N26 Black: Was taugt die Kreditkarte für 71€/Jahr auf Reisen?

N26 Black Titelbild

N26 hat mit der Black-Mitgliedschaft ein neues Produkt auf den Markt gebracht, das durch eine schwarze Mastercard und vor allem durch weltweiten Versicherungsschutz auf sich aufmerksam macht. Aber welchen Mehrwert bietet nun das N26 Black Konto wirklich und wie gut sind die angebotenen Versicherungsleistungen?

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Auch wenn N26 mit einem N26 Black Konto wirbt, handelt es sich dabei streng genommen nicht wirklich um ein neues Konto, das eingeführt wurde. Vielmehr ist es erstmal nur die Mastercard, die N26 verändert hat. Anstelle einer durchsichtigen Karte erhält der Kunde nun eine matt-schwarze Mastercard, die in Verbindung mit dem bereits bekannten Girokonto genutzt werden kann.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem seit längerem erhältlichen normalen Girokonto und der Black-Mitgliedschaft sind woanders zu suchen. Nämlich in den Kosten und in den Zusatzleistungen.

So ist das N26 Girokonto mit Abschluss einer N26 Black Mitgliedschaft nicht mehr kostenlos, wie man das bisher gewohnt war. Monatlich werden 5,90€ fällig und man sollte sich nicht davon täuschen lassen, dass hier vom Monat die Rede ist – kündbar ist das Black Konto inklusive Mastercard nämlich nur jährlich. Sucht man also nach vergleichbaren Produkten, sollte man sich eher an einer Jahresgebühr orientieren, die bei N26 knapp über 70€ liegt.

Keine Fremdwährungsgebühr beim Abheben von Bargeld

Natürlich bekommt man für sein Geld noch mehr, als nur die Mastercard in neuem Design. So entfallen für Black-Kunden zukünftig die 1,7% Gebühr bei Abhebungen von Bargeld in Fremdwährungen.

Für Leute, die wirklich viel Geld im Ausland beheben, mag das zwar ein netter Bonus sein. Die 5,90€ monatlichen Gebühren holt man dadurch allerdings erst dann wieder rein, wenn man jährlich ca. 4.200€ an ausländischen Automaten zieht.

Versicherungen

Um also wirklich sicher sagen zu können, ob sich der Umstieg auf ein N26 Black Konto lohnt, muss man sich die Versicherungsleistungen genauer ansehen. Und diese sind recht umfangreich:

Hinweis: Im folgenden sind die Versicherungsbedingungen zusammengefasst. Diese können sich jederzeit ändern oder falsch interpretiert worden sein. Im Zweifel bitte in den Versicherungsbedingungen nachschlagen.

  • Reisegepäckverspätungs-Versicherung: Ab einer Verspätung von mehr als sechs Stunden werden für jede angefangene Stunde 100€ bezahlt – bis zu maximal 400€ je Reise.
  • Flugverspätungs-Versicherung: Ab einer Flugverspätung von mehr als vier Stunden werden auch hier für jede angefangene Stunde 100€ bezahlt. Die maximale Summe, die ausgezahlt wird beläuft sich ebenfalls auch 400€.
  • Reiserücktritt-Versicherung: Ersetzt für Reisen ins Ausland die Stornokosten der Reise bei Nichtantritt. Versicherte Gründe sind neben Tod, einer schweren Unfallverletzung oder einer unerwarteten schweren Erkrankung auch eine Impfunverträglichkeit. Die Versicherung zahlt ebenso bei Schäden am Eigentum, die 10 Tage vor Reiseantritt eintreten und 2.500€ übersteigen oder die Anwesenheit des Versicherten erfordern – beispielsweise bei einem Wohnungsbrand kurz vor Abflug in den Urlaub. Interessant ist auch, dass selbst bei Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung eine Leistung eingefordert werden kann.
  • Reiseabbruch-Versicherung: Ersetzt bei Reisen ins Ausland die zusätzlich entstandenen Rückreisekosten und den anteiligen Reisepreis der nicht genutzten Reiseleistung vor Ort. Die versicherten Gründe sind fast identisch mit denen der Reiserücktritts-Versicherung. Nur der Verlust des Arbeitsplatzes ist kein Grund, um eine Leistung in Anspruch zu nehmen.
  • Reise-Krankenversicherung: Erstattet bei Reisen ins Ausland die Kosten für notwendige ärztliche Hilfe bei Krankheiten und Unfallverletzungen.
  • Kranken-Rücktransport: Erstattet bei Reisen ins Ausland die Kosten für den Rücktransport in ein Krankenhaus, sowie im Todesfall die Überführungskosten.
  • Gesundheits-Assistance: Bietet bei Reisen ins Ausland Hilfe bei persönlichen Notfällen und steht euch 24 Stunden täglich zur Seite.
  • Reiseunfall-Versicherung: Leistet bei Reisen ins Ausland Entschädigung, wenn ein Unfall während der Reise zu Invalidität oder zum Tod führt.
  • Bargeld-Schutz: Ersetzt dem Kontoinhaber das mit der zum N26 Black Konto gehörenden Karte am Geldautomaten abgehobene Bargeld, wenn dieses innerhalb von vier Stunden nach Abhebung durch Überfall abhanden kommt.
  • Handydiebstahl-Versicherung: Wird euch euer Handy gestohlen, werden die Wiederbeschaffungskosten für ein Ersatzgerät bezahlt.
  • Garantieverlängerung: Wie bei der herkömmlichen Garantie werden bei Schäden, die nachweislich durch Material- oder Fabrikationsfehler des Herstellers entstanden sind die Reparaturkosten bzw. die Kosten für eine Neuanschaffung erstattet. Maximal 2 Schäden pro Jahr sind versichert.

Nachteile

Die Leistungen, die N26 anbietet, versprechen im Großen und Ganzen sehr ordentlichen Schutz. Bei genauerem Hinsehen finden sich dann doch noch einige Punkte, die vielleicht etwas kritisch bewertet werden sollten:

  • Anspruch auf die Leistungen: Leistungen, die durch eine N26 Black Mitgliedschaft geboten werden, können nur in Anspruch genommen werden, wenn die jeweilige Reise vollständig mit dem N26 Black Konto oder der zugehörigen Karte gezahlt worden sind. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein Teil der Kosten für die Reise mit Meilen/Punkten beglichen wurde (beispielsweise bei einem Prämienflug).
    Das gilt übrigens auch für die Handydiebstahl-Versicherung und Garantieverlängerung. Die Waren muss mit der N26 Black oder dem dazugehörigen N26 Konto bezahlt werden. Kündigt man die N26 Black, erlischt auch der Versicherungsschutz.
  • Ersatz nur bei Reisen ins Ausland: Mit Ausnahme des Bargeld-Schutz, der Handydiebstahl-Versicherung und der Garantieverlängerung sind alle Versicherungen nur bei Reisen ins Ausland gültig. Das mag zwar bei einigen Leistungen Sinn machen. Reisegepäck und Flüge können allerdings auch im Inland verspätet sein und auch der Rücktritt von einer Reise kann innerhalb Deutschlands vorkommen. Für diese Fälle ist man nicht versichert.
  • Keine Mietwagenversicherung: Trotz dem Fokus auf Reisen ins Ausland ist beim N26 Black Konto keine Mietwagenversicherung dabei. Sicherlich ein Schwachpunkt, vor allem bei Vergleichen mit der Konkurrenz.
  • Keine echte Kreditkarte: Wie auch bei der herkömmliche N26 Mastercard handelt es sich bei der schwarzen Variante um eine Debitkarte. Es werden also alle Zahlungen sofort vom Girokonto eingezogen. Kreditlimit gibt es keines und es kann durchaus vorkommen, dass man mit dieser Karte Probleme z.B. bei Autovermietern bekommt.
  • Laufzeit: Zwar berechnen die meisten Anbieter eine Jahresgebühr für ihre Kreditkarten. Da N26 aber mit monatlichen Kosten wirbt, ist die zwingende Laufzeit von einem Jahr etwas enttäuschend. Wichtig ist auch eine rechtzeitige Kündigung: versäumt man den Termin 4 Wochen vor Ablauf des Jahres, verlängert sich die Black Mitgliedschaft gleich nochmal um 12 Monate.
  • Deckungssummen: Die Deckungssummen bei den Versicherungen für Reiserücktritt und -abbruch sind mit jeweils 5.000€ guter Durchschnitt. Die Summen für die Reiseunfallversicherung (jeweils 25.000€ für Tod und Invalidität) sind etwas schwerer einzuschätzen. Einerseits gilt die Unfallversicherung bei N26 für die gesamte Reise und nicht, wie bei anderen Anbietern, nur für Unfälle während der An- und Abreise. Somit ist dies sicherlich als positiv zu bewerten. Die Deckungssummen für Unfälle, die dann allerdings wirklich bei der An- oder Abreise passieren, sind bei vielen Mitbewerbern deutlich höher. Die 300€ für den Handydiebstahl sind jedenfalls nicht wirklich üppig, die meisten neuen Smartphones kosten deutlich mehr. Bei der Garantieverlängerung hat man sich mit 500€ pro Schadensfall schon eher am Marktwert neuer Geräte orientiert.
  • Selbstbehalt: Sowohl bei der Handydiebstahl-Versicherung als auch bei der Garantieverlängerung bleibt ihr im Schadensfall auf 50€ Selbstbehalt sitzen. Gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass ohnehin nur der Zeitwert des Geräts erstattet wird. Bei der Reiserücktritt-Versicherung und der Reiseabbruch-Versicherung beträgt der Selbstbehalt 10% bei Rücktritt aufgrund von Tod, Unfall oder Krankenhausaufenthalt, 20% bei allen anderen Gründen, mindestens jedoch 25€. D.h. bei einem Versicherungsfall, müsst ihr bei Gesamtkosten von 5.000€, bis zu 1.000€ aus eigener Tasche zahlen. Nicht gerade wenig!

Fazit

Ein neues Produkt hat sich N26 mit dem Black Konto nicht einfallen lassen. Die Änderung am Design der Mastercard ist gelungen, das neue Schwarz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Funktionsumfang der Karte fast identisch geblieben ist. Auch das Girokonto ist dasselbe, das man vor dem Upgrade auf Black nutzen konnte.

Grundsätzlich zahlt sich das Black Konto nur für Leute aus, die oft reisen. Wer wirklich viel Bargeld im Ausland beheben will, für den wird die Ersparnis der 1,7% Gebühren einen echten Mehrwert bieten. Für alle anderen bleiben nur die Versicherungsleistungen.

Und hier bietet N26 in Partnerschaft mit Allianz ein solides Produkt an. Zwar ist das Fehlen einer Mietwagenversicherung sehr schade, aber bei den restlichen Punkten braucht sich das N26 Konto nicht zu verstecken. Die Höhe der Selbstbehalt ist bei Mitbewerbern ähnlich und auch der Einsatz der Karte zum Bezahlen der Reise wird von vielen Konkurrenten vorausgesetzt, will man Leistungen in Anspruch nehmen.

Wer bisher schon ein Fan von N26 war, dem wird vermutlich auch das neue Black Konto gefallen. Ein Upgrade ist sehr einfach via App möglich. Die Mindestlaufzeit von einem Jahr ist zwar in Hinblick auf die zusätzlich abgeschlossene Versicherung nachvollziehbar. Zum Auftreten von N26 und dem Versprechen, Banking einfacher zu machen, will dieses Vorgehen aber dennoch nicht so recht passen.

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Alternativen

Natürlich gibt es schon länger Produkte, die mit dem neuen N26 Black Konto vergleichbar sind. Einige Kreditkartenanbieter haben zusätzliche Versicherungsleistungen im Angebot und es ist selbstverständlich auch möglich, unabhängig von seiner Bank oder seiner Kreditkarte eine Versicherung für Reisen abzuschließen.

Kreditkarten

  • American Express: Sicherlich der Klassiker unter den Kreditkarten für Reisende. Bereits die American Express Green Card bietet für 55€ Jahresgebühr Versicherungsschutz bei Flug- oder Gepäckverspätungen, Gepäckverlust, bei Diebstahl, Beschädigung und einem Verkehrsmittel-Unfall. Für eine Reiserücktritt-Versicherung und Auslandsreise-Krankenversicherung müsste man aber bereits zur Gold Card greifen und hier werden dann, nach dem kostenlosen ersten Jahr, schon 140€ Jahresbeitrag fällig.
  • Barclaycard Platinum Double: Bestehend aus einer Visa und einer Mastercard bietet das Paket der Barclaycard Platinum Double für 99€ Jahresgebühr, die nach dem ersten kostenlosen Jahr zu zahlen sind, ebenfalls einiges an Versicherungsleistungen. Die Deckungssummen sind teilweise höher, als beim N26 Black Konto. Aber es wird im Schadensfall auch mehr Selbstbehalt fällig. Ein Plus gegenüber N26 ist die Mietwagenversicherung, die bei der Barclaycard inklusive ist.
  • Miles&More Kreditkarte: Für eine Jahresgebühr von 110€ bietet auch die Miles&More Credit Card Gold diverse Versicherungen für Reisende an. Mit dabei sind eine Reiserücktritt und -abbruch-Versicherung sowie eine Auslandsreise-Krankenversicherung und eine Mietwagenvollkasko-Versicherung. Die Mastercard von Miles&More ist sicherlich besonders interessant für jene, die ohnehin schon Mitglieder beim Loyalitätsprogramm von Lufthansa sind.

Reiseversicherungen

Die Verpflichtung alle Ausgaben auf der Reise mit der N26 Black MasterCard zu tätigen, ist eine große Hürde. Außerdem ist der Selbstbehalt bei der Reiserücktrittsversicherung nicht gerade niedrig. Eine Jahresreiserücktrittsversicherung ohne Bindung an eine Kreditkarte und möglichst ohne Selbstbeteiligung kann euch im Schadensfall viel Geld sparen. Die Stiftung Warentest Finanztest hat in der Ausgabe 04/2017 Auslandsreisen-Krankenversicherungen (2,50€) und in der Ausgabe 06/2016 Reiserücktrittsversicherungen (1,50€) getestet.

Testsieger mit einer Note von 1,7 bei den Jahresreiserücktrittsversicherungen war das Basispaket von TravelSecure.de. Das Basispaket bestehend aus einer Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung für Reisen bis 1.000€ und kostet ohne Selbstbeteiligung 57€/Jahr (Einzelperson unter 64 Jahren).
Das Komfortpaket inklusive Auslandsreisekrankenversicherung, 24 Stunden Notfall-Hotline und Reisegepäckversicherung bis 2.000€ gibt es ebenfalls ohne Selbstbeteiligung für 87€/Jahr (Einzelperson unter 64 Jahren).
Wer hingegen Reisen bis 2.500€ ohne Selbstbeteiligung versichern will, zahlt 105€/Jahr für das Basis- und 147€ für das Komfortpaket. Wer sich auf eine ähnliche Selbstbeteiligung (mind. 25€ und 20% bei Krankheit) wie bei der N26 Black einlässt, bekommt die Versicherung schon für 75€ bzw. 117€ pro Jahr.

Patrick

Ob der schnellste Weg zum Vielfliegerstatus oder die Übernachtung im Top Hotel – das Thema Reisen begeistert und begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Und nun nutze ich hier bei Travel-Dealz die wunderbare Gelegenheit, diese Begeisterung mit anderen zu teilen.

Kommentare (12) Schreibe einen Kommentar

  1. Kann mir jemand sagen, welche Kreditkarte eine Reiserücktrittversicherung anbietet die eine längere Reisedauer von mehr als 90 Tage beinhaltet. Es geht uns nur um die Flüge zur Absicherung !

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  2. Kann man mal bitte „Kreditkarte“ aus dem Titel entfernen? N26 hat diese noch niemals angeboten.

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  3. Wenn ich richtig informiert bin hat man die Handyversicherung nur wennn das Gerät auch mit der N26 karte gekauft wurde!

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  4. Die Miles&More Karte bietet den Versicherungsschutz nur für Geschäftsreisen…jedenfalls hatte ich nach sechs Jahren den ersten Schaden und daraufhin hat mir die Kreditkarte aus Kulanzgründen einen Teil erstattet, mir aber zugleich die Karte gekündigt, da ich sie „verbotenerweise“ privat eingesetzt hatte…

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  5. kein Mietwagenvollkasko und das von einer Karte fürs Reisen? Der Rest ist doch uninteressant und bei jeder 08/15 Kreditkarte vorhanden.

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  6. Alter Wein in neuen Schläuchen, nur ein paar Stellschrauben gedreht.
    N26 mußte inzwischen halt auch erfahren, dass die Bäume bankentechnisch nicht in den Himmel wachsen.
    Das größte NoGo für mich ist der Fakt, dass hier eine Debitcard ein bißchen aufgehübscht wurde, trotzdem bleibt Debit=Debit und eben nicht Kredit(karte).

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  7. Sehr ärgerlich, dass man nur selbst, aber anscheinend nicht die Kinder und der Ehepartner mit abgesichert sind, das ist heute doch Standard bei den Reiserücktrittversicherungen.

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