Startseite Magazin Bewertungen Bewertung: Mit Delta Airlines Boeing 767 in der Economy Class über den Atlantik *Update*

Bewertung: Mit Delta Airlines Boeing 767 in der Economy Class über den Atlantik *Update*

Die SkyTeam-Luftfahrtallianz ist in Deutschland eher unbekannt und genießt im Gegensatz zur Star Alliance keinen so guten Ruf. Dieses verstaubte Image bekommt auch das SkyTeam-Mitglied Delta aus den USA zu spüren – die zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt nach Passagieraufkommen. Wie es sich wirklich mit Delta fliegt – in der Economy Class – darauf möchte ich im folgenden Erfahrungsbericht eingehen.

Ich hatte die Gelegenheit im Rahmen einer geschäftlichen Reise von München zum größten Flughafen der Welt, dem Delta-Drehkreuz Atlanta, zu fliegen. Auf der Strecke werden Widebody-Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 767 eingesetzt. Delta hat davon zwei Varianten: Eine mit recht moderner Innenausstattung und eine Uralt-Version. Letztere durfte ich leider kennenlernen.

Update: Ich hatte erneut die Möglichkeit, von Atlanta nach München zu fliegen. Delta hat ihr Economy-Produkt nochmals aufgewertet. Ich habe die Neuerungen im Artikel als „Update“ ergänzt.

Check In

Ich hatte zwar ein paar Tage vor dem Flug noch einen Status Match von meiner Topbonus Gold-Karte zu Delta SkyMiles versucht. Leider war ich damit zu spät dran. Bestätigt wurde er kurz nachdem ich wieder in Deutschland gelandet war. Pech gehabt. Ich musste die Reise also als statusloser Economy-Passagier antreten.

Delta fliegt in München vom Terminal 1 Abflugbereich C ab. Trotz des fehlenden Vielfliegerstatus musste ich am Check-In-Schalter nicht lange warten. An insgesamt sechs Countern wurden die Reisenden kompetent und schnell bedient. Zuvor fand noch das bei amerikanischen Airlines schon seit längerer Zeit übliche Sicherheitsinterview statt: „Haben Sie ihren Koffer selbst gepackt?“, „Was ist in ihrem Gepäck“, „Reisen Sie mit ESTA oder Visum“ und „Was machen Sie in Atlanta?“ waren einige der Fragen. Das Interview dauerte vielleicht zwei bis drei Minuten. Danach bekam ich einen kleinen Aufkleber auf den Reisepass – der vermutlich bestätigt, dass ich o. k. bin.

Sicherheitskontrolle

Leider herrscht im Terminal 1 des Münchener Flughafens an Pass- und Sicherheitskontrolle fast immer reger Betrieb. Auch in der Priority Lane wäre ich nicht unbedingt schneller gewesen. Ingesamt habe ich vielleicht 15 Minuten gewartet.

Delta fliegt – ebenso wie Konkurrent American Airlines – von einem ins Vorfeld ragenden Terminal-Anbau ab. Wenn man den Durchgang vom Terminal zum Anbau betritt, warten bereits Sicherheitsmitarbeiter auf einen. Sie fragen, ob man seit dem Check-In nochmals irgendetwas gekauft oder geschenkt bekommen hat. Wer dies bejaht, wird einer erneuten Sicherheitskontrolle unterzogen. Gleiches gilt natürlich, falls man die berüchtigten SSSS auf die Bordkarte gedruckt bekommen hat. Im Anbau selbst befinden sich neben den Gates auch Toiletten und ein kleiner, überteuerter Imbiss. Ihr könnt den Anbau aber jederzeit wieder verlassen und ins normale Terminal zurückkehren.

Boarding

Der Anbau verfügt über keinerlei Fluggastbrücken, das bedeutet: Ihr müsst mit dem Bus zum Flieger fahren. Trotzdem gibt es die ganz normale Delata-Boarding-Reihenfolge:

  1. Pre-Boarding: Passagiere in Rollstühlen
  2. Pre-Boarding: Passagiere mit Kleinstkindern und aktive Angehörige des US-Militärs
  3. Diamond Medallion-Statuskunden und Delta One (Business)-Passagiere
  4. SkyPriority
  5. Economy Zone 1
  6. Economy Zone 2
  7. Economy Zone 3

Beim Boarding scheint es die Verantwortlichen nicht zu interessieren, dass sich die verschiedenen Gruppen im Bus zum Teil wieder vermischen. Wie dem auch sei, der Bus bringt die Passagiere in etwa drei Minuten zu einer Installation, die ich nur aus München kenne: Fluggastbrücken mitten auf dem Vorfeld. Der Bus hält an, die Passagiere fahren in einem kleinen Gebäude eine Rolltreppe hinauf und von dort aus laufen sie über die Jetbridge in den Flieger.

Delta Aussenansicht

Unsere Delta-Maschine an einer Außenposition des Münchener Flughafens

Komfort und Ausstattung

Ich hatte Pech: Bei der von mir genutzten Maschine handelte es sich um einer Boeing 767 des älteren Typs mit einer 2-3-2-Sitzkonfiguration. Sämtliche Plastikverkleidungen waren vergilbt, die In-Flight-Entertainment-Bildschirme sehr klein und es roch modrig. Die Sitze erinnerten mich an meine ersten Flüge als Kind in den 90er Jahren: Altbacken aussehend, ziemlich dick, durchaus bequem.

Delta Kabine

Kabine der Delta 767

An jedem Platz lagen Decken und Kissen bereit. Kopfhörer wurden kurz nach dem Start vom Personal verteilt, Erfrischungstücher nach den Mahlzeiten.

Die Toiletten waren zwar schon recht alt, wurden aber stets durch das Personal sauber gehalten. Extras wie eine Handlotion oder ähnliches wurden nicht angeboten.

Entertainment & W-Lan

Die Hardware des In Flight Entertainment-Systems war schon etwas veraltet, was dazu führte, dass es auf Benutzereingaben etwas langsam reagierte. Die Filmauswahl war umfassend, es gab auch Angebote in deutscher Sprache. Zum Einsatz kommen normale 3,5 mm Klinkenstecker, ihr könnt also eure eigenen Kopfhörer problemlos anschließen.

Delta IFE

Delta In-Flight-Entertainment

Gefühlt sind amerikanische Airlines was innovative digitale Systeme angeht wesentlich weiter als wir. So lassen sich über die Delta-App einfach und übersichtlich Sitzplätze ändern, Gepäck tracken und Upgrades anfordern usw. Die App funktioniert auch während des Fluges kostenfrei.

Das W-Lan an Bord scheint ganz gut zu funktionieren. Zwar habe ich nicht die 28$ für einen Tagespass investiert; Messenger wie iMessage, WhatsApp und Facebook Messenger können grundsätzlich kostenfrei genutzt werden. Erstaunlicherweise war das Senden von Bildern via WhatsApp blockiert, WhatsApp Audio und sogar Videokonferenzen funktionierten hingegen und zwar nicht einmal besonders schlecht! Warum dies nicht blockiert ist, lässt mich ehrlich gesagt rätseln.

Service an Bord

Sehr positiv überrascht war ich vom tollen Service und dem breiten Verpflegungsangebot, das meines Erachtens Lufthansa toppt. Die Flugbegleiter waren (fast) alle sehr freundlich und einige von Ihnen sprachen deutsch! Unter ihnen waren sogar zwei Muttersprachlerinnen, die offenbar in die Staaten ausgewandert sind. Kein Einzelfall: Die Stewardessen bestätigten mir, dass auf Deutschland-Flügen sogar eine gewisse Zahl deutschsprachiger Flugbegleiter konzernintern vorgeschrieben sind. Alle Ansagen wurden auf Deutsch wiederholt.

Update: Delta hat den Service mittlerweile aufgewertet. Die Passagiere können die drei möglichen Gerichte aus einer Speisekarte wählen. Zudem wird nach dem Start ein kleines Amenity Kit aus Plastik ausgeteilt, bestehend aus Schlafmaske und Ohrenstöpsel. Auch die kostenfreie Getränkeauswahl ist mittlerweile mehr als ordentlich:

Delta Bewertung Speisekarte

Nicht nur Bier und Wein sind kostenfrei:

Kulinarisch verwöhnt wurden wir schon unmittelbar nach dem Start mit ein einem kleinen Snack: Zur Auswahl gab es verschiedene Nuss- bzw. Knabbergepäcksorten. Tipp: Die Mandeln sind sehr lecker.

Delta Mini-Snack

Kleiner Snack kurz nach dem Abflug

Darauf startete schon der erste Getränkeservice, gefolgt vom Mittagessen und einem weiteren Getränkeservice. Es standen sogar drei Hauptgerichte zur Auswahl – üblich sind in der Economy Class eigentlich nur zwei:

  • Hähnchen mit Käse überbacken und Kartoffelbrei
  • Nudeln mit Tomatensauce und Käse überbacken
  • Salat mit Hähnchen und Käsegratins

Glücklicherweise gab es die Käsegratins beim Salat extra dazu. Denn: Obwohl ich mit Nachnamen Kaesberg heiße, esse ich keinen Käse. Bitte keine Diskussionen darüber, warum das so ist. Es hat keinen Zweck. 😉 Und nein, ich esse auch keine Pizza mit Käse. Jedenfalls hat Delta für Angehörige der käsefreien Zielgruppe nur ein sehr eingeschränktes Angebot. Auf meinem Weiterflug hatte ich die Wahl zwischen Käsesandwich und Käseplatte. Kein Witz.

Delta Hauptgericht

Salat mit Hähnchenstreifen war eines der drei angebotenen Hauptgerichte

Nach einigen weiteren Getränkeservices gab es dann ungefähr nach halber Flugzeit eine kleinen Snackbox. Diese bestand – wie sollte es anders sein – aus Hartkäse, Weichkäse, Weiß-der-Geier-Käse, Crackern und – immerhin – Schokolade.

Delta Snack

Kleiner Snack mitten über dem Atlantik

Es folgten erneut mehrere Getränkerunden, ehe wir vor der Landung noch die Wahl zwischen zwei warmen typisch amerikanischen Pies hatten: Maccaroni-Käse oder Hähnchen mit einer Lauch-Frischkäse-Sauce. Bei Letzterem habe ich beide Augen zugedrückt und es war überraschend lecker. Abgeschlossen wurde das kulinarische Angebot mit einem Schokoladeneis! Top!

Delta Transatlantik Economy Class Bewertung

  • Check-in & Boarding ★★★★★ ★★★★★
  • Komfort & Kabine ★★★★★ ★★★★★
  • Service ★★★★★ ★★★★★
  • Essen ★★★★★ ★★★★★
  • Entertainment & W-Lan ★★★★★ ★★★★★
  • Extras ★★★★★ ★★★★★
★★★★★ ★★★★★ 3,58

Fazit

Die Economy-Class von Delta ist zwar nicht mit Qualitätsairlines aus Asien und dem Nahen Osten vergleichbar,  gehört definitiv zu den besten auf dem amerikanischen Markt. Sie überzeugt mit freundlichen Personal und vor allem einem sehr umfangreichen Speiseangebot. Drei Mahlzeiten und Eis auf einem Zehn-Stunden-Flug – das bieten deutsche Airlines nicht zu diesem Preis. Lediglich für die vielen käsehaltigen Speisen gibt es einen halben Stern Abzug. Bedauerlicherweise hatte ich eine stinkende alte Maschine erwischt, weshalb ich das Fluggerät nur mit 2 Sternen bewerten kann. Sehr positiv ist hingegen, dass Messenger-Dienste wie WhatsApp über den Wolken kostenfrei genutzt werden können.

Adrian

Eigentlich von Beruf Radioredakteur. Seit ein paar Jahren regelmäßig in der Luft und auf der Schiene unterwegs. Seither durchforste ich täglich das Netz nach den besten Reiseschnäppchen. Ein Spezialgebiet von mir: Bahnreisen. Seit Juni 2017 bin ich im Team von Travel-Dealz. Ich freu mich über Mails an adrian@travel-dealz.de
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Kommentare (8)

  1. Sind im Juli 2018 mit einem Aibus von Zürich via New York nach San Francisco geflogen. Für mich; Airbus, modernes Flugzeug, anständige Sitze ( Economie halt), Unterhaltung wie schon beschrieben sehr gut, Sevice freundlich und hilfsbereit, Verpflegung; für mich sehr gut. Ab New York mit Boing, älteres Flugzeug, na ja doch immer noch ok.

    Auf dem Rückflug ab Frisco nach Amsterdam mit KLM. Wäre schön sie würden die alten Jumbos zu Frachtern umbauen und anständige, heute der Zeit entsprechende Glugzeuge einsetzen fü die 10Std. Flüge oder etwas die sitzreihen rduzieren um etwas gescheiter die Beine bewgen zu können.

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  2. Danke für den guten Bericht und das die Airline ausschließlich Käse Gerichte serviert, ist echt gedankenlos. Musste aber gut lachen, du hast bestimmt etwas fassungslos geschaut, als du jedes Mal die Wahl zwischen Käse, Käse und Käse hattest 😉

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  3. Bin die letzten Jahre etwa 30 mal in Eco an die Westküste geflogen mit Delta A330, 767-300 der neueren 767-400, sowie gelegentlich mit KLM und Airfrance.

    Die 767 von Delta meide ich in jeglicher Konfiguration. Der A330 hat für mich die bequemeren Sitze und ist innen leiser.

    Den Service bei Delta finde ich OK, nichts besonderes. Das Essen lasse ich meistens stehen und esse vorher am Flughafen. Es trifft nicht meinen Geschmack: speziell die sogenannte „Pizza“ die auf jedem zweiten Flug zum Frühstück serviert wird. Ich hatte aber auch schon zu oft das Vergnügen. Das Eis ist lecker.

    Statt Delta fliege ich im Skyteam wenn verfügbar KLM oder Airfrance, die einige transatlantische Strecken im Codeshare fliegen.

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  4. ihrer Bewertung über delta muc – atl kann ich nur zustimmen. wir flogen im November (als air berlin-geschädigte) ebenfalls mit der 767 und waren im großen und ganzen zufrieden, mußten uns auch mit einer alten 767 zufriedengeben, aber essen und Freundlichkeit der crew waren sehr in Ordnung. leider war der flug von atl – muc weniger o.k. das essen – einfach fürchterlich, Flugzeug wieder alt, einzig crew freundlich.

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  5. @J.
    Erste Amtshandlung Anwaltskanzlei , die auf sowas spezialisiert ist …mit Snyderpack , Zahn , Servierte und möglichst Zeugendaten .
    Für Dich kostenlos…dafür kassiert der Anwalt die Hälfte der Entschädigung…In den USA kann ein zu heißer Kaffe übers Bein gekippt locker 20 000 € bringen…

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  6. tolles review, danke! war mit delta bis jetzt immer sehr zufrieden. hatte aber auch immer die neueren maschinen. service finde ich immer sehr freundlich. hat wohl auch damir zu tun dass das durchschnittsalter der crew meist etwas höher ist als bei thai, swiss oder den arabischen airlines.. zumindest kommts mir so vor. da liegt öfters mal ein spruch oder ein extra snack oder getränk drin. gruss aus der ostschweiz

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  7. Danke Adrian,
    Die von Dir geschilderte „Käse – Problematik“ kenne ich auch!
    Übrigens…an einem Snack Päckchen von Snyders habe ich mir auf einem Flug nach Seattle einen Zahn abgebrochen… Erste Amtshandlung nach der Landung :Zahnarzt suchen!
    Ich lasse Seither Snyders-Packungen grundsätzlich liegen!

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  8. Ich kann dir nur zustimmen: Was die Verpflegung in der economy angeht, kann sich Lufthansa von manchem (günstigeren) Konkurrenten eine Scheibe abschneiden! Habe ähnliche Erfahrungen bereits mit delta und KLM gemacht – Geschmack, Auswahl und Umfang der angebotenen Speisen waren deutlich besser als beim oft so hoch gelobte Premium-carrier. Vielleicht möchte man sich hier auf die gehobenen Klassen konzentrieren, da kann ich aber nicht mitreden 😉
    Grüße

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