Travel-Dealz empfiehlt… Mit Interrail 1. Klasse durch Großbritannien (und 10 Gründe dafür)

LNER Azuma UK Zug

Im Mai dieses Jahres haben wir erstmals unsere Reihe Travel-Dealz empfiehlt… ins Leben gerufen. Im Rahmen dessen teilen unsere Redaktionsmitglieder persönliche Eindrücke von ihren Reisen, damit auch ihr Besonderes, Außergewöhnliches oder Skurriles miterleben könnt.

Nach der Münzabsaugung am Trevi-Brunnen vor sechs Monaten haben wir endlich einen zweiten Tipp für euch. Ich bin diesen Sommer mit Interrail durch Europa gereist und erinnere mich insbesondere an zwei Highlights: Eines davon sind die Züge der Rhätischen Bahn in der Schweiz, das andere der Trip durch Großbritannien. Die Reise über die Insel hat mich nämlich nicht nur als Bahn-Fan, sondern auch als Sparfuchs glücklich gemacht.

In diesem Beitrag habe ich ein paar bunt gemischte Aspekte zusammengestellt, die für eine Reise durch Großbritannien sprechen.

Tipp

Wer sich selbst von der Bahn in Großbritannien (und ganz Europa) überzeugen will: Noch bis Dienstag gibt es bei Interrail 25% Rabatt auf die Global Pässe. Ihr zahlt zum Beispiel:

  • 549€ für einen 2-Monats-Pass in der 1. Klasse (bis 27 Jahre)
  • 732€ für einen 2-Monats-Pass in der 1. Klasse (28+ Jahre)

Mehr dazu hier:

10 Gründe für eine Interrail-Reise durch UK

– Kostenlose Sitzplatzreservierungen

Viele Interrail-Reisende reagieren allergisch auf das Thema Sitzplatzreservierung. Schließlich nutzen einige Bahn-Unternehmen in Europa (Trenitalia, Eurostar, SNCF, …) das Thema, um die Idee eines flexiblen Bahn-Passes zu unterlaufen. Dort fallen dann oftmals zwischen 10€ und 40€ pro Fahrt an, um den Pass überhaupt nutzen zu können.

Nicht so in Großbritannien.

Bei The Man in Seat 61 bin ich auf einen Tipp gestoßen, den ich rege genutzt habe: Auf GWR.com können Sitze für alle Schnellzüge – auch mit anderen Bahn-Unternehmen – kostenlos reserviert werden. Für LNER empfiehlt sich hingegen die offizielle LNER-Website. Dort kann dann auch der Sitz auf einem Sitzplan ausgewählt werden. Alternativ wäre die Platzwahl das auch bis 2 Stunden vor Abfahrt am Bahnschalter (ebenfalls kostenlos) möglich.

Die Interrail-App redet davon, dass eine Sitzplatzreservierung für LNER und Co verpflichtend wäre. Das ist meines Wissens nicht korrekt. Aber trotzdem ist es besser, einen garantierten Platz zu haben.

– Kostenloses Essen (in der 1. Klasse)

Wer in Deutschland mit der 1. Klasse fährt, erhält ab und an eine kleine Rittersport-Tafel oder einen Keks. In Großbritannien ist das Catering – zumindest auf den Hauptstrecken – ein ganz anderes Kaliber. Je nach Tageszeit und Zug werden entweder kalte / warme Snacks oder richtige Hauptspeisen serviert. Und das, ohne auch nur einen Cent extra zahlen zu müssen.

Das beste Angebot scheint es bei Avanti West Coast und London North Eastern Railway (LNER) zu geben:

Nicht auf allen Strecken gibt es richtige Mahlzeiten. LNER beispielsweise unterscheidet je nach Tageszeit zwischen insgesamt vier Speisekarten: Brunch, Deli, Dish und Dine. Das volle Programm gibt es nur bei einer Dine-Fahrt.

#3 – Bequeme Sitze in modernen Zügen

In Großbritannien sind viele, moderne Schnellzüge unterwegs. Im Gegensatz zum deutschen ICE scheint man dabei tatsächlich auch den Passagier-Komfort bedacht zu haben. Bei meinen Fahrten mit dem LNER Azuma war ich von zwei Aspekten begeistert:

  1. Die Sitze sind gut gepolstert und selbst für lange Fahrten sehr bequem
  2. Es gibt riesige Tische! Und das beste: Selbst ein Einzelsitz kommt mit großem Tisch daher, auf dem man sogar einen Laptop mitsamt 2. Bildschirm unter bekommt. Bei der DB muss man dafür immer jemand fremden gegenübersitzen.

Natürlich weicht das Bordprodukt stark zwischen den einzelnen Bahn-Unternehmen ab. Die Inneneinrichtung bei Avanti West Coast ist zwar bequem, aber wirkt etwas antiquiert – und auch bei LNER gibt es noch einige ältere Züge. Aber der Sitzkomfort schien mir dort überall recht gut.

Anders sah es zugegeben in Wales aus: Bei Transport for Wales fand ich mich mehrfach in überfüllten Regionalzügen wieder, die nicht mal über eine 1. Klasse verfügen. Und auch in Schottland sollte man nicht zu viel erwarten.

#4 – Loungezugang (mit 1.-Klasse-Pass)

An den größeren Bahnhöfen betreiben die Bahn-Unternehmen exklusive Lounges für Reisende mit First-Class-Ticket. Mir wurde der Einlass stets auch mit dem Interrail-Ticket gewährt.

Zu viel sollte man hier nicht erwarten. Das Niveau liegt etwa auf Niveau einer ÖBB-Lounge. Es gibt also ein paar kleine Snacks und Getränke. Natürlich bietet die Lounge auch einen bequemen Platz, um auf den Zug zu warten – sofern das beim engen Takt auf vielen Strecken überhaupt nötig ist.

#5 – Günstige Hotels

London ist berüchtigt für seine hohen Hotelpreise. Selbst Budget-Hotels kosten dort oftmals über 100€ pro Nacht (teilweise auch das doppelte). Abseits der Hauptstadt sieht es zum Glück deutlich besser aus.

Bei Travelodge gibt es Hotelzimmer ab 25 £ (~29 €) pro Nacht und diese sind oftmals sogar recht zentral gelegen. Die Haken: WLAN kostet extra (Hallo Smartphone-Hotspot) und es gibt i.d.R. keine Gepäck-Aufbewahrung. Wer etwas höhere Standards wünscht, findet Hotels von Premier Inn ab ca. 50€ pro Nacht.

Ein Privatzimmer im Hotel für nur 30 £ (~35 €)? Bei Travelodge und Co nicht ungewöhnlich

Ich habe für meine Planung meist die Kartensuche von Google Hotels genutzt und mich für die Routenplanung dann etwas an den Hotelpreisen orientiert. In vielen Städten sind Hotels z.B. unter der Woche deutlich teurer, aber in Liverpool und Newcastle kaum.

#6 – Hohe Ersparnis

In Deutschland fluchen wir gerne über die hohen Bahnpreise der DB. Den Briten geht es da nicht anders. Die Preise sind dort sogar noch krasser. Wer morgen spontan in der 1. Klasse von London nach Edinburgh fahren möchte, zahlt dafür bis zu 304 £ (~355 €):

Bei entsprechender Vorausplanung wäre es deutlich günstiger möglich. Aber für eine flexible Reise durch Großbritannien ist der Interrail-Pass auf jeden Fall eine super Option. Und fühlt es sich nicht toll an, so viel Geld zu sparen? 😉

Die Preisgestaltung führt zudem dazu, dass die Züge – zumindest in der 1. Klasse – bei mir niemals komplett ausgebucht waren.

#7 – Kostenlose Museen

In Großbritannien sind grundsätzlich alle staatlichen Museen kostenlos begehbar. Oftmals gibt es ein paar Sonder-Ausstellungen, für die dann eine Gebühr verlangt wird. Aber ich hatte ohnehin gar nicht die Zeit, mir alle Ausstellungen bis ins Detail anzusehen.

Sehr sehenswert fand ich das Eisenbahnmuseum in York:

#8 – Großbritannien ist vielfältig

Von der Metropole London bis zu den Hügeln Schottlands oder den Stränden in Wales: Großbritannien ist ein sehr vielfältiges Reiseland, das genug für eine 2- bis 4-wöchige Reise (und vermutlich noch deutlich mehr) zu bieten hat. Dazu kommen die zahlreichen historischen Gebäude an jeder Ecke.

Die meisten Regionen – und natürlich alle Großstädte – lassen sich gut mit der Bahn erreichen. Natürlich gibt es aber auch Bereiche, die mit der Bahn nicht bzw. nur schwer zu erreichen sind – etwa Nationalparks wie der Lake District. Einen Plan des gesamten Streckennetzes gibt es übrigens hier.

#9 – „Meal Deals“ an jeder Ecke

Auch, wenn es im Zug kostenlos ist: Irgendwann wird man sich doch auf eigene Kosten versorgen müssen. Für kleine bis mittelgroße Snacks sind Mini-Supermärkte wie Tesco Express meines Erachtens die beste Wahl. Dort bekommt man ein „Hauptgericht“ (Sandwich, Wrap, Salatbox …) zusammen mit Beilage (Schoko-Croissant, Scotch Egg, …) und Getränk für rund 4€.

Bei Morrisons (leider selten in Innenstädten zu finden) beinhaltet der Meal Deal sogar eine Box von der Salat-Theke zum selbst zusammenstellen. Den besten Preis gibt es in der Regel mit Club Card (kostenlose Kundenkarte), sonst werden ca. 50 Pence mehr fällig.

Und wer doch lieber selber kochen will: Viele Grund-Nahrungsmittel sind in Großbritannien erheblich günstiger als in Deutschland. Eine Packung Spaghetti gibt es zum Beispiel für nur 28 Pence (0,32€). Hierzulande zahlen wir mehr als das doppelte.

#10 – Mit der Bahn durch den Ärmelkanal

Zugegeben, eigentlich hat mich der Eurostar alles andere als überzeugt. Obwohl es sich um einen Zug handelt, vereint er so ziemlich alle Nachteile eines Fluges: Es gibt Sicherheitskontrollen, man wird in eine enge Wartehalle gepfercht und dazu kommt die horrende Reservierungsgebühr. Letztere betrug für die Fahrt London – Rotterdam stolze 45€ und ist nichts weiter als ein Zuschlag für Interrail-Passagiere.

Und doch ist es faszinierend, einfach durch den Ärmelkanal nach Großbritannien fahren zu können. Für mich war Großbritannien gedanklich immer ein recht weit entferntes Ziel, das quasi nur mit dem Flugzeug erreicht werden kann. Dabei dauert eine Fahrt von London nach Brüssel nicht länger als von mir zuhause (Rostock) nach Hamburg.

Eurostar Zug 1
Der Eurostar kurz vor Abfahrt Richtung Amsterdam

Bonus: Das günstige(re) PlusBus-Ticket

Wer mit der Bahn durch Großbritannien fährt, profitiert in vielen Städten von vergünstigten Bus-Tageskarten. Zu erwerben sind diese nur am Bahn-Schalter bei Vorlage der Bahn-Fahrkarte (bzw. des Interrail-Passes).

Das Ganze nennt sich PlusBus und die Preise gibt es auf PlusBus.info. Die Ersparnisse sind nicht immens. Meist zahlt man ca. 4€ bis 5€ für eine Tageskarte. Der größte Vorteil liegt darin, dass man unkompliziert losfahren kann und oftmals mehrere Bus-Unternehmen abgedeckt sind. In einigen Städten fahren mehrere Bus-Unternehmen parallel, für die man sonst jeweils eigene Karten kaufen müsste.

Fazit

Großbritannien mag die EU verlassen haben, aber ist weiterhin ein fester Bestandteil Europas. Ich habe Großbritannien als ein interessantes, vielfältiges Reiseland mit freundlichen Leuten erlebt. Das Bahnnetz ist in weiten Teilen gut ausgebaut und mit diversen Annehmlichkeiten für Interrail-Reisende besonders attraktiv.

Einzig den Reisepass solltet ihr nicht vergessen, denn ein Personalausweis genügt zur Einreise leider nicht mehr.

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Kommentare (5)

  1. Messenhausen sagt:

    Danke für den inspirierenden Artikel. Ich reise selbst alle zwei bis drei Monate zwischen GB und DE hin und her. Mit dem interrail Pass 1. Klasse kommt für die Fahrt mit dem Eurostar noch ein Zuschlag von 40€ je Richtung dazu (incl. Gebühr). Die genannten Vorteile kann ich nur bestätigen, insbesondere beim Essen und Trinken im Eurostar, in der Eurostar Lounge (nur mit sep. Zugangsberechtigung), bei Avanti Westcoast und in deren Lounge in Euston und Birmingham.

    Vor allem aber ist die Flexibilität unschlagbar. Das einzig fest gebuchte Element ist der Zuschlag im Eurostar, und dieser lässt sich auch kurzfristig noch gegen eine Gebühr von 20€ umbuchen. Für mich bedeutet das, dass ich im Falle einer Umbuchung von z.B. eine Woche später 40€ Gebühr „verliere“, mehr nicht.

    Einzige downside: die Anzahl von Sitzplätzen für interrail user ist ziemlich limitiert und kurzfristig sind oft keine Plätze mehr zu bekommen. Wer allerdings den Pass 1. Klasse hat, kann auch Zuschläge 2. Klasse buchen; das gehr anders herum natürlich nicht.

    Meine Empfehlung: 10 Tage innert 2 Monate für nun nur 401€, d.h. ca. 40€ für einen „Tagespass“ 1. Klasse. Bei einer Reise in GB mit Essen und Trinken in Lounge, Zug, und wieder Lounge, ein exzellenter Preis.

  2. Robert Seviour sagt:

    Excellent and comprehensive report – thank you. I’m British and my perspective is different, I enjoy DB apart from high traffic days on Regionalbahn. I didn’t know of the many benefits of the Interrail pass – if you can take a very long holiday, it offers good value for money. For cheap eating and drinking in UK nothing beats what you will find in a Weatherspoons pub – a meal with beer or other drink can be had for less than £10, it is also a place to see a mass of British people, particularly on days with sports matches. For other general shopping, Poundland stores are unbeatable – all the basics can be found, clothing to food and everything for one or two pounds. Like Weatherspoons pubs they are in multiple locations in every large town or city. If you want live music Bristol has everything; it is also the home city of Banksy the artist and you can see examples of his work in the street.

  3. Jakob sagt:

    Ich habe dieses Jahr genau dasselbe mit Interrail in Großbritannien erlebt und dabei tatsächlich vier der hier sechs abgebildeten Points of Interests besucht. Besonders toll ist LNER beim 1. Klasse-Reisen, hier (und bei Avanti West Coast) gibt es auch kostenlos alkoholische Getränke (Bier, Wein, Gin, Wodka, Whiskey) und einen sehr tollen Service. Gerade die Fahrt von Inverness in den Highlands bis London lohnt sich: Es gab Frühstück, Mittagessen,Snacks und viele, viele Freigetränke. Ich hab es genossen und empfehle insbesondere das englische Frühstück „Full LNER“ bzw. „The Great British Breakfast“ bei Avanti West Coast. Ein anderer Interrailer mit 2. Klasse-Ticket wollte auch das LNER-Angebot eines 45 Pfund-Aufschlages für die lange Fahrt nutzen; ich weiß leider nicht, ob es geklappt hat, aber für bisschen Luxus ist das auch eine nette Alternative. Die Lounges von LNER waren aber nicht so prickelnd, da lohnen sich jene von Avanti West Coast oder GWR mehr. Im Regionalverkehr gibt es selten 1. Klasse, da lohnt es sich also kaum. Außer bei Greater Anglia zwischen Norwich und London, wo es auch kostenlos Heißgetränke gab (Selbstabholung im Bistro).

    In der Auflistung wurde Transport for Wales und Hull Trains (nur sehr wenige Züge) vergessen, die auch einen guten Service haben sollen (Snacks + Getränke gibt es dort, aber keine großen Mahlzeiten – bei TfW soll es gutes Catering gegen Aufpreis geben). Leider habe ich diese Züge nicht genutzt.

    • Peer sagt:

      Danke für die Ergänzungen. 🙂 Das Full Breakfast bei LNER kann ich ebenfalls sehr empfehlen, ist auf einem der Bilder zu sehen

      Transport for Wales war bei mir eine Katastrophe (LLandudno Junction – Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch): Überfüllte Regionalzüge ohne 1. Klasse, in denen ich die ganze Strecke stehen musste. Auf Cardiff – Holyhead und Cardiff – Manchester sieht das Essen in der Tat gut aus, wenn man bereit ist zu zahlen:
      https://tfw.wales/ways-to-travel/rail/food-and-drink/first-class-dining

  4. Meilengeier a. D. sagt:

    Vielen Dank für die schönen Einblicke. Tatsächlich habe ich bisher Großbritannien immer mit maroden, alten und überteuerten Zügen assoziiert. Im Sommer steht aber eine größere Reise in den Norden an, unter Umständen weiche ich auf die Züge aus.

    Danke für deine Mühe!

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