeitänderung dafür ausreicht, von der Reise zurücktreten zu können, ist immer vom Einzelfall abhängig. Eine Flugzeitenänderung von 5 Stunden reicht vielleicht aus, um einen Reisemangel geltend zu machen. Aber vermutlich ist das noch nicht genug, um von der kompletten Reise zurücktreten zu können.

Experten gehen eher bei über 10 Stunden oder Verschiebung um einen ganzen Tag von einer beträcht­lichen Unannehmlich­keit aus, die einen Rücktritt rechtfertigen würden.

In einigen Fällen bietet der Reiseveranstalter von sich aus einen unentgeltlichen Rücktritt an und sonst kann man auch einfach mal nett nachfragen. Wenn sich der Reiseveranstalter nicht ohne weiteres auf einen Rücktritt einlässt, dann ist ein Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang unausweichlich. Deswegen ist meistens der bessere Weg, eine Reisepreisminderung anzustreben:

Reisepreis mindern

Wenn ihr eine Flugzeitenänderung von eurem Reiseveranstalter erhaltet, ihr mit den neuen Flugzeiten nicht einverstanden seid und ihr sie als eine erhebliche Unannehmlichkeit empfindet, solltet ihr den Reisemangel umgehend beim Reiseveranstalter anzeigen und zur Behebung auffordern.

Im Idealfall macht ihr so etwas per Einschreiben mit Rückschein. Bei einer Mängelanzeige per Telefon oder vor Ort beim Reiseleiter z.B. wenn ihr die Reise bereits angetreten habt und euer Rückflug verschoben worden ist, solltet ihr einen unabhängigen Zeugen mithören lassen. Bei Anzeige per Email, könnt ihr eine dritte Person (sollte nicht euer Lebens-/Ehepartner-in) als zusätzlichen Empfänger oder in den CC setzten.

Sollte der Reiseveranstalter den Mangel nicht beheben, habt ihr nach dem Urlaub in Ruhe zwei Jahre lang Zeit, um eine Reisepreisminderung gelten zu machen. Ihr müsst den Reiseveranstalter aber auf jeden Fall die Möglichkeit geben, den Reisemangel zu beheben.

Für einen zeitlichen verschobenen Abflug kann man nach der Frankfurter Tabelle den Reisepreis für einen Tag ab der 5. Stunde um 5% mindern. Die Reisepreisminderung kann man wie folgt berechnen:

Info

Die Minderung um 5% bezieht sich auf den Reisepreis geteilt durch die Reisetage. Nicht auf den gesamten Reisepreis!

Reisepreis / Anzahl Reisetage x 0,05 x (Flugzeitenänderung in Stunden - 4) = Reisepreisminderung

Beispiel mit 6 Stunden Verspätung: 1.000€ Reisepreis / 7 Reisetage x 0,05 x (6-4) Flugzeitänderung = 14,29€

Beispiel mit 10 Stunden Verspätung: 1.000€ Reisepreis / 7 Reisetage x 0,05 x (10-4) Flugzeitänderung = 42,86€

Wenn sich die Flugzeit nicht um deutlich über 5 Stunden geändert hat, fällt die Reisepreisminderung wahrscheinlich recht gering aus.

Ersatzbeförderung verlangen

Nicht jede Flugzeitenänderung müsst ihr hinnehmen. Ihr könnt auch, um den Reisemangel abzuwenden, eine Umbuchung auf einen Ersatzflug fordern, der näher an euren ursprünglichen Flugzeiten liegt oder sogar den ursprünglichen Flugzeiten entspricht. Nicht selten buchen euch Reiseveranstalter zuerst auf einen Linienflug und setzten bei genügend Nachfrage einen Charterflug ein.

Die besten Chancen habt ihr, wenn ihr selber eine passende Flugverbindung heraussucht und diese dem Reiseveranstalter aktiv vorlegt (Flugnummer, Airline, Ab- und Ankunftszeit).

Trotzdem ist hier immer die Frage, ob sich der Reiseveranstalter darauf einlässt, aber man kann die Forderung nach einem Ersatzflug als gutes Druckmittel für eine Reisepreisminderung einsetzen.

Das letzte Mittel kann auch Selbsthilfe sein, indem man selber eine Ersatzbeförderung bucht und die Kosten vom Reiseveranstalter zurückzuverlangen. Hier muss aber immer die Frage nach der Angemessenheit beantwortet werden und deswegen ist es empfehlenswert, sich vor der Buchung eines eigenen Fluges rechtlichen Rat einzuholen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall später vor einem Gericht verhandelt wird, ist hier leider sehr hoch und da sollte man keine Fehler z.B. bei der Fristsetzung machen.

Und was ist mit den Fluggastrechten?

Für Flüge innerhalb der EU, mit Abflug von einem EU-Staat in ein Drittland (z.B. USA) oder mit einer EU-Fluggesellschaft (z.B. Lufthansa, British Airways… aber nicht American Airlines, Emirates…) gibt es sehr strenge Fluggastrechte, die sogar eine pauschale Erstattung von 125€ bis 600€ vorsehen. Diese gelten auch explizit für Flüge im Rahmen einer Pauschalreise!

Da die Unterscheidung zwischen Linienflugverkehr und Bedarfsflugverkehr an Deutlichkeit verliert, sollte der Schutz sich nicht auf Fluggäste im Linienflugverkehr beschränken, sondern sich auch auf Fluggäste im Bedarfsflugverkehr, einschließlich Flügen im Rahmen von Pauschalreisen, erstrecken.

Verordnung (EG) Nr. 261/2004 vom 11. Februar 2004 Gründe Absatz 5

Wichtig ist aber hier, dass zwischen einer Flugzeitenänderung durch den Reiseveranstalter oder einer Flugzeitenänderung (= Annullierung durch die Fluggesellschaft) unterschieden werden muss.

  • Bucht der Reiseveranstalter den Kunden auf einen anderen Flug um, ohne dass die Fluggesellschaft darauf Einfluss hat, hat man nach der Fluggastrechteverordnung kein Anspruch gegenüber der Fluggesellschaft.
  • Annulliert hingegen die Fluggesellschaft den Flug und bucht den Passagier von sich aus auf einen anderen Flug um, hat der Passagier alle Ansprüche gegen die Airline. Das gilt z.B. auch bei Verspätungen oder Überbuchungen.

Nicht selten kommt es vor, dass der Reiseveranstalter zuerst Pauschalreisen mit Linienflug verkauft und bei genügend Nachfrage einen eigenen Charterflug einsetzt und die Passagiere auf diesen umbucht. Das darf er.

Verschiebt aber die Fluggesellschaft selber den Flug oder streicht ihn komplett, hat man ggf. Anspruch auf eine Entschädigung oder anderweitige Beförderung zum Ziel. Eine pauschale Entschädigung muss die Airline aber nur zahlen, wenn der Flug weniger als 14 Tage vor Abflug annulliert worden ist und die Verspätung groß genug ist. Mehr dazu im Ratgeber zu Entschädigung bei Flugverspätung & Annullierung – Rechte bei einer Annullierung

Ein weiterer Grund für eine pauschale Entschädigung im Rahmen der Fluggastrechte kann aber eine Verspätung von mindestens 3 Stunden am Zielflughafen sein oder eine kurzfristige Annullierung. Hier hat man auch als Pauschalreisender dieselben Rechte wie ein normaler Passagier.

Ihr könnt aber auch für eine Verspätung, die erst am Reisetag entsteht, eine Reisepreisminderung beim Reiseveranstalter geltend machen. Allerdings werden eure Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft mit der Reisepreisminderung verrechnet. Ihr dürft leider nicht beides in eure Tasche stecken.

Fazit

Leider gibt es bei Flugzeitänderungen durch den Reiseveranstalter keine glasklare Rechtssprechung. Das führt dazu, dass man eine für den Reisenden häufig negative Änderung ohne großen Handlungsspielraum akzeptieren muss. Nur bei wirklich extrem Änderungen kann man von der Reise zurücktreten oder eine Reisepreisminderung durchsetzen. Besser sieht es aus, wenn die Airline selber den ursprünglichen Flug annulliert. Vor allem kurzfristig.

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