Bewertung: EVA Air Economy Class in der Boeing 777

Eva Air 777

Travel-Dealz-Redakteur Adrian ist im Frühjahr 2019 mit dem taiwanesischen Star-Alliance-Mitglied EVA Air von Taipeh nach Wien geflogen. Seine Boeing 777-300ER machte dabei – wie einige Verbindungen der Airline zwischen Taiwan und Europa – noch einen Zwischenstopp in Bangkok. Die Reise legte er in der Economy Class zurück. Sein Erfahrungsbericht:

Check-In

Der Flughafen Taipeh-Taoyuan ist der größte Airport des Landes und EVA Air hat auf ihm ihr Drehkreuz. Flüge der Airline werden im recht modernen Terminal 2 abgefertigt. Da ich kein Gepäck aufzugeben hatte, wollte ich eigentlich den Online-Check-In nutzen und so den Counter überspringen. Die EVA-Air-App zeigte jedoch bei diesem Versuch eine Fehlermeldung an. Somit suchte ich den Check-In-Bereich auf: Es gibt gesonderte Schalter für Economy Class, Premium Economy Class, Business Class und Star-Alliance-Gold-Member. Aufgrund meines Vielfliegerstatus konnte ich letzteren Schalter nutzen, an dem es zu keiner Wartezeit kam. Am Economy-Counter hätte ich vielleicht 5-10 Minuten anstehen müssen. Ich zeigte meinen Pass vor und erhielt unverzüglich die Bordkarte – Platz 45 K – Notausgangsreihe! Ob ich zufällig an diesen Platz mit mehr Beinfreiheit gesetzt wurde oder das mit dem Vielfliegerstatus zusammen hing: Keine Ahnung!

Als Economy-Gast genießt ihr grundsätzlich Freigepäck. Im Gegensatz zu den meisten anderen Airlines setzt EVA Air auf das Gewichtskonzept, nicht auf das Stückkonzept. Bedeutet: Es ist egal, wie viele Gepäckstücke ihr mitnehmt, Hauptsache die Gewichtsgrenze wird nicht überschritten. Wie viel ihr mitnehmen dürft, ist abhängig von eurer Buchungsklasse:

Gepaeckmitnahme EVA Air
Auf Flügen in der Economy Class dürft ihr zwischen 20 und 35 kg mitnehmen © EVA Air

Star Alliance Gold-Mitglieder dürfen darüber hinaus 20 kg extra mitnehmen. Sitzplätze am Notausgang lassen sich für 4627 TWD (= ca. 130€) pro Leg reservieren. Kostenfrei bei Buchung reservierbar sind diese Sitze nur für die eigenen Gold-Member, jedoch nicht für Star Alliance Gold! Leider gibt es für Statuskunden keine Security-Fast-Lane. Jedoch kam es auch an den „regulären“ Schlangen von Fluggastkontrolle und Grenzpolizei kaum zu Wartezeiten.

Lounge

Im Terminal 2 des Flughafens Taoyuan befinden sich gleich drei EVA-Air-Lounges direkt nebeneinander: The Star, The Garden und The Infinity. Zu den letzteren beiden haben ausschließlich Business-Class-Reisende Zutritt, die anderen beiden dürfen auch von Statuskunden mit Economy-Ticket betreten werden. Ich statte The Star einen Besuch ab – und war nicht sonderbar angetan. Die Lounge ist zwar recht groß, wirkt aber trotzdem düster und beengend. Sie verfügt über eine Fensterfront, jedoch mit Blick auf die Check-In-Halle. Die Getränkeauswahl ist ok, das Essen ist mittelmäßig, aber immerhin gibt es Eis.

Da ich noch eine gute Stunde Zeit bis zum Abflug hatte, entschloss ich mich, eine Dusche zu nehmen. Die Duschkabinen sind leider nicht mit einem WC ausgestattet, dafür liegen Unmengen an Amenities aus: Handcreme, Lippenbalsam, „M“-Creme, Seife, Zahnbürse, Zahnpasta, Body Lotion, Duschhaube und sogar Haargel. Das einzige, was man nur auf Anfrage beim Personal bekommt, sind Rasierer. Wollt ihr Duschen, müsst ihr euch beim Personal am Empfang anmelden und erhaltet ggf. einen Pager. Ich wurde etwa 10 Minuten nach meiner Anmeldung aufgerufen.

Boarding

Ähnlich wie bei Lufthansa gibt es nur zwei Boardinggruppen: Economy-Class-Boarding und Priority Boarding (für Business Class, Premium Economy und Statuskunden). Das Boarding startete auf die Sekunde pünktlich und ging sehr zivilisiert von statten.

Nach kürzester Zeit konnte ich meinen Platz 45 K in der Notausgangsreihe einnehmen. Dabei handelt es sich auch um die erste Reihe in der Economy Class hinter der verhältnismäßig großen Premium Economy.

EVAAIR 777-300ER 333 客座
Die Seat Map der Boeing 777-300ER

Kabine & Komfort

Die Airline hat derzeit mehrere Konfigurationen der Boeing 777-300ER im Einsatz: Solche mit 3-4-3, als auch solche mit 3-3-3-Bestuhlung. Ich hatte großes Glück: Ich hatte eine Version (Seatguru) mit 3-3-3-Sitzkonfiguration erwischt und noch dazu die Variante, bei der es am Notausgang keine Aussparung für die Notrutsche gibt, die die Beinfreiheit einschränkt. Checkt am besten bei Seatguru bei der Buchung, welche Version für euch vorgesehen ist. Der Sitzabstand auf regulären Sitzen (nicht Notausgang) ist mit 81 cm leicht überdurchschnittlich und übertrifft z. B. die Lufthansa mit ihren 79 cm. Die Sitzbreite ist mit 43 cm (3-4-3-Bestuhlung) bis 46 cm (3-3-3-Bestuhlung) durchschnittlich schmal. Die Sitze lassen sich – für meinen Geschmack – verhältnismäßig weit nach hinten zurückklappen. An jedem Platz liegen Kopfhörer und Kissen aus – und vor dem Start werden auch noch außergewöhnlich dicke Wolldecken (in Plastik verpackt) verteilt.

Auf meinem Platz in der Notausgangsreihe hatte ich praktisch unendliche Beinfreiheit. Ich konnte mir sogar eine Art eigene „Premium Economy“ basteln, in dem ich meine Füße auf meinen recht großen Rucksack legte und mich so in eine angenehme Liegeposition brachte. Der Notausgangssitz hat aber auch Nachteile: Die Armlehnen sind recht breit und noch dazu starr, lassen sich also nicht hochklappen. Zudem befinden sich Tisch und Entertainmentsystem ausklappbar in der Armlehne. Das Problem, dass sich Passagiere am Notausgang versammeln um auf das Freiwerden der Toiletten zu warten, hatte ich nicht. Die Toiletten in diesem Bereich sind nämlich ausschließlich für die Premium-Economy-Class, welche mit einem Vorhang getrennt ist. An den Notausgangssitzen liegt sogar noch ein weiteres kleines Kissen mit „Reserved for Exit Row“ aus!

Die insgesamt 7 Waschräume in der Economy Class wurden während des Fluges gut in Schuss gehalten und waren außergewöhnlich gut ausgestattet. In jeder Toilette lagen Zahnbürsten, Zahnpasta, Augenmasken und Ohrenstöpsel zum Mitnehmen aus. Zudem gab es Spender mit Handcreme, Handbefeuchter, Gesichtsbefeuchter und Flüssigseife. Wow – wirklich ungewöhnlich für eine Economy Class!

Entertainment & WLAN

An jedem Platz in der Economy Class sind moderne In-Flight-Entertainment-Touchscreen-Monitore von Panasonic installiert. Sie bieten 11 Zoll (= 28 cm) Bildschirmdiagonale und sind damit ähnlich groß wie bei der Lufthansa und vielen anderen Airlines. Über den Monitor habt ihr Zugriff auf die Airshow, das Duty-Free-Angebot und natürlich eine große Auswahl an TV-Shows und Filmen. Das aktuelle Entertainment-Angebot könnt ihr hier online einsehen. Das System an sich lässt sich nicht auf Deutsch einstellen, jedoch gibt es einige Filme in deutscher Sprache oder zumindest mit deutschen Untertiteln.

Am Monitor befindet sich ein USB-Port zum Laden eurer Geräte, wobei es locker 8 Stunden dauert, um z. B. ein iPhone vollständig aufzuladen! Zudem befindet sich hier der Anschluss für die Kopfhörer, ein „Flugzeug-Doppelstecker“, aber auch normale Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinke lassen sich problemlos einstecken. An den Kabinentrennwänden („Bulkhead“) befinden sich weitere fest installierte Monitore, die das Sicherheitsvideo sowie zu Start und Landung die Airshow zeigen. Unter jeder Dreier-Sitzbank befinden sich zwei internationale Universal-Stromsteckdosen.

Auch WLAN steht euch zur Verfügung. Es gibt allerdings eine MB-Beschränkung und die offiziellen Preise sind recht happig:

  • 30 MB für 4,95 USD (maximal 100 kB/s)
  • 100 MB für 14,95 USD
  • 300 MB für 29,95 USD

Als Zahlungsmittel werden alle gängigen Kreditkarten akzeptiert.

Vepflegung & Service

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass es auf der Reise gleich dreifach warme Verpflegung gab: Auf dem rund 3-stündigen Flug von Taipeh nach Bangkok gab es ein warmes Abendessen, auf dem Flug von Bangkok nach Wien gab es sogar warmes Abendessen und warmes Frühstück. Doch nach der Reihe:

Im Gegensatz zu den meisten anderen Airlines wurde überraschend schnell mit dem Service begonnen: Bereits 45 Minuten nach dem Start in Taipeh standen die Flugbegleiter im Gang und verteilten gleichzeitig Speisen und Getränke. Auf dem ersten Leg hatte ich die Wahl zwischen geschmorten Rind mit Kartoffeln und Fisch in Süß-Sauersoße. Ich entschied mich für letzeres und muss sagen: Das war durchaus schmackhaft. Zwar gab es keine individuelle Speisekarte auf diesem Leg, jedoch zeigten die Airlinemitarbeiter ein laminiertes DIN-A4-Blatt mit der Auswahl vor:

Als Getränke gab es Coca-Cola, Coca-Cola Light, Sprite, Ginger Ale, Apfel-, Orangen-, Tomaten-, Ananas-, Cranberrysaft, Kaffee, Oolong Tee, Grünen Tee, Calpis-Wasser, Rotwein, Weißwein, Ballantine’s Whiskey, Camus VSOP, Smirnoff Vodka, Bombay Sapphire Gin, Bucksin Hefeweizen und ein weiteres internationales Bier. Die Getränke wurden Economy-üblich in Plastikbechern serviert. Die Speisen jedoch in qualitativ hochwertigen Hartplastikschalen und das Besteck war sogar aus Metall.

Auf dem Flug von Bangkok nach Wien lief der Service nach dem gleichen Schema ab. Bereits 45 Minuten nach dem Start wurde aufgetischt und es gab die gleiche Getränkeauswahl. Einziger Unterschied: Diesmal wurden (bereits vor dem Start) Speisekarten ausgeteilt. Die Vorspeise war diesmal auch schon recht hochwertig: Geröstetes Hächnchen nach thailändischer Art auf Krautsalat. Als Hauptspeise hatten wir die Wahl zwischen provenzalischem Schweinefleisch mit Kartoffeln und gedünsteten Hähnchen mit Gemüse und Reis. Diesmal entschied ich mich für die westliche Variante, diese Mahlzeit war zwar etwas faserig, aber insgesamt doch recht schmackhaft.

Etwa 1,5 Stunden vor der Landung wurde das Licht eingeschaltet und nochmal warmes Essen verteilt: Hier entschied ich mich für Omelette mit Würstchen, Pilzen und Bratkartoffeln, was vorzüglich geschmeckt hat.

EVA Air Bewertung Meal 3
Frühstück vor der Landung in Wien

Der Service war insgesamt sehr schnell, aufmerksam und freundlich. Die Flugbegleiterinnen baten alle Gäste, ihr Sitze während des Speiseservice in eine aufrechte Position zu bringen, so dass der Hintermann seine Mahlzeit bequem zu sich nehmen kann. Während die Gäste aßen, ging das Bordpersonal mehrfach mit Weinen, Kaffee und Tee durch die Gänge und schenkten nach. In der Nacht wurde mehrfach Wasser verteilt, weitere Getränke gab es auf Anfrage in der Galley. Bereits kurz nach den Speiserunden wurde das Licht gedimmt.

Transit in Bangkok

Etwas nervig war der Transit in Bangkok. Ich hatte eigentlich gehofft, einfach im Flugzeug sitzen bleiben zu dürfen, wie das häufig bei 5th-Freedom-Verbindungen der Fall ist. Leider mussten alle Passagiere samt Gepäck aussteigen und in Bangkok erneut durch die Sicherheitskontrolle. Dies war mit etwa 10 Minuten Wartezeit vor dem Checkpoint und etwa 20 Minuten Fußmarsch verbunden. Immerhin konnte ich kurz die dortige Miracle Lounge besuchen. Diese – sogar die First-Class-Variante – ist für Priority-Pass-Kunden kostenfrei nutzbar. Den Priority Pass habe ich übrigens über meine Amex Platinum, die vermutlich beste Reisekreditkarte Deutschlands. Ich hätte auch in die EVA Air Lounge gekonnt, zog aber die Miracle Lounge aufgrund des exzellenten Thai Currys dort vor. 😉 Immerhin war das Flugzeug während der Bangkok-Aufenthaltes gereinigt worden und blitzsauber.

EVA Air Economy Class Bewertung
  • Check-in & Boarding
  • Komfort & Kabine
  • Essen & Service
  • Entertainment System
  • Extras
4.4
Fazit

Die EVA Air Economy Class hat mich positiv überrascht. Sie zeichnet sich durch hohen Sitzabstand, gute Verpflegung, aufmerksamen Service und viele Extras aus, die es bei anderen Airlines nur in der Business Class gibt. Hervorheben möchte ich hier die Speisekarten und die unzähligen Amenities in den Waschräumen. Wirklich gut hat mir auch gefallen, wie schnell der Service vonstatten ging. Ich kann EVA Air nur empfehlen.

Titelbild: © EVA Air
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Kommentare (6)

  1. Das Eier-Würstel Frühstück gibt es seit Start der Airline, ich mag es sehr, allerdings sollte man doch mal wechseln. Die Eco war/ist immer schon so gut gewesen, daß sich die Premium m.E. nicht unbedingt lohnt.

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  2. Super Review. Kleiner Fehler ist drin: The Garden kann auch nur mit Biz Class Ticket oder als EVA Diamond genutzt werden.

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  3. Leider ist die Premium Eco seit Mai ab Wien und seit Juni ab Amsterdam abgeschafft. Neuerdings wird ein Dreamliner in 3-3-3 Bestuhlung anstatt der 77W eingesetzt. Damit werden die Sitze sicher schmaler sein.
    Aktuell wird in dieser Woche (bis 19 Juli 19) auf einigen Flügen noch eine 77W eingesetzt.
    Danach nur noch die 789.
    Ich finde es schade, dass sich EVA Air dazu entschieden hat mit den neuen Fliegern die Premium Eco ab AMS und VIE abzuschaffen.
    Zukünftig werde ich wahrscheinlich mit Austrian in der Premium Eco fliegen.
    Seit 25 Jahren bin ich gerne mit EVA Air geflogen.

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  4. Danke für Deinen detaillierten Bericht, Adrian! Alle (für mich) nötigen Informationen (für meinen nächsten VIE – BKK Flug mit Eva Air) sind im Bericht inkludiert.

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  5. 你好, Toller Review, Danke Adrian. Dieser bestätigt auch meinen Eindruck von der sehr guten Eva Air.

    Das taiwanesis Hefeweizen heißt übrigens Buckskin 😉

    Da bekomme ich direkt wieder Lust auf Taiwan.

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