Bewertung der KLM Premium Comfort Class – die neueste Premium Economy auf dem Markt

klm premium mit trennwand

Seit diesem Sommer fliegt KLM nicht nur mit zwei Reiseklassen (Economy und Business Class), denn mittlerweile wurde in einigen Flugzeugen auch eine Premium Economy eingebaut. Diese heißt bei KLM Premium Comfort Class und wird nun nach und nach bis Januar 2024 die restliche Boeing-Langstrecken-Flotte ergänzen. Wir haben uns dieses brandneue Produkt auf einem Flug von Houston nach Amsterdam mal genauer angeschaut.

Hier erstmal die Fakten zum Flug:

  • Flug: KL662 von Houston nach Amsterdam (IAH-AMS)
  • Sitz: 15C
  • Flugzeug: Boeing 787-10 (PH-BKC), ausgeliefert im Oktober 2019)
  • Geplante Abflugzeit: 15:00 15:45
  • Tatsächliche Abflugzeit: 16:07
  • Geplante Ankunftszeit: 7:15 8:05
  • Tatsächliche Ankunftszeit: 7:41
  • Geplante Flugzeit: 9:15 9:20
  • Tatsächliche Flugzeit: 8:35
  • Reisezeitpunkt: Oktober 2022

Buchung

Ende September entschied ich mich, spontan noch einmal im Oktober in die USA zu verreisen. So kurzfristig waren die Preise nicht gerade Deal-würdig, doch eine Verbindung schien interessant. Von meiner Heimatstadt Hamburg nach Houston in der brandneuen Premium Economy von KLM für €1,000. Kein Schnäppchen, aber die neue Reiseklasse kennenzulernen, reizte mich schon. Den warmen texanischen Temperaturen war ich auch nicht abgeneigt und ca. 15.000 Meilen fand ich eine attraktive Ausbeute.

Eigentlich sollte bei einer Buchung, deren Flug in weniger als 2 Wochen stattfindet, nicht mehr allzu viel schiefgehen. Würde man denken, ist aber falsch gedacht, denn selten ging mehr schief. Zuerst kam etwa eine Woche vor dem Flug eine E-Mail, das Flugzeug sei ausgetauscht worden. Nun gäbe es keine Premium Economy mehr, also säße ich jetzt in der Economy Class.

Die Hotline wollte mich dann auch glauben lassen, dass es keinen anderen Flug in die USA gäbe, auf dem noch Premium-Economy-Plätze frei wären. Nach 2 Tagen Telefoniererei und sehr viel Eigenrecherche hat mich dann letztendlich die Delta Platinum Hotline auf Hamburg-Amsterdam-Detroit-Houston umgebucht. Nun wieder in der Premium Economy mit Abflug einen Tag vorher.

Aber damit war das Umbuchungs-Abenteuer noch nicht beendet. Denn am Vorabend kam wieder eine E-Mail von KLM, der Flug von Hamburg nach Amsterdam sei storniert worden. Die anderen Flüge nach Amsterdam seien außerdem ausgebucht. Also wieder an die Hotline, und nach 3 Stunden stand dann das endgültige Routing – nun wieder einen Tag später und mit Delta über Detroit. Zum Glück blieb mir der Rückflug, um die KLM Premium Comfort zu testen, und im Vergleich zum Hinflug waren die 45 Minuten Verspätung auf dem Rückflug ein Witz.

Der springende Punkt dieser Erzählung liegt darin, dass mir das alles nur gelungen ist, weil ich auf Deltas Website gebucht hatte und deren Hotline extrem hilfreich war. Am Ende haben die mich sogar auf HAM-AMS in die Business Class gesetzt, damit es funktioniert. Die KLM-Hotline war nicht hilfreich und hat mir quasi nur das Downgrade in die Economy Class angeboten.

Check-in & Boarding

Passagiere der Premium Economy haben Zugang zu allen SkyPriority-Services:

  • Priority Check-in und Gepäckabgabe
  • Fast Lane an der Sicherheitskontrolle
  • Priority Boarding

Als Statusmitglied hatte ich diese Vorteile ohnehin, plus Loungezugang. Trotzdem ist das ein netter Vorteil, den viele andere Airlines (z.B. Lufthansa) in der Premium Economy nicht bieten. Durch den separaten Schalter beim Check-in und die Fast Lane bei der Sicherheitskontrolle (Vorsicht, nicht an allen Flughäfen) spart man etwa eine Stunde – und Zeit ist ja bekanntlich Geld!

Dementsprechend lang war allerdings auch die Priority-Boarding-Schlange. Trotzdem lief das Boarding so reibungslos, dass ich selbst als einer der letzten in der Priority-Schlange innerhalb von 3 Minuten schon im Flugzeug war.

Sitze

Kommen wir zum vermeintlich interessantesten Teil. Wie sehen die Sitze aus und welche Funktionalitäten bieten sie an? Auf jeden Fall fällt sofort auf, dass die Sitze sehr breit sind. Hier waren sie in einer 2-3-2-Anordnung eingebaut, und ich saß in der letzten Reihe am Gang der 2-er Reihe. Die Premium-Economy-Kabine wird durch eine Trennwand von der Economy Class getrennt, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Die hervorragend gepolsterten Sitze haben jeweils eine Leselampe, ein seitliches Staufach, eine Fußstütze, eine Universal-Steckdose und je einen USB-A und USB-C Port. An der Rückenlehne des Vordersitzes befinden sich außerdem ein großer Bildschirm, sowie zwei weitere Taschen zum Verstauen von Handy, Buch oder ähnlichem. Zudem befindet sich in einer Armlehne der (angenehm große) Tisch.

Der Sitzkomfort ist sehr hoch. Zum Schlafen fand ich den Winkel der Rückenlehne nicht komplett überzeugend, dafür aber war der Sitz so breit, dass ich quasi seitlich mit angewinkelten Beinen schlafen konnte – das war mir in anderen Premium-Economy-Sitzen noch nicht gelungen. Insgesamt war ich mit dem Sitz sehr zufrieden – im Sitzen etwas mehr als zum Schlafen.

Zum Schluss noch die harten Fakten (laut der KLM-Website): Die Sitze bieten 17 cm mehr Beinfreiheit als in Eco (ergibt 96 cm Sitzabstand) und 20 cm zusätzliche Sitzneigung.

Essen & Trinken

Schon vor Abflug wurden ausgedruckte Speisekarten verteilt (ausschließlich auf Englisch). Kurz nach dem Abflug gab es dann die erste Getränkerunde und einige Nüsse. Wenig später kam dann auch schon das Abendessen.

Als Vorspeise gab es einen Krabbensalat mit Garnelen. Als Hauptgericht stand Folgendes zur Wahl:

  • Arancini-Bällchen mit Mozzarella
  • Gegrilltes Hähnchenfilet mit gerösteten Kartoffeln
  • Kalter thailändischer Rindfleischsalat mit geschnittenen Frühlingszwiebeln

Ich wählte das Hähnchen und war damit sehr zufrieden, sowohl mit der Menge, dem Geschmack und der Darbietung. Als Nachtisch gab es Häagen-Dazs Vanilleeis. Dies war lecker, allerdings auch steinhart.

Beim Frühstück war eigentlich auf der Speisekarte von French Toast und Vanillesauße die Rede (lecker lecker), bekommen habe ich aber Lachs, Käse, Pute und ein halbes gekochtes Ei. Das war zwar auch alles lecker und schmeckte besser als die allermeisten Flugzeug-Frühstücke, die ich bisher hatte – aber ich frage mich immer noch, wo der von mir heiß erwartete French Toast geblieben ist.

klm premium breakfast
Lecker, aber French Toast sieht anders aus

Service

Da wir nur etwa 7 Leute in der gesamten Premium Economy waren, war der Service sowohl schnell als auch sehr persönlich und freundlich, so wurden z.B. die Passagiere mit Nachnamen angesprochen. Auch hat die Stewardess schnell gemerkt, dass ich am liebsten Milch trinke. Schon nach der 2. Getränkerunde wurde mir deshalb immer wieder direkt Milch angeboten. Für ein kurzes nettes Geplauder war ebenfalls gelegentlich Zeit und nachts kam die Stewardess auch einige Male mit Wasser vorbei.

Während das Abendessen erfreulicherweise sehr bald nach dem Abflug serviert (und abgeräumt) wurde, habe ich mich sehr über das Timing des Frühstücks geärgert, denn dieses wurde ganze 2 Stunden vor der Landung serviert.

Bei einem Flug von unter 9 Stunden ist es schon schwer genug, nach dem Abendessen noch genug Stunden Schlaf zusammenzubekommen. Die Leute dann 2 Stunden vor Landung für ein Frühstück aus dem Schlaf zu reißen, dass den 7 Passagieren auch locker eine Stunde später hätte serviert werden können, macht für mich in keinerlei Hinsicht Sinn. Nichtmal von der Uhrzeit her war das logisch, da es so 5:40 Amsterdam-Zeit und 22:40 Houston-Zeit war. Alle haben ihr Frühstück in ca. 15 Minuten aufgegessen und saßen dann über anderthalb Stunden herum, bei voller Kabinenbeleuchtung. Keiner hat dann noch einmal schlafen können. Die Economy Class war übrigens auch fast leer, daran lag es also auch nicht.

In-Flight-Entertainment

Wie bereits erwähnt, hat jeder Sitz einen Touchscreen, der deutlich größer als in der Economy Class ist, natürlich aber kleiner als in der Business Class. Es gibt mehrere Filme und Serien zur Auswahl, aber Live-TV-Sender gibt es nicht. Das WLAN war auf meinem Flug defekt. Die große Filmauswahl hat mir aber als Entertainment schon mehr als gereicht, gepaart mit einigen Partien Wer wird Millionär? aus der Spiele-Sammlung.

In der Premium-Economy bekommt man außerdem geräuschunterdrückende Kopfhörer. Die Marke wird nicht angegeben, sie schienen aber einigermaßen hochwertig zu sein. Bei meinen funktionierte nur die rechte Seite, aber das ist bestimmt ein Einzelfall und nicht die Regel.

klm premium headphones

Amenity Kit

Die Amenities kommen hier nicht in einem Kit, wie sonst eigentlich üblich, sondern in einer (eher hässlichen) Tüte. Dieser dünne Stoffsack beinhaltet eine Zahnbürste und Zahnpasta zum Kauen. Außerdem gibt es auch eine Augenmaske und einen winzigen Kugelschreiber. Insgesamt ein eher unterdurchschnittliches Angebot.

klm premium amenity kit inhalt

Fazit

KLM Premium Economy (Premium Comfort)
  • Buchung
  • Check-in & Boarding
  • Sitzkomfort
  • Schlafkomfort
  • Essen & Trinken
  • Service
  • In-Flight-Entertainment
  • Amenity Kit
4
Conclusion

In der KLM Premium Comfort sitzt man fabelhaft in gemütlichen, breiten Sitzen. Schlafen kann man auch relativ gut. Jedenfalls, bis man 2 Stunden vor der Landung unnötig geweckt wird. Während der Sitz somit auf allerhöchstem Niveau ist, ist das Drumherum bei KLM oft etwas enttäuschend. Von der unmotivierten Hotline beim Versuch, das Downgrade zu umgehen, bis hin zum eher lieblosen Amenity Kit, gibt es hier viel Luft nach oben. Trotzdem hat mir die KLM Premium Economy sehr gut gefallen (auf jeden Fall mehr als bei der Schwester Air France). Bestimmt werde ich sie bestimmt noch öfter buchen.

Neben der neuen Premium Economy Class haben wir übrigens auch bereits die Economy und Business Class von KLM bewertet:

Titelbild: Ditmar Lange

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Kommentare (19)

  1. Kurt sagt:

    Mich würde interessieren ob das Entertainment ausschlieslich in English ist.

    • Ditmar Lange sagt:

      Hallo Kurt,
      nein, es sind mehrere Sprachen verfügbar, darunter auch Deutsch. Wenn du auf https://entertainment.klm.com gehst und die einzelnen Filme/Serien anklickst, wird dir auch angezeigt welche Sprachen angeboten werden, sowohl für Audio als auch für die Untertitel.

  2. lec sagt:

    bei der AF werden die Sitzschalen heftig kritisiert, hier scheint das gleiche System verbaut.. mit dem „Zurücklehnen verkürzt sich ja die Beinfreiheit massiv..

  3. Anne Waltinger sagt:

    Gibt es eigentlich keine Lektoren für die Beiträge?

    • Peer sagt:

      Solche Beiträge durchlaufen mindestens zwei Korrekturschleifen, ehe sie veröffentlicht werden. Damit lassen sich die meisten Fehler rausfischen, aber eigene Lektoren haben wir nicht angestellt.

  4. Michael sagt:

    Gab’s auf dem Hinflug bei Delta dann deren Premium Select, und hast du die bekommen oder nur Comfort+?

  5. Leopold Hametner sagt:

    Mich würde interessieren welche Entschädigung für das downgrade angeboten wurde.

    • Ditmar Lange sagt:

      Absolut nichts. Laut Gesetz hätte mir aber wohl eine Entschädigung von 75% des Preises dieses Segments zugestanden (denke mal, das wären ca. 300€). Die muss man sich dann aber auch erstmal erkämpfen.

  6. Martin Heitmann sagt:

    Wir haben mit der Hotline wie auch mit ausfallenden Flügen ganz ähnliche Erfahrungen bei unserem Flug nach Curacao gemacht.
    Die Sitze der Premium Eco in der B777 waren etwas anders, aber auch sehr bequem.
    Das Kabinenpersonal war wirklich super freundlich und aufmerksam. Nachdem die Crew mitbekommen hat, dass wir Deutsche sind, wurden wir auch auf deutsch angesprochen.
    Warum das Frühstück so früh gereicht wurde, verstehe ich auch nicht. Bei unserem Flug kam das Essen kurz nach dem Abflug und dann ca. 1 Stunde vor der Landung. Also so, wie man es üblicherweise kennt.

  7. Cedric sagt:

    Die Hotline von KLM/ AF ist so ziemlich die schlechteste überhaupt.
    Früher als der noch offen war, war dafür immer der Schalter in AMS dafür super. Konnte da als einziger auch die Skyteam/ BUD-Hawaii EF umbuchen.
    Sonst immer über Skype die USA-Hotline anrufen.

  8. Philipp sagt:

    Interessant. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit der Hotline von KLM (sehr freundlich – allerdings konnte ich nicht upgraden – weder mit meilen noch mit cash). Ein Sitzplatz wie hieroben wàre ein Traum für morgen.

  9. Harald sagt:

    Sehr amüsant, ich hatte den gleichen Flug KLM hat mich aber auf Nachfrage in der Hotline (immer den Supervisor sprechen) auf Business umgebucht.

    LG
    Harald T.

    • Matthias sagt:

      Hallo Harald,

      da ich gerade denselben Fall habe, mir aber Business nur gegen Aufpreis angeboten wurde, eine kleine Rückfrage:
      An welche Hotline hast Du Dich denn gemeldet? Und hast Du einen Status?

      Viele Grüße!

  10. Siegfried sagt:

    Enttäuschender Bericht. Die für mich wichtigsten Unterschiede gegenüber der Economy Class nämlich Sitzabstand, Sitzbreite und Neigungswinkel fehlen.

    • Bernd sagt:

      Jo, was interessiert einen der ganzen Kram drum rum. Das Essen ist auch in Business manchmal schrott. Da kann ich mir auch selbst was mitbringen und Headset + Tablet kann ich mich auch easy mit versorgen.

      Was ist mit Leuten die größer sind als 1,90 und lange Beine haben. Oder mit etwas kräftigeren Menschen, wie siehts da aus.

      Auf den Bildern sieht das vom Sitzabstand genauso schrottig aus wie ECO.

      • Ditmar Lange sagt:

        Also, als jemand der selber 1,90 m groß ist, kann ich sagen, dass ich problemlos die Beine überschlagen konnte. Konnte ich allerdings bisher in jeder Premium Economy. „Kräftigere Menschen“ -> ich weise mehrfach darauf hin, dass die Sitze sehr breit sind. Einen Zollstock habe ich aber nicht rausgeholt.

        Wenn du Essen, Headset, etc. selber mitbringen willst, ist das deine Entscheidung, aber wenn ich den Aufpreis für Premium Economy zahle, finde ich die Aspekte nicht unbedingt uninteressant. Und wenn KLM da mehr als andere bietet (z.B. bessere Kopfhörer als Lufthansa) ist das bestimmt erwähnenswert. Wozu braucht man sonst einen Erfahrungsbericht? Die Zahlen kriegst du trocken direkt von KLM: 17 cm mehr Beinfreiheit als in Eco und 20 cm Sitzneigung.

    • Ditmar Lange sagt:

      17 cm mehr Beinfreiheit als in Eco und 20 cm Sitzneigung (wird leider nicht in Winkel angegeben).

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