Warum ich eine Pauschalreise während der Corona-Pandemie bevorzuge

Steilküsten im Abnflug auf Teneriffa Nord

Letztes Jahr hätte ich mir kaum einen Grund vorstellen können, warum ich eine Reise innerhalb Europas spontan absagen müsste. Höchsten eine Erkrankung war ein wahrscheinlicher Grund oder ein Notfall in der Familie, aber dafür hat man ja eine Reiserücktrittsversicherung. Doch in 2020 (und vermutlich auch noch 2021) ist dank des Coronavirus die größte Sorge bei der Buchung einer Reise, dass das Ziel vom RKI auf die Risikoliste gesetzt wird (= eine Reisewarnung ausgesprochen wird), oder die Grenzen, selbst innerhalb Europas, spontan geschlossen werden.

Zwar gibt es Vorzeichen, z.B. steigende Fallzahlen, aber eine Reise bucht man ja i.d.R. mehrere Monate im Voraus. Das Risiko, dass das Zielland bis dahin auf der Risikoliste steht oder die Grenzen geschlossen sind, lässt sich nicht ausschließen. Siehe zuletzt die Reisewarnung für Spanien und Teile von Frankreich sowie Kroatien. Natürlich kann man trotz Reisewarnung in ein Land reisen. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass die meisten Reiseversicherungen z.B. Reisekrankenversicherung nicht leisten müssen, weil Reisewarnungen meistens ausgenommen sind. Auch eine Quarantäne bei der Rückkehr ist sicher und wahrscheinlich erhält man dafür auch bald keine Lohnfortzahlung mehr.

Gedanken vor der Buchung machen

Man sollte sich also bereits vor der Buchung Gedanken machen: Was wenn ich die Reise nicht mehr antreten kann oder will? Sprich, man sollte bei allen Reisebestandteilen bedenken, welche Gebühren bei einer Stornierung oder zumindest Umbuchung anfallen.

Hotels sind hier nicht das Problem. Der Aufpreis für eine stornierbare Rate ist meistens überschaubar. Bei vielen Hotelketten sind aktuell sogar alle Raten kostenfrei bis zum Anreisetag stornierbar. Auch einen Mietwagen bekommt man i.d.R. gegen einen geringen Aufpreis bis kurz vor Beginn der Anmietung stornierbar.

Fehlt also nur noch der Flug zum Ziel. Und hier fangen die Probleme an.

Flug stornieren? Nicht möglich

Für eine Flugstornierung oder -umbuchung wurde schon vor dieser Krise ordentlich Geld kassiert. Der Aufpreis für eine flexible Buchungsklasse beträgt schnell ein Vielfaches des günstigen und dann nicht stornierbaren Flugpreises. Daran scheint sich leider nicht viel geändert zu haben.

Zwar sind viele Fluggesellschaften kulanter und verzichten zumindest auf die Umbuchungsgebühr, z.B. die Lufthansa. Ferienflieger wie z.B. TUIfly und Corendon scheinen aber die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben oder verlangen dafür schon bei der Buchung einen Aufpreis. Auch Ryanair ist hier ein Negativbeispiel. Kostenfrei umbuchen kann man aktuell nur, wenn man noch im September fliegen möchte und dann kann man den Flug nur bis Ende des Jahres verschieben. Als würde sich Corona in den nächsten Tagen in Luft auflösen.

An eine kostenfreie Stornierung, z.B. wenn eine Reisewarnung ausgesprochen wird, denkt keine Airline. Einmal gebucht soll das Geld wohl auch in der Kasse bleiben. Selbst eine freiwillige Umwandlung in Fluggutscheinen bietet mittlerweile nur noch ein Bruchteil an.

Zwar haben Passagiere dank der EU-Fluggastrechte großzügige Rechte und können bei einer Annullierung des Flugs durch die Airline eine vollständige Erstattung fordern, in der Praxis haben sich viele Airlines ohne eine Rüge des Luftfahrt Bundesamtes, der zuständigen Aufsichtsbehörde, dafür mehrere Monate Zeit gelassen. Außerdem ist keinesfalls gesichert, dass die Airlines bei einer Reisewarnung auch alle Flüge annullieren. Eine Reisewarnung ist ja kein Reiseverbot. Wenn es doch so weit kommt, wird dann gebettelt, dass der Passagier doch bitte einen Fluggutschein annehmen soll.

Diese Unflexibilität der Fluggesellschaften ist mit ein Grund, warum die Flieger sich nicht weiter füllen. Die Passagiere scheuen sich einfach einen Flug zu buchen, wenn sie trotz höherer Gewalt in Form einer Reisewarnung ihr Geld verlieren. Die Folgen einer Reisewarnung, bestehend aus fehlendem Versicherungsschutz und Quarantäne bei Rückkehr nach Deutschland (bald wohl ohne Lohnfortzahlung), zwingen viele Reisende einfach dazu, ihre Reise nicht antreten zu können.

Die Lösung: Pauschalreise

Wer nicht zwangsläufig im eigenen Land Urlaub machen will, fährt wohl am besten mit einer Pauschalreise. Hier gibt es die klare Regel, die bei Individualreisen fehlt: Wird eine Reisewarnung, ein Einreiseverbot oder eine massive Beeinträchtigung der Reise z.B. durch eine Quarantäne auferlegt, kann man von der Reise zurücktreten und erhält das gesamte Geld erstattet. Fertig.

Außerdem ist das Risiko, bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters sein Geld zu verlieren, dank Reisesicherungsschein deutlich geringer. Nicht zuletzt seit die Bundesregierung bei der Thomas Cook Pleite eingesprungen ist und Betroffenen die Differenz zu der Deckungssumme des Reisesicherungsscheins erstattet. Ohne Gesetzesänderung wird das wohl auch bei der nächsten Insolvenz der Fall sein. Dann kann es zwar ähnlich wie bei Thomas Cook lange dauern, bis man sein Geld wiedersieht. Trotzdem ist es allemal besser, als überhaupt keine Absicherung wie bei Individualreisen.

Zwar kann einen eine Reisewarnung immer noch mitten im Urlaub treffen, aber immerhin erhält man dann eine Lohnfortzahlung für den Zeitraum der Quarantäne.

Fazit

Nachdem mir persönlich die Fluggesellschaften keine ausreichende Sicherheit im Falle einer Reisewarnung geben konnten, habe ich mich für die Buchung einer Pauschalreise entschieden. Auch mit dem Hintergrund, dass Flüge aktuell häufig ein deutlich höheres Preisniveau (in meinem Fall 200-300€ pro Person) und damit größeren Anteil an den Gesamtreisekosten haben als noch vor der Krise.

Sicherlich eignet sich eine Pauschalreise nicht für jede Reise. Man ist i.d.R. an ein Hotel gebunden, Rundreisen sind meistens deutlich teurer als individuell gebucht aber für eine klassische Urlaubsreise ist es meiner Meinung nach aktuell die beste Option. Sonst bleibt noch die Anreise mit dem (eigenem) Auto.

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Kommentare (12)

  1. Oliver sagt:

    Eine Pauschalreise, wenn man mal von den tollen Angeboten von Meyers Weltreisen & Co. absieht ist keine Reise, sondern Urlaub. Nichts dagegen einzuwenden, aber keine Alternative. Ich habe das Glück aus dem Homeoffice arbeiten zu können, so dass es mir Wurst ist, wenn mein Land gerade zum Risikogebiet wird. Spanien musste ich canceln, habe aber einen Gutschein von Eurowings bekommen. Last-Minute ist das Gebot der Stunde 🙂

  2. Zorniboy sagt:

    Bei einer individuellen Reisebuchung reist manpraktisch 2 mal. Einmal beim ausarbeiten der Pläne und der Buchung und dann im Urlaub. Keine Pauschalreise kann das ersetzen. Dazu ist mal dem Reiseveranstalter beliebig ausgeliefert. Man bekommt vielleicht sein Geld schneller zurück wenn es wirkliche Probleme gibt oder wartet monatelang auf das Geld eines insolventen Anbieters. Zur Zeit geht nur buchen 14 Tage vor Abflug und individuell. Die Airlines bieten ja auch noch flexible Tickets wie Turkish Airlines, Emirates ua. hotelpreise sind eh im Keller und fast immer kurzfristig stornierbar. Ich hoffe die Weisen der Bundesregierung stufen endlich die risikolosen Länder ab Oktober als solche ein damit wir nicht zur Vermeidung eine Quarantäne im Ausland landen müssen. Wie buchen erst in 2 Wochen für Mitte Oktober und sparen zum jetzt von Reiseveranstalter aufgerufenen Preis 50 Prozent

  3. emmdee sagt:

    Ist man bereits mit einem Reiseveranstalter am Urlaubsort und es passieren dort Ereignisse wie Vulkanasche, Reisewarnungen etc, ist eine Kündigung seitens des Pauschalreise-Anbieters sehr wahrscheinlich und bringt auch unerfahrene Reisende in Situationen, die sie bei Buchung eines Pauschalreiseangebotes gerade vermeiden wollten.

    Gerade Reisekonzern-Airlines gehören häufig zu den ersten, die ihr Flugangebot in solchen Situationen direkt einstellen.

    Flexibilität und Pauschalreise passen nicht zusammen. Dies gilt nicht nur in Coronazeiten.

  4. Knapp sagt:

    Danke, für das Statement „pro Pauschalreise“.
    Lufthansa und alle zum Konzern gehörenden Airlines sind wegen dem egoistischen und betrügerischen , gesetzwidrigen Verhalten ( keine oder verspätete Rückzahlung von nicht stattgefunden Flugreisen) auf Dauer bei mir gestrichen.
    Kurz:
    Lufthansa und Konsorten braucht
    kein Mensch

  5. Sven sagt:

    Ein Beispiel aus diesem Jahr: Pauschalreise auf die Kanaren im Dezember 2019 für August 2020 gebucht. Nun war der August da und die Reise hätte stattgefunden. Aber, unter diesen Bedingungen wäre das nicht der Urlaub gewesen, der gebucht wurde. Also Reise storniert und Stornokosten bezahlt. Hätte ich Flüge und stornofähiges Hotel selbst gebucht, wären die Kosten für den stornierten Flug geringer ausgefallen, als das was der Reiseveranstalter kassiert hat.

    Ich verzichte daher zukünftig auf Pauschalreisen und buche individuell.

  6. Sebastian sagt:

    Interessanter Artikel und gute Argumente für eine Pauschalreise. Ist aber trotzdem nicht für jeden etwas: Die Flüge sind ja meistens in der Economy ohne Möglichkeit direkt Business zu buchen oder upzugraden.
    Und wie ein Vorredner schon sagte ist man dem Anbieter ausgeliefert – bei Reisewarnung wird einfach storniert. Hier sollte dem Kunden die Möglichkeit gelassen werden selber zu entscheiden ob man reisen will oder nicht. Kürzlich hat TUI bei mir sogar eine Nur-Hotel-Buchung in der Türkei storniert – zum Glück konnte ich das Hotel noch zu einem guten Preis bei Expedia erneut buchen. Mir ist wirklich unklar, wieso die Veranstalter auf dieses Geschäft verzichten.

  7. Leo sagt:

    Ich zahlte der Lufthansa Anfang JANUAR ca. 1650€ für 2 Personen. Der Flug wurde am 1.7. storniert, bisher kam noch nicht einmal eine Antwort, Geld natürlich auch nicht. Ich werde den Zeufel tun, und ein Flugticket neu buchen…

    Pauschalreisen lassen sich nicht stornieren, und wenn man z.B. wegen schwerer Krankheit eines anderen außerhalb der Kernfamilie stornieren muss, zahlt keine Versicherung. Und dann ist das Geld nicht nur für den Flug weg, sondern auch für das Hotel usw..

    Ich fahre praktisch nur noch mit dem Auto und buche alle Hotels stornierbar. Sogar im Lockdown konnte man damit nach Hause fahren, wogegen viele Flüge und Zugverbindungen damals eingestellt wurden, auch mit Nachbarländern..

    Aber es gab Not-Workarounds (zu Fuß von Strßburg nach Kehl,..) , so dass man auch mit dem Zug heimkam. Bei der SNCF gebucht sind übrigens alle Zug-Tickets z.Z. stornierbar, bein der DB muss man bewusst Sparpreise statt Supersparpreise kaufen.

  8. Rene sagt:

    Ich buche weiter alles einzeln, Hotels die ich stornieren kann und Flüge die Erstattungsfähig sind oder dort wo ich umbuchen kann einen Voucher bzw sogar eine Rückerstattung bekomme. Man kann sich im WWW vorher gut informieren welche Airline Kundenservice hat und welche nicht.
    Habe alles in Cashform bei Korean, Air NZ , Lufthansa sowie Air France zurück bekommen. Hat teilweise etwas gedauert aber es hat geklappt und nichts eingebüßt ( nur Wechselkursschwankungen). Auch bei den Hotels via Ebookers alles zurück bekommen.
    Fühle ich mich persönlich sicherer als bei irgendeinem dubiosen Reiseveranstalter zu buchen der sich hinter einem großen Namen versteckt und der Telefonsupport nicht mal richtig Deutsch spricht. So erging es meinen Eltern gebucht bei FTI Pauschalreise war aber kein FTI.

  9. Michael sagt:

    Anders wird ein Schuh draus – zum einen bekommst du die Flüge innerhalb der Pauschalreise momentan nicht wie früher üblich quasi geschenkt.

    Zum anderen bist du dort völlig dem Agieren des Reiseveranstalters ausgeliefert wenn du fliegen willst – dieser aber 2 Tage vor Abflug deinen ganzen Urlaub cancelt nur weil die Spezialisten des rki da mal wieder eine Region zum Risikogebiet erklären was ja fast im Tagestakt und stets kurzfristig und vorab unkalkulierbar geschieht.

  10. Marcus sagt:

    Sehr gute Punkte! Am Ende ist es eine Abwägung: Buche ich erst einmal nur die Flüge und quasi ein Tag vorher das Gepäck dazu (plus natürlich stornierbare Hotels) oder will ich das volle Sicherheitsnetz. Taxes würde man erstattet bekommen, klar, auf dem Flugpreis bleibt man sitzen.

    Der Vorteil kann sich auch in einen Nachteil umkehren: Man *darf* nicht mehr verreisen, weil das Unternehmen vorher absagt. Ggf. wird man auch bei einer angetretenen Reise zur Rückkehr gezwungen.

    Frage:

    Bis vor kurzem war bei Expedia Hotel und Flug gemeinsam buchbar was dann automatisch eine Pauschalreise wurde. So auch der Fall bei mir – nur weigert sich Expedia zu den Billigflug da „kein Zugriff auf das Buchungssystem“. Hat jemand Erfahrungen mit entsprechenden Stornos?

    Selbst bei aus betriebswirtschaftlich abgesagten Flügen steht dem Passagier doch weiter das Recht auf Ersatzbeförderung zu. D.h. die Airline darf nicht einfach das Geld erstatten. Oder sehe ich das falsch?

    Danke!

    • Johannes sagt:

      Bei Expedia Flug&Hotel erhält man einen Reisesicherungsschein. Trotzdem ist das nicht gleichzustellen mit einer Pauschalreise sondern es handelt sich um eine verbundene Reiseleistung

      Viele Buchungsportale buchen Billigflieger wie Ryanair oder Wizzair per Screen Scraping. Dann am besten direkt an die Airline wenden. Eine Ersatzbeförderung muss auf Wunsch auf jeden Fall angeboten werden.

      • Marcus sagt:

        Danke!

        Air Arabia ist nicht gerade kooperativer, was das angeht. Zumal Expedia im letzte Buchungschritt angezeigt hat
        „Bei der Ihnen angebotenen Kombination von Reiseleistungen handelt es sich um Pauschalreise im Sinne der Reiserichtlinie (EU) 2015/2302. Daher können Sie alle EU-Rechte in Anspruch nehmen, die für Pauschalreisen gelten.“

        Screen Scraping ist recht wahrscheinlich, da auch die Airline die Kreditkarte belastet hat und nicht Expedia.

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